Allein unter Gegnern: Wie zwei Biebricher für den Bau der Citybahn kämpfen

In Biebrich ist ein neues Banner aufgetaucht, das den Bau der Citybahn unterstützt. Und das, obwohl in direkter Nachbarschaft die Gegenseite überwiegt. Wer steckt dahinter?

Allein unter Gegnern: Wie zwei Biebricher für den Bau der Citybahn kämpfen

Claudia Wesseler lebt in Biebrich. Dort, wo die Citybahn in Zukunft gleich vier mal halten soll, um die Wiesbadener schneller an ihr Ziel zu bringen — wenn sie denn gebaut wird. Denn Biebrich ist auch einer der Stadtteile, in dem besonders viele Gegner der Bahn zu leben scheinen. Allein entlang der Biebricher Allee hängen mindestens 30 Anti-Citybahn-Banner an Häusern und Zäunen, deren Aufschrift einen Bürgerentscheid fordert, um den Bau zu verhindern. Doch es gibt auch Biebricher, die die Bahn wollen. Claudia Wesseler ist eine von ihnen.

Um Flagge zu zeigen, hat sie sich dazu entschieden, sich ganz öffentlich für den Bau der Citybahn einzusetzen. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie ein Banner entwerfen lassen, das jetzt am Zaun ihres Hauses in der Nähe der Bushaltestelle „Steinberger Straße“ hängt. Die Aufschrift: „Wir freuen uns auf die Citybahn - du auch?“

„Wir haben enge lebensgeschichtliche Bezüge zu Freiburg und Berlin und liebten dort die S- beziehungsweise Straßenbahn.“ - Claudia Wesseler

Der Grund für Claudia Wesselers Freude liegt in ihren eigenen Erfahrungen, erzählt sie. „Wir haben enge lebensgeschichtliche Bezüge zu Freiburg und Berlin und liebten dort die S- beziehungsweise die Straßenbahn.“ Daher wisse sie auch, dass die Citybahn nicht nur ökologische, sondern auch soziale Vorteile mit sich bringen würde. „Wir finden es superwichtig, dass öffentliche Verkehrsmittel attraktiv und benutzerfreundlich sind und vor allem von Menschen benutzt werden, die sich kein Auto erlauben können oder wollen“, erklärt sie. Zum Beispiel Schüler, Mütter mit Kinderwägen, sozial Schwache, aber auch Senioren, die kein Auto mehr fahren können, oder ihren Rollator mitnehmen müssen.

Wegen dieses sozialen Blicks auf die Citybahn hätten sie und ihr Mann sich auch dazu entschieden, kein Banner der „Bürgerinitiative Pro CityBahn“ aufzuhängen, sondern ein eigenes. Sie sind der Meinung, „dass die existierenden Banner nur eine kleine Gruppe grüner Wähler anspricht, die ohnehin schon von der Bahn überzeugt sind“, erklärt Wesseler. Ihr eigenes Banner soll den Blick mehr darauf lenken, welche sozialen Vorteile die Bahn mit sich bringen würde.

Wenig Verständnis bei Nachbarn

„Der erste wurde bereits innerhalb weniger Stunden entwendet, genauso wie ein Citybahnbanner bei Nachbarn.“ - Claudia Wesseler

Das Banner, wie es jetzt am Zaun hängt, ist allerdings nicht das erste seiner Art. Weil viele ihrer Nachbarn ihre Freude über den Bau der Bahn bekanntlich nicht teilen, musste Claudia Wesseler ein zweites drucken lassen. „Das erste wurde bereits innerhalb weniger Stunden entwendet, genauso wie ein Citybahnbanner bei Nachbarn ein paar Häuser weiter“, erzählt sie. Auch persönlich müsse sie sich heftigen Gegenreaktionen stellen. An eine Frage erinnert sie sich besonders negativ zurück: „Sind Sie etwa für die Verwüstung der historischen Stadt Wiesbaden?"

Zwar hätten sich einige Nachbarn und Bekannte auch mit Claudia Wesseler und ihrem Mann solidarisiert, ein eigenes Banner bestellt hätte aber noch niemand. Denn auch das ist Teil der Aktion: Wer sich ebenfalls für die Citybahn einsetzen möchte, kann sich über eine auf dem Banner stehende E-Mail-Adresse ein eigenes Banner für 50 Euro nachdrucken lassen.

Ob der Grund dafür, dass dieses Angebot noch niemand angenommen hat, die Angst vor Gegenreaktionen ist, weiß Claudia Wesseler nicht. „Freunde von uns wohnen zum Teil in Mietshäusern, wo der Vermieter das nicht möchte“, sagt sie. Andere würden so weit außerhalb leben, dass es wenig Sinn mache, ein Banner aufzuhängen. Und trotzdem würde sie sich freuen, wenn sich noch mehr Wiesbadener — entgegen der gefühlten Mehrheit in Biebrich — öffentlich für den Bau der Bahn einsetzen würden. „Über Nachbestellungen würden wir uns natürlich sehr freuen!“ (lp,ts)

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