Gibt es ein Rattenproblem in Wiesbadens Innenstadt?

Eine Merkurist-Leserin hat in einem Restaurant in Wiesbaden-Mitte offenbar Nagetiere im Gastraum entdeckt. Tummeln sich die Nager nun in der Innenstadt? Und inwiefern wäre das ein Problem?

Gibt es ein Rattenproblem in Wiesbadens Innenstadt?

In manchen Städten leben mehr Ratten als Menschen, dennoch bekommt man sie eher selten zu Gesicht. Denn die Nagetiere beherrschen meist den Untergrund, leben in Kanalisationssystemen und kommen nur nachts heraus, um nach etwas Essbarem zu suchen. Im Abwasser leben sie von dem, was wir Menschen über die Toilette entsorgen. „Wanderratten fressen alles, was fressbar ist, egal ob pflanzlicher oder tierischer Herkunft“, so der BUND Hessen.

Nun haben Nagetiere anscheinend auch ein Restaurant in der Wiesbadener Innenstadt erobert. Bilder einer Merkurist-Leserin zeigen, wie die kleinen Tiere durch den Gastraum flitzen.

Leserin Anja vermutet, dass es Mäuse sind, es können aber auch Wanderraten sein. Diese haben, ähnlich wie Mäuse, eine eher stumpfe Schnauze und kleine Ohren. „Bei dem Anblick verging es einem“, schreibt Anja. Ihrer Beobachtung nach habe sich ein Nest unter einer Bank des Gasthauses befunden. „Das Personal schien das nicht zu stören“, berichtet sie.

Krankheiten verbreiten sich vor allem über Parasiten

Ursprünglich stammt die Wanderratte, die zu den häufigsten Nagern unserer Städte zählt, aus Kleinasien. Sie legt gern unterirdische Gänge in der Nähe von Gewässern an. Verbreiten können die Tiere Krankheiten vor allem über Parasiten, so der BUND Hessen. Dazu zählt etwa der Rattenfloh. Wie das Umweltbundesamt mitteilt, können die Wanderratten sowohl über 100 verschiedene Krankheiten als auch Tierseuchen auf den Menschen übertragen. Ihr Kot kann zudem Lebens- und Futtermittel verunreinigen.

Vergleicht man die Zahlen der gemeldeten Ratten mit denen aus anderen Städten, gibt es in Wiesbaden recht wenige von ihnen: 182 Meldungen beim Ordnungsamt habe es im Jahr 2021 gegeben, 214 im vergangenen Jahr. Das teilt Pressesprecher Ralf Munser auf Anfrage von Merkurist mit. Wie sich die Rattenpopulation entwickelt, werde aber statistisch nicht erhoben. „Man geht jedoch davon aus, dass auf einen Einwohner drei bis vier Ratten kommen, so Munser. Angelockt würden sie wahrscheinlich von Essensresten in der Kanalisation, Vogelfutter in Gärten und öffentlichen Flächen sowie die „Verwahrlosung von nicht genutzten Flächen“.

Dass aktuell Nagetiere in einem Restaurant aufgetaucht seien, sei dem Ordnungsamt aber nicht bekannt.

Tiere sind meldepflichtig

Prinzipiell müssten Tiere, die Krankheitserreger verbreiten können, bei der zuständigen Gemeinde angezeigt werden. Das schreibt die Schädlingsbekämpfungsverordnung vor. In Wiesbaden ist hierfür das Ordnungsamt zuständig (oeffentliche.ordnung@wiesbaden.de). Wenn die Tiere auf Straßen und Grünflächen auftauchen, werde zeitgleich die Bekämpfung in den Kanälen eingeleitet, so der Pressesprecher. Grundstückseigentümer sind aber grundsätzlich selbst für die Bekämpfung zuständig. Die Maßnahmen müssen dann beim Ordnungsamt nachgewiesen werden. Gegebenenfalls kontrolliert das Ordnungsamt auch direkt vor Ort.

Wie Munser erklärt, sei es jedoch am besten, Essensreste ordnungsgemäß zu entsorgen, also nicht etwa über die Toilette zu entsorgen oder auf Bürgersteige und in Grünanlagen zu werfen. Auch Vogelfutter sollte so ausgelegt werden, dass es für Ratten nicht erreichbar ist.

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