Naturnahe Bachverläufe für Erlenbach und Aubach ab 2021

Einen Förderbescheid in Höhe von rund 339.000 Euro überreichte Staatssekretär Oliver Conz am Grorother Hof dem Wiesbadener Stadtrat Andreas Kowol für die Renaturierung von Bächen in Frauenstein und Naurod.

Naturnahe Bachverläufe für Erlenbach und Aubach ab 2021

Der Erlenbach ist nicht zu sehen und nicht zu hören. Oberhalb einer tief in der Erde liegenden Betonröhre begrüßte Frauensteins Ortsvorsteher Harald Weber die Teilnehmer zum Startschuss für die Rückentwicklung des kleinen Gewässers. Ab Herbst 2020 wird hier der Erlenbach aus seiner rund 80 Meter langen Betonröhre befreit und zu einem naturnahen Bachbett entwickelt. Dann wird der Bach wieder sichtbar und lebendig.

Im Stadtteil Naurod stört aktuell ein ehemaliges Wehrbauwerk den Lauf des Aubachs, der für Fische und Wassertiere durchgehend „bewanderbar“ und für Besucher erlebbar gemacht werden soll. besonders ein benachbarter Kindergarten könnte dann den Bach besuchen und Tiere beobachten. Für beide Maßnahmen erhielt die Stadt nun 85 Prozent der Kosten vom Land Hessen.

Fische und Steinkrebse bekommen bessere Bedingungen

Barrieren stoppen derzeit Fische und Mikroorganismen auf ihrem Weg in oder auch gegen die Fließrichtung. Betonröhren, große Steine und andere Bauten müssen entfernt oder umflossen werden. Statt wie bislang relativ gerade und steil bergab zu fließen, werden die beiden Bäche zukünftig mittels geschwungener Bachführung und so genannter offener Riegelrampen in der Höhe ausgeglichen. Mit der Maßnahme werden die Wassertiere in einem naturnahen Umfeld leben können. Der Bach bekommt durch eine einseitig offene Bauweise die Möglichkeit, sich einen natürlichen Zugang durch Streuobstweisen und zum Rhein zu suchen. Über die heutige Betonröhre des Erlenbachs führt auch ein Weg, der im Herbst durch eine kleine Brücke über den dann sichtbaren Bach ersetzt wird. Dann wird der Erlenbach, als Teil des Lindenbach-Systems, wieder sichtbar und ein kleiner, hübscher Mosaikstein der Naherholung für Frauensteiner und Besucher.

Auch in Naurod können sich Naturliebhaber freuen: ein treppenartiger Zugang zum Aubach wird dort mit Baumstämmen gebaut. Hier kann man sitzen und den Bachverlauf beobachten. Vielleicht entdeckt man dort dann auch den Stein- oder Bachkrebs. Die kleinste europäische Flusskrebsart ist massiv bedroht und soll im Aubach ein sicheres, artgerechtes Umfeld zurückbekommen. Auf den hölzernen Baumstammtreppen wird es in jedem Fall möglich sein, das Rauschen des Wassers zu genießen.

Die Suche nach spezialisierten Bachbaufirmen wird schwer

Oliver Conc vom Hessischen Umweltministerium berichtete vor Ort von vielen vergleichbaren Maßnahmen im Land. Die Verrohrung müsse entfernt, die Bäche in naturnahe Zustände zurückgeführt werden. Die europäische Union gab mit der Definition von Wasserrahmenrichtlinien den Anstoß, die Länder folgten. Mit dem Programm „100 wilde Bäche für Hessen“ wurde begonnen, nun folgen weitere Bäche, wie die beiden in Wiesbaden.

Das städtische Umweltamt beauftragte für die Planung und Kostenschätzung das Ingenieurbüro CDM Smith aus Alsbach. Deren Ergebnis war Bestandteil des Förderantrags, der mit dem Förderbescheid nun genehmigt wurde. Nun startet die Suche nach Baufirmen, die sich auf Renaturierungsmaßnahmen spezialisiert haben. Die Produktbereichsleiterin Kathrin Hartfiel vom Wiesbadener Umweltamt hofft, dass man diese bis Herbst gefunden hat. Da aktuell viele vergleichbare Anfragen gestellt werden, sei dies nicht ganz einfach. Zudem müsse man Brut- und Laichzeiten beachten und an der einen oder anderen Stelle Sondergenehmigungen beantragen, um die Arbeiten durchführen zu können.

Hauptanteil der Kosten trägt das Land

Für die beiden Maßnahmen wurden 418.000 Euro berechnet. 85 Prozent davon zahlt das Land Hessen, 15 Prozent übernimmt die Landeshauptstadt. Um die Maßnahmen realisieren zu können, erwarb Wiesbaden sowohl in Frauenstein, also auch in Naurod, kleinere Grundstücke. Über 50 Millionen Euro stellt das Land in den kommenden beiden Jahren für die Renaturierung von Bächen in Hessen insgesamt zur Verfügung.

Renaturierung ganzer Bachsysteme bis 2027 geplant

Der Erlenbach gehört zum „System Lindenbach“, der Aubach zum „System Wickerbach“. Kathrin Hartfiel achtet mit ihren Mitarbeiterinnen auf ein ganzheitliches Vorgehen. So werden auch bei anderen, zu den Systemen gehörenden, Bächen Renaturierungen durchgeführt. Es mache keinen Sinn einen Bach für die Fische wanderbar zu machen, wenn der Mündungsbach dann weiterhin Hürden enthalte. In Wiesbaden gäbe es insgesamt 270 Kilometer Gewässer – und das ohne den Rhein. Die meisten Bausünden bestünden zwischen den Stadtteilen und der Kernstadt. Hier sollen bis 2027 noch viele Maßnahmen folgen. Dann endet das Programm - vorläufig.

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