Warum die RKI-Inzidenz für Wiesbaden nicht ganz richtig ist

Bei der Inzidenzberechnung für Wiesbaden setzt das Robert Koch-Institut (RKI) auf veraltete Einwohnerzahlen. Die Stadt Wiesbaden hat auf den Missstand schon hingewiesen, nimmt ihn aber inzwischen hin.

Warum die RKI-Inzidenz für Wiesbaden nicht ganz richtig ist

In Wiesbaden liegt die Sieben-Tage-Inzidenz schon seit Tagen unter dem kritischen Wert von 50 - jetzt treten sogar Lockerungen in Kraft (wir berichteten). Gut möglich, dass die „wirkliche Inzidenz“ in Wiesbaden sogar noch ein bisschen geringer ist. Denn: Das Robert Koch-Institut (RKI) rechnet in Wiesbaden mit einer veralteten Bevölkerungszahl. Statt von der aktuelleren Zahl 291.160 auszugehen, rechnet man beim RKI noch mit 278.474 Einwohnern in Wiesbaden. Da der Inzidenzwert die Coronafälle der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner angibt, ist der RKI-Wert für Wiesbaden also nicht vollkommen korrekt.

Merkurist-Leser Christian fragt sich deshalb in seinem Snip: „Warum nimmt Wiesbaden es anscheinend anstandslos hin, dass die falsche Bevölkerungszahl beim RKI verwendet wird?“ Auf Nachfrage von Merkurist, ob das RKI inzwischen die aktuellen Einwohnerzahlen von Wiesbaden verwendet, erklärt ein Stadtsprecher: „Nein, es werden weiterhin die Zahlen der letzten Volkszählung verwendet.“

Stadt hatte RKI mehrfach auf veraltete Zahlen hingewiesen

Das hessische Ministerium für Soziales und Integration erklärt auf seiner Webseite zu den Berechnungen der Inzidenzzahlen, warum die Ministeriumszahlen von den Zahlen des RKI abweichend sind: „Für die Berechnung der Inzidenzen werden die Bevölkerungszahlen des Hessischen Statistischen Landesamtes in Wiesbaden (Stand: 31.03.2020) zugrunde gelegt. Bei den Inzidenzberechnungen kann es zu Abweichungen kommen, da das RKI geringfügig abweichende Bevölkerungszahlen zugrunde legt.“

Bereits im Oktober 2020 hatte die Stadt Wiesbaden das RKI darauf aufmerksam gemacht, dass die verwendete Einwohnerzahl nicht mit der realen Zahl übereinstimmt. Damals veröffentlichte sie sogar eine selbstberechnete Inzidenz, anhand der aktuelleren Einwohnerzahl. Zudem erklärte die Stadtverwaltung in einer Presseerklärung im Mai 2021 noch: „Weiterhin weist die Landeshauptstadt aufgrund der vielen Hinweise aus der Bevölkerung bezüglich der für die Berechnung der Sieben-Tages-Inzidenz vom RKI verwendeten, veralteten und abweichenden Bevölkerungszahlen darauf hin, dass die Stadt bereits im vergangen Jahr mehrfach bei den zuständigen Stellen auf diesen Missstand hingewiesen hat, eine Lösung bislang aber nicht erzielt werden konnte.“

Inzwischen rudert die Stadt aber zurück: „Für die Inzidenzberechnung verwendet das RKI die amtlichen Bevölkerungszahlen, und das ist aus Gründen der Vergleichbarkeit mit anderen Städten beziehungsweise Kreisen auch sinnvoll“, erklärt ein Stadtsprecher. Dass die Zahlen nicht identisch sind, sei auf methodische Gründe zurückzuführen. Dies sei nicht nur in Wiesbaden, sondern in fast allen deutschen Städten der Fall. „Welche der beiden Angaben letztlich valider ist, lässt sich nicht sagen“, so der Stadtsprecher. Die Stadt Wiesbaden nimmt die Unterschiede inzwischen hin. Auch wenn eine „Harmonisierung“ der beiden Zahlen nach Ansicht der Stadt Wiesbaden „wünschenswert“ wäre, sei das nicht möglich.

Eine Merkurist-Anfrage an das Robert-Koch-Institut blieb bis zum Erscheinen des Artikels unbeantwortet.

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