Breitet sich die gesundheitsgefährdende Ambrosia-Pflanze auch in Wiesbaden aus?

Vor Kurzem gab es Medienberichte, wonach sich die Ambrosia-Pflanze in Hessen ausbreitet. Das Gewächs kann schwere Allergien auslösen. Wie sieht es in Wiesbaden aus, kommt die Pflanze auch hier immer häufiger vor?

Breitet sich die gesundheitsgefährdende Ambrosia-Pflanze auch in Wiesbaden aus?

Sie sieht harmlos aus, kann aber schwere Allergien, Bindehautentzündungen und sogar Asthma auslösen: die Beifuß-Ambrosie. Das Gewächs stammt ursprünglich aus Nordamerika, hat sich aber mittlerweile in Europa ausgebreitet und kann echte Schäden anrichten. Die Pollen der Ambrosie zählen nicht nur zu den stärksten Allergie-Auslösern, sodass schon kleine Mengen ausreichen können, um allergische Reaktionen hervorzurufen.

Laut einer Untersuchung des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) kann sie als Acker-Unkraut auch zu gravierenden Ernteverlusten bei Sonnenblumen, Lupinen, Erbsen, Bohnen und Mais führen. Erst kürzlich berichtete die „Hessenschau“ darüber, dass sich die wärmeliebende Ambrosia-Pflanze durch den Klimawandel immer weiter in Hessen ausbreitet – vor allem in Südhessen.

So ist die Situation in Wiesbaden

„Zur Ausbreitung der Beifuß-Ambrosie im Wiesbadener Stadtgebiet gibt es keine absoluten Zahlen“, heißt es auf Merkurist-Anfrage aus dem städtischen Umweltamt. Einer aktuellen Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) nach, sei derzeit aber keine besonders intensive Verbreitung zu beobachten. Vor etwa 10 bis 15 Jahren seien in einzelnen Privatgärten einige der Pflanzen gefunden worden. Sie seien durch Vogelfutter in die Gärten gelangt, denn die Körnermischungen können Ambrosien-Samen enthalten. Die UNB habe die Eigentümer und Pächter daraufhin beraten, wie sie die Pflanzen schnell und nachhaltig bekämpfen können.

Das HLNUG habe darüber hinaus landesweit ein Ambrosia-Monitoring durchgeführt. „Im Rahmen dieses Projekts wurden vor einigen Jahren im Stadtgebiet Wiesbaden insgesamt drei Standorte der Beifuß-Ambrosie mit ursprünglich mehr als 100 Pflanzen entdeckt, die am 16. September 2021 auf ihre weitere Entwicklung überprüft wurden“, so ein Sprecher der Stadt. Dabei kam heraus, dass sich die Pflanzen, die dort durch verunreinigtes Saatgut hingelangt waren, bereits ausgebreitet hatten. Auf den drei landwirtschaftlichen Flächen in Igstadt befanden sich nun 120 beziehungsweise 20 sowie etwa 600 Pflanzen. Auch in diesem Fall wurden die Eigentümer darüber informiert und darum gebeten, das Gewächs zu beseitigen.

Städte und Kommunen haben keine rechtliche Handhabe

Dass Stadt und Land Eigentümer von landwirtschaftlichen Flächen und Privatgärten lediglich darum bitten können, die gesundheitsgefährdende Pflanze zu beseitigen, hat einen Grund. „Die Beifuß-Ambrosie ist derzeit nicht als invasive Art gelistet. Das heißt: sie wurde noch nicht auf die sogenannte Unionsliste der invasiven Arten gesetzt“, erklärt der Sprecher. Als Grund nennt die europäische Kommission, dass die Pflanze kaum gefährlich für das heimische Ökosystem sei. Kommunen und Behörden haben demnach keine rechtliche Grundlage, die Pflanze zu entfernen, wenn sie nicht gerade auf stadt- oder landeseigenen Flächen wächst.

In allen bisher bekannten Fällen in Wiesbaden seien die Pflanzen zwar auch ohne rechtliche Verankerung entfernt worden, da das meist im Interesse der Flächeneigentümer liege, so der Sprecher. „Aus Sicht der Kommune wäre es dennoch sinnvoll, wenn auf Basis der zwischenzeitlich vorliegenden Forschungsdaten die Ambrosie als invasive Art auf die Unionsliste gesetzt werden würde.“ Laut Hessenschau will das „Fachzentrum Klimawandel und Anpassung“ im Herbst einen Runden Tisch mit Vertretern der Landesverwaltung und betroffener Kommunen ins Leben rufen. Denn die Pflanze sei aus Sicht des Fachzentrums sehr wohl eine Gefahr für das heimische Ökosystem. „Sollte es in Zukunft noch trockener werden, werde sich die genügsame Pflanze noch weiter verbreiten und andere heimische Arten verdrängen“, heißt es dazu. Bei dem Runden Tisch sollen deshalb entsprechende rechtliche Grundlagen geschaffen werden, um die Pflanze zu beseitigen – auch ohne EU.

Was tun, wenn man eine Ambrosie im Garten entdeckt?

Wer die Beifuß-Ambrosie im eigenen Garten erkennt, sollte sie am besten möglichst vor der Blütezeit beziehungsweise der Samenbildung mit Wurzel ausreißen. Dabei sollte man aber Handschuhe tragen, weil der bloße Hautkontakt mit Pflanzenteilen zu Rötungen, heftigem Juckreiz und Schwellungen führen kann.

Blüht die Pflanze bereits, sollte man eine eng anliegende Staubmaske tragen und die Pflanze noch vor dem Herausreißen mit einem Plastiksack überziehen. So soll vermieden werden, dass Samen auf den Boden fallen, die dann wieder austreiben. Entsorgen soll man die Pflanze über den Restmüll.

Wie ihr die Pflanze erkennt und weitere Tipps, lest ihr auf der Webseite der Stadt und hier.

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