Ob Wasserrohrbrüche, Gasstörungen oder plötzlich absackende Fahrbahnen – allein in diesem Jahr mussten in Wiesbaden bereits rund 30 solcher unvorhersehbaren „Akutmaßnahmen“ durchgeführt werden. Ein aktuelles Beispiel ist der Wasserrohrbruch auf der Platter Straße oder die Hitzeschäden an der Bahnhofsstraße auf Höhe des Busteigs in Richtung Innenstadt. Wie die Landeshauptstadt Wiesbaden mitteilt, liegen die Ursachen für die häufigen Störungen tief in der Geschichte und der besonderen Geologie der Stadt.
Fast wöchentlich kommt es zu solchen Ereignissen, die sowohl die Stadtverwaltung als auch die Baufirmen vor große Herausforderungen stellen. Oft wird das volle Ausmaß eines Schadens erst bei den Reparaturarbeiten sichtbar. Der Grund für diese Häufung ist ein besonderer Untergrund, der Rohrbrüche und Absenkungen zusätzlich zur normalen Verkehrsbelastung begünstigt.
Historische Lasten im Erdreich
Ein Problem reicht bis in die Nachkriegszeit zurück. Damals wurden viele Straßen mit dem verfüllt, was zur Verfügung stand: Schutt und Trümmerteile. Über diesem Material baute man die neuen Fahrbahnen. Laut Stadt löst sich dieses Füllmaterial im Laufe der Zeit auf, zerfällt zu Staub und kann die Kanäle verstopfen, was wiederum zu Rohrbrüchen führt.
Hinzu kommt, dass Wiesbaden im Zweiten Weltkrieg vergleichsweise wenig zerstört wurde. Daher ist ein großer Teil des Leitungsnetzes bis heute erhalten – einige Rohre sind bereits über 120 Jahre alt. Obwohl diese alten Gusseisenrohre als robust gelten, erreichen sie nach circa 100 Jahren das Ende ihrer Lebensdauer und sind anfällig für Schäden. Das älteste noch existierende Leitungsstück der Stadt stammt aus dem Jahr 1871.
Eine Stadt in ständiger Bewegung
Auch die geologische Lage Wiesbadens spielt eine entscheidende Rolle. Die Stadt liegt an einer Nahtstelle zwischen Taunus, Rheingraben und dem Mainzer Becken. Teile der Innenstadt, wie zum Beispiel die Berliner Straße, befinden sich auf einem sogenannten Rutschhang, der sich langsam in Richtung Rhein bewegt.
Diese stetige Bewegung kann im Untergrund Hohlräume entstehen lassen, wodurch Leitungen freiliegen und für Erschütterungen anfälliger werden. Im Extremfall kann sogar die Fahrbahn einstürzen. Der Druck, der durch die Verschiebung auf die im Boden vergrabenen Rohre ausgeübt wird, kann ebenfalls zu Beschädigungen führen.
Trotz der ständigen Überwachung des gesamten Leitungsnetzes durch die Stadtwerke und der kontinuierlichen Erneuerung durch die Stadt und die ESWE Versorgungs AG werden sich solche Vorfälle auch in Zukunft nicht vermeiden lassen. Die Verantwortlichen bitten daher um Verständnis für die damit verbundenen Einschränkungen.