Ärger um Citybahn-Plakate an der Biebricher Allee

In der Nacht zum Samstag wurden neue Anti-Citybahn-Plakate entlang der Biebricher Allee befestigt. Einige Merkurist-Leser sehen darin eine Falschinformation, die es aufzuklären gilt.

Ärger um Citybahn-Plakate an der Biebricher Allee

„Diese Bäume sollen sterben. Für die Citybahn“, heißt es auf Plakaten, die seit Kurzem an einer Mehrheit der Bäume entlang der Biebricher Allee hängen. Sie sind in schwarz-weiß gehalten und mit einem schwarzen Kreuz verziert, wie es unter anderem auf Traueranzeigen zu finden ist. Auf weiteren Plakaten ist ein mit „Nein“ angekreuztes Wahlfeld zu sehen, daneben steht „1.11.2020. Keine Citybahn“.

Soweit ist das nichts ungewöhnliches. In der Stadt hängen seit diesem Wochenende einige Plakate und Banner, die sich im Hinblick auf den Bürgerentscheid zur Citybahn am 1. November für oder gegen die Straßenbahn aussprechen. Die neuen Plakate in der Biebricher Allee sorgen allerdings für Unmut. Im Netz nennen sie die einen freie Meinungsäußerung, die anderen „Müll“ — einige Merkurist-Leser erkennen darin aber eine Falschinformation:

Urheber der Plakate ist die Bürgerinitiative (BI) Mitbestimmung Citybahn. „Es gibt ja eine Regelung bezüglich Wahlplakaten, die besagt, dass immer nur drei Plakate am Stück hängen dürfen, dann ‘Pause’. Sonst wären circa 200 Bäume beflaggt“, so Andreas Bausinger von der BI dazu. Der Grund: Für den Bau der Bahn würden 200 innerstädtische, große, alte Bäume gefällt werden, die einen hohen Mehrwert zur Luftreinhaltung im stark belasteten Innenstadtbereich liefern. „Ersatzpflanzungen irgendwo am Stadtrand oder in anderen Wäldern hilft dabei der Innenstadt also gar nicht. Auch wenn es doppelt oder dreimal so viele wären.“ Die Citybahn sei demnach schädlich für die Luftreinhaltung, insbesondere in der Innenstadt.

90 Prozent der Bäume in der Allee sollen bleiben

Wie viele Bäume tatsächlich insgesamt im Rahmen des Baus der Citybahn gefällt werden müssen, steht abschließend allerdings noch gar nicht fest. Weil die Planungen zur Gleisführung und dem Umfang des Ausbaus des Radwegenetzes noch nicht abgeschlossen sind, kann die Citybahn GmbH noch keine ganz genaue Zahl nennen. Dass in der Biebricher Allee einige Bäume weichen müssen, ist zwar bereits klar, allerdings längst nicht alle, an denen eines der Plakate angebracht wurde. Waren zu Beginn der Planungen noch 400 der 430 Bäume im Gespräch, gab eine Wurzelprüfung schließlich Aufschluss darüber, dass die meisten von ihnen stehen bleiben können. So plant die Citybahn GmbH etwa 10 Prozent der Bäume auf der Allee zu fällen — etwa 44 an der Allee selbst und 20 am Hauptbahnhof.

Ersatzpflanzungen in der Nähe geplant

Für jeden einzelnen dieser Bäume müssen Ersatzpflanzungen vorgenommen werden. Schon im März 2007 ist in Wiesbaden eine Baumschutzsatzung in Kraft getreten. Um den Baumbestand in der Stadt zu erhalten und das Stadtklima zu sichern, muss für jeden gefällten Baum ein Ausgleich gepflanzt werden. Die Satzung lässt zwar auch Ausnahmen zu, im Fall der Bäume in der Biebricher Allee versichert die Citybahn GmbH aber, für jeden Baum einen Ersatz zu schaffen. Soweit möglich, sollen die neuen Bäume auch im direkten Umfeld gepflanzt werden.

Einige Plakate wurden zerstört

Dass die Plakate an der Biebricher Allee, die vermuten lassen, dass eine Vielzahl der Bäume gefällt werden müssen, nicht bei allen Wiesbadenern gut ankommen, zeigt sich auch vor Ort. So wurden einige der 400 in der letzten Nacht im Stadtgebiet angebrachten Plakate der BI Mitbestimmung Citybahn zerstört. „Dass durch massiven Vandalismus von Citybahn Aktivisten, vorwiegend im Bereich der Biebricher Allee, Schaden angerichtet wurde, ist bedauerlich“, so Bausinger dazu. Das sei eine gezielte Aktion gegen die Demokratie gewesen. Man habe die Plakate aber bereits ersetzt, oder werde das noch tun und lasse sich auch nicht davon abhalten.

„Wir haben in der Tat kein Interesse ein gemeinsames Statement mit der Pro BI oder den Verkehrswende Personen abzugeben.“ - Andreas Bausinger, BI Mitbestimmung Citybahn

Tatsächlich ist Vandalismus immer wieder Thema wenn es um Plakate rund um die Citybahn geht. Auch Befürworter der Straßenbahn kennen das (wir berichteten). Einige der an diesem Wochenende aufgehängten Plakate der BI Pro Citybahn wurden ebenfalls zerstört. Die BI Pro Citybahn hat der BI Mitbestimmung Citybahn deshalb vor einiger Zeit den Vorschlag gemacht, sich gemeinsam zum Thema Vandalismus zu positionieren und eine gemeinsame Erklärung herauszugeben. Die BI Mitbestimmung verneinte das. „Wir haben in der Tat kein Interesse ein gemeinsames Statement mit der Pro BI oder den Verkehrswende Personen abzugeben“, so Bausinger dazu. Den Grund dafür gibt er nicht Preis.

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(mo)

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