Was unter jungen Wiesbadenern für Unsicherheit sorgt

Die Umfrage zum Sicherheitsgefühl junger Wiesbadener zeigt, dass es bestimmte Faktoren gibt, die für Unbehagen in der Stadt sorgen. Doch wovor haben die Wiesbadener Angst und was kann die Stadt dagegen unternehmen?

Was unter jungen Wiesbadenern für Unsicherheit sorgt

Am Montag wurden die Ergebnisse der Umfrage „Das Sicherheitsgefühl junger Wiesbadenerinnen und Wiesbadener“ vorgestellt (wir berichteten). Diese zeigt auf, dass sich 66 Prozent der Befragten in Wiesbaden „sicher“ oder „eher sicher“ fühlen. Trotzdem offenbarten die Teilnehmer auch einige Ängste.

Relativ deutlich erklärten 67 Prozent der Befragten, dass es in Wiesbaden bestimmte Personengruppen und Verhaltensweisen gebe, von denen sie sich besonders bedroht fühlen. Angesprochen auf die konkreten Gruppen, gaben 256 Personen an, sich von Betrunkenen bedroht zu fühlen. Knapp dahinter, mit 253 Angaben, stehen „Ausländer“, „Flüchtlinge“ oder „Asylbewerber“. 110 Personen fürchten sich vor „Jugendlichen“. Auf den folgenden Rängen liegen „Personengruppen“, „Obdachlose“, „Drogenabhängige“, „Männer“ und „Rechte Gruppen“.

Diffuse Ängste

Für die Macher der Studie, das Wiesbadener Amt für Statistik und Stadtforschung, aber auch die Stadt Wiesbaden und die Polizei, sind diese Ergebnisse nicht ganz einfach zu deuten. Denn viele Antworten sind nicht konkret nachvollziehbar, da Merkmale wie beispielsweise „Ausländer“, „Obdachloser“ oder „Flüchtling“ eben nicht von Außen sichtbar sind. Das macht die Betrachtung problematisch.

Doch vor was genau fürchten sich die befragten Wiesbadener im Alter von 16 bis 29 Jahre? Es sind die mit den Personengruppen verbundenen Handlungen, die für Unbehagen sorgen. Meistgenannt wurden dabei „unangemessene und beleidigende Äußerungen“ und „respektloses Verhalten“. „Gewaltbereites Verhalten“ und „unangebrachtes Verhalten“ markieren die Plätze zwei und drei. Die Ängste sind also teilweise relativ diffus. „Sexistische Äußerungen und sexistisches Verhalten“ wurde 39 Mal genannt und liegt in der Liste der Ängste auf Platz vier.

Angesprochen auf die rationale Bewertung des Risikos, dem sich junge Wiesbadener ausgesetzt sehen, schätzen die meisten das Risiko angepöbelt oder bedroht zu werden als höchstes ein (61 %). Angst vor der Bedrohung mit einer Waffe haben nur wenige (23 Prozent), auch Raub und Überfälle (29 Prozent) wurde relativ selten als Bedrohung genannt.

Hinsichtlich der konkreten Erfahrungen, also den tatsächlich erlebten Vorfällen, scheinen die Ängste vor den potenziellen Bedrohungen auch die tatsächlichen Angst-Faktoren zu benennen. So wurden 61 Prozent der Befragten bereits angepöbelt oder bedroht, 27 Prozent schon einmal sexuell belästigt und 17 Prozent bestohlen. Mit einer Waffe bedroht (8 Prozent), überfallen oder beraubt (3 Prozent) oder sexuell angegriffen oder vergewaltigt wurden nur wenige (2 Prozent).

Was kann man dagegen tun?

Wie kann die Stadt Wiesbaden nun handeln, damit sich ihre jungen Bewohner wieder sicherer fühlen? Aus der Studie geht hervor, dass die Komplexität dieser Herausforderung auch den Befragten bewusst scheint. So wird mehrheitlich nicht nur der „starke Staat“ gefordert, sondern vielmehr ein ganzes Bündel von Maßnahmen als sinnvoll erachtet. Zwar müsse die Polizei im öffentlichen Raum Präsenz zeigen und hart durchgreifen. Aber auch Maßnahmen wie eine bessere Straßenbeleuchtung und mehr soziale Maßnahmen im Sinne von Gewaltprävention, Streetworkern und (Schul-)Sozialarbeit werden als sinnvoll erachtet.

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