Der Kampf um Kita-Plätze in Wiesbaden

Nicht für jedes Kind in Wiesbaden gibt es einen Krippen- oder Kita-Platz. Eltern müssen sich oft schon kurz nach der Geburt vormerken lassen. Eine Betreuung in Wohnungsnähe zu finden, ist dabei in manchen Stadtteilen fast unmöglich.

Der Kampf um Kita-Plätze in Wiesbaden

Um Eltern zu entlasten — etwa, wenn sie berufstätig sind, aber auch um Kindern erste soziale Kontakte zu vermitteln, ist der Kitabesuch ein wichtiger Schritt. Doch in Wiesbaden scheinen die Plätze rar. So musste auch Merkurist-Leser Erik lange um einen Betreuungsplatz für sein Kind im Krippenalter kämpfen.

Sich bei mehreren Einrichtungen zu bewerben, ist dabei in der Landeshauptstadt keine Seltenheit. Denn gerade für Kinder unter drei Jahren sind die Plätze rar. Wie Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD) auf Nachfrage erklärt, gab es im März 2020 nur für 36,5 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. Von den Kindern ab drei Jahren konnten rund 87 Prozent eine Kita besuchen. „Es kann davon ausgegangen werden, dass im Verlauf des Kita-Jahres alle verfügbaren Plätze belegt werden“, fasst der Dezernent zusammen.

Unterschiede in verschiedenen Stadtteilen

Einen Platz in einer Wunscheinrichtung zu bekommen, sei dabei besonders schwer. Laut Verwaltung seien viele Eltern auf der Suche nach einem Kitaplatz für ihr Kind, der entweder fußläufig von zuhause erreichbar ist, in der Nähe der Wohnung der Großeltern oder in der Nähe des Arbeitsplatzes eines Elternteils liege. „Pädagogisch ist es aber ein Ziel, dass die Kinder in der Nähe der jeweiligen Bezugsgrundschule in den Kindergarten gehen, sodass sie von den guten Übergangsprogrammen profitieren und die anderen Kinder schon vorher kennenlernen können“, erklärt Manjura.

„An solchen Punkten ist die Versorgungslage dann besonders kritisch.“ - Sozialdezernent Christoph Manjura

Dabei gestalte sich die Lage aber von Stadtteil zu Stadtteil unterschiedlich. „Im Westend beispielsweise gibt es viele Kinder, dort gibt es aber wenig Flächen. An solchen Punkten ist die Versorgungslage dann besonders kritisch“, sagt Manjura. „Gerade im Innenstadtbereich sind die Übergänge aber fließend, sodass die Wege sich in der Regel in Grenzen halten. In Nord- und Südost beispielsweise ist die Versorgungslage gut, sodass hier auch Kinder aus anderen Bereichen versorgt werden können.“

Online-Vormerk-System für Wiesbaden

Eltern, die dringend auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind angewiesen sind, rät der Dezernent, sich frühzeitig — am besten kurz nach der Geburt — im Online-System Wikita zu registrieren. Dort werden freie Plätze angezeigt, je Registrierung können bis zu 10 Plätze pro Kind vorgemerkt werden.

Doch bevor eine Kita ein Kind aufnimmt, sei ein Kennenlernen vor Ort unausweichlich. „Wikita ist dezidiert ein Vormerk- und kein Vergabesystem“, betont Manjura. Für Eltern bedeute das System, dass sie sich jeder Zeit vormerken lassen können und für diesen ersten Schritt nicht auf die Öffnungszeiten der Kitas angewiesen sind. Und auch die Betreuungseinrichtungen selbst haben laut Manjura viele Vorteile durch das Online-Portal: „Früher haben die Kitas, wenn sie einen Platz vergeben, oft viel hinterhertelefoniert, nur um dann festzustellen, dass die Kinder längst einen Platz woanders hatten. Solange war der Platz quasi blockiert und kein anderes Kind konnte ihn bekommen.“

„Mit jeder Vormerkung erhöht sich die Chance einen Platz zum Wunschtermin zu bekommen.“ - Sozialdezernent Christoph Manjura

Einen Tipp hat Manjura für den Umgang mit Wikita: „Mit jeder Vormerkung erhöht sich die Chance einen Platz zum Wunschtermin zu bekommen“, sagt er. Wobei in den ersten Monaten des Kita-Jahres, also August bis November, die Chancen tendenziell höher als als im Frühling, „einfach weil dann durch die Schulabgänge wieder viele Plätze frei werden.“ Wichtig sei auch, dass man mit der Krippenvormerkung bereits einen Anschlussplatz vormerkt. „Sollte sich herausstellen, dass es tatsächlich eng wird, ist es im Einzelfall ratsam, Kontakt zur Kitaplatzberatung oder auch zu den vorgemerkten Kitas aufzunehmen“, rät Manjura. „Im Krippenbereich ist auch die Kindertagespflege, als familiennahe Betreuung eine tolle Option. Hier hilft der Treffpunkt Tagesmütter weiter.“

Neue Plätze entstehen

Das Online-Vormerk-System werde zudem ständig weiterentwicklet. Im Oktober soll dabei eine neue Evaluationsrunde stattfinden, um Verbesserungsmöglichkeiten ausfindig zu machen. Zudem arbeite die Stadt auf Hochtouren daran, das Betreuungsangebot zu erweitern. „Derzeit befinden sich 220 Krippen- und 439 Elementarplätze in Umsetzung, die bis spätestens Anfang 2023 in Betrieb gehen sollen“, sagt Manjura. Zusätzlich laufen Programme, um die Zahl der Kindertagespflegepersonen und damit der Plätze in der Kindertagespflege zu erhöhen. (ts)

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