Was die Stadt Wiesbaden gegen Leerstand in der Innenstadt tun will

In der Wiesbadener Innenstadt stehen aktuell viele Läden leer. Doch das soll sich in Zukunft ändern. Wie die Innenstadt wiederbelebt werden soll.

Was die Stadt Wiesbaden gegen Leerstand in der Innenstadt tun will

Ein Spaziergang durch das Wiesbadener Luisenforum und es fällt schnell auf: Hier ist nicht mehr so viel Leben, wie es einmal war. Einige Geschäfte stehen leer. Nachdem das Bürgerbüro ausgezogen ist, wird auch das dort untergebrachte Impfzentrum im September schließen. Dann stehen vermutlich auch diese Räume leer. Im Rest der Innenstadt sieht es an manchen Ecken ähnlich aus. Im Dezember wurden 48 Innenstadtläden nicht genutzt – seitdem ist die Zahl sogar noch einmal gestiegen.

Angespannte Situation für Unternehmen

„Der Markt ist ständig in Bewegung – durch Corona noch schneller als normal – und im Januar und Februar ist der Leerstand gestiegen“, sagt Christian Stettler, persönlicher Referent des Bürgermeisters. Zwar könne man aktuell keine konkrete Zahl nennen, weil der zuständige Mitarbeiter krank sei, es sei aber unbestreitbar, dass es mehr Leerstände gibt. Die Pandemie habe den Trend hin zum Onlinegeschäft grundsätzlich gestärkt, was den stationären Einzelhandel belastet. Das zeigte auch kürzlich eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK), an der sich 48 Wiesbadener Unternehmen beteiligten.

Mehr als 90 Prozent der Unternehmen schätzten ihre eigene Situation demnach als angespannt bis sehr angespannt ein. Grund seien insbesondere die bisher geltenden Corona-Regeln, da diese zum Teil große Umsatzrückgänge mit sich brachten. Außerdem fehle es den Betrieben an Laufkundschaft. Auch Frust und Verunsicherung bei Kunden und Probleme in der Lieferkette wurden als Gründe genannt. In einem Forschungsprojekt zur Entwicklung der Innenstadt gaben Ladenbesitzer und Besucher der Innenstadt darüber hinaus vor kurzem an, welche Probleme sie an sich in der Stadt sehen. Heraus kamen Dinge wie ein fehlender Branchenmix, wenig inhabergeführte Geschäfte und zu hohe Mieten.

Was will die Stadt tun?

Als das Forschungsprojekt im Januar vorgestellt wurde, sagten Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) und Bürgermeister Oliver Franz (CDU), es brauche „eine pro-aktive Innenstadtentwicklung und einen kreativen Umgang mit unvermeidbaren Leerständen.“ Aber was heißt das genau? Was tut die Stadt, um die Innenstadt wiederzubeleben?

„Umgesetzt werden sollen – soweit Budget vorhanden – die Maßnahmen aus dem Masterplan Innenstadt“, sagt Stettler. Der umfangreiche Plan sieht zum Beispiel vor, neue Veranstaltungen und mehr Lokale in der Innenstadt zu etablieren, Kultur zu fördern, Leerstehende Gebäude und Räume zur Wiederbelebung aufzukaufen, ÖPNV-Verbindungen zu verbessern und Schlüsselimmobilien zu reaktivieren. Auch gestalterisch soll die Stadt attraktiver werden, zum Beispiel durch weniger Schmierereien, weitere Mülleimer, mehr Sitzgelegenheiten und ein besseres Beleuchtungskonzept. Teile davon sind schon in der Umsetzung, wie beispielsweise die Neugestaltung des Areals rund um die City Passage und die Sanierung des Walhallas. Das neue Fahrradfest im Kurpark soll die Stadt ebenfalls beleben.

Quartiersentwicklung und Konzepte gegen Leerstand

Darüber hinaus hat das Referat für Wirtschaft und Beschäftigung Fördergeld aus einem Landes- und Bundesprogramm erworben. „Dabei wird es unter anderem um die Bespielung von Leerständen und um die Profilierung der fünf Quartiere im historischen Fünfeck gehen“, so Stettler. Bei den fünf Quartieren handelt es sich um die Bereiche rund um Taunusstraße, Römerberg, Wilhelmstraße, Fußgängerzone, Altstadt und Luisenforum. Mit Maßnahmen wie einer besseren Beschilderung, mehr Grün, einem neuen Beleuchtungskonzept, mehr Außengastronomie und der Neugestaltung einzelner Plätze sollen die Quartiere gestärkt werden.

Leerstand soll mit einem vom Land Hessen geförderten Konzept belebt werden. Unter dem Namen „CoLab“ sollen in einem experimentellen Pop-up-Store Hochschulen, Bürger, Einzelhandel, Gastronomie und Kultur ein „Zukunftsbild des urbanen Lebens entwickeln“. In einem „CoGrow-Space“ werden Start-Ups die Möglichkeit bekommen, ein städtisch gefördertes Ladenlokal in guter Lage zu günstigen Konditionen anzumieten. Und als „CoShow-Space“ soll eine freie Fläche für Ausstellungen, Veranstaltungen, Workshops oder Vorträge genutzt werden.

Einige Läden könnten bald wieder öffnen

Was den Leerstand in der Stadt ganz aktuell angeht, kann Christian Stettler zumindest schon einmal Hoffnung machen. Viele Räume seien längst wieder vermietet, stünden kurz vor dem Umbau oder seien nur wegen des aktuellen Handwerkerstaus noch nicht umgebaut. „Wir wissen von zwei Läden, die aufgrund der Unbeweglichkeit der Vermieter beim Thema Miethöhe am aktuellen Standort aufgegeben haben, dennoch interessiert sind, in Wiesbaden ein neues Geschäft zu eröffnen“, so der Referent des Bürgermeisters.

Und im Luisenforum? Wird es dort auch bald wieder Neueröffnungen geben? Das Centermanagement des Einkaufszentrums will sich auf Merkurist-Anfrage weder zum Leerstand noch zu möglichen Neueröffnungen und der Zukunft der Räume des ehemaligen Bürgerbüros äußern.

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