Wie eine Tänzerin vom Staatstheater zur Unternehmerin wurde

Die aus Mexiko stammende Rosa Romero Torres lebt seit mehr als 20 Jahren in Wiesbaden. Lange Zeit tanzte sie als Ballerina am Staatstheater - Wie ihr Leben nach der Bühnenkarriere aussieht, erzählt sie im Gespräch mit Merkurist.

Wie eine Tänzerin vom Staatstheater zur Unternehmerin wurde

Disziplin, viel Schweiß, schmerzende Füße und eine strenge Diät — so sah jahrelang der Alltag der 44-jährigen Rosa Romero Torres aus. Ballett gilt als eine der schönsten Tanzarten — zählt aber auch gleichzeitig zu den härtesten. Ihre Ausbildung machte Romero in ihrer Heimat Mexiko, Stipendien führten sie nach England und Kuba, bevor sie dann für das mexikanische Staatsballett tanzte. Romero, die international mit weltbekannten Persönlichkeiten der Ballettwelt gearbeitet hat, tanzte von 1997 bis 2008 als Solistin unter der Leitung von Ballettdirektor Ben van Cauwenbergh am Wiesbadener Staatstheater. Er war es, der sie nach Wiesbaden lockte, nachdem sie bei einem Tanzwettbewerb in Paris die Silbermedaille geholt hatte.

Eine Ballettkarriere geht zu Ende

Nach elf Jahren am Staatstheater dann der plötzliche Bruch: Ein neuer Direktor, der modernes Ballett unterrichtet, kam ans Staatstheater und zwang die damals 32-jährige Tänzerin dazu, sich neu zu orientieren. Romero erinnert sich noch ganz genau an diese Zeit in der sie sich fragte: „Was mache ich jetzt?“. Im Durchschnitt sei die Karriere einer Balletttänzerin mit 36 Jahren vorbei. „Ein junger Körper ist natürlich fitter und hat weniger Verletzungen als der einer über 30-Jährigen. Man ist auch noch formbarer als Person, das gefällt den Ballettdirektoren“.

„Das Tanzen geht einem nie aus dem Kopf, ich kannte kein anderes Leben.“ - Rosa Romero, Balletttänzerin

Nochmal von Null anfangen, in eine neue Stadt ziehen und das zurücklassen, was man sich in den vergangenen fünfzehn Jahren aufgebaut hat? Das kam für Romero nicht in Frage. Die junge Tänzerin entschied sich dagegen, blieb in Wiesbaden und begann eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin. Trotzdem war ihr absolut klar, dass Ballett nicht aus ihrem Leben verschwinden würde. „Das Tanzen geht einem nie aus dem Kopf, ich kannte kein anderes Leben. Das ist ein Punkt an den jeder Tänzer mal in seinem Leben kommt, wie eine Lebenskrise.“

Eine neue Perspektive

Deshalb entschloss sich Romero nach dem Abschluss einer kaufmännischen Ausbildung im Sommer 2011, ihre eigene Tanzschule zu eröffnen — die „Dance Academy Wiesbaden“. „Ich konnte mir nicht vorstellen, einen typischen Bürojob zu machen. Das ist nicht meine Rolle im Leben. Ich wollte mein Wissen weitergeben.“ Ohne gut deutsch zu sprechen, nahm sie all ihren Mut und Ersparnisse zusammen und wagte den Schritt in die Selbständigkeit. „Ich sei verrückt!“, erinnert sich Romero an die Reaktionen ihrer Ex-Tanzkollegen. Doch sie setzte sich durch, auch wenn es ihr nicht immer leicht gefallen sei.

„Ich bin unendlich stolz.“ - Rosa Romero

Der Alltag bietet heute andere Herausforderungen. Früher war sie damit beschäftigt, acht Stunden körperliche Arbeit zu leisten, indem sie ihre Tanztechnik und Rollen perfektionierte. Heute, als Geschäftsfrau, ist sie dafür verantwortlich, dass alles um sie herum funktioniert. Hierzu zähle das Sauberhalten der Tanzschule, das Organisieren der Tanzlehrer, administrative Tätigkeiten und das Erarbeiten von neuen Choreografien. Würden diese Dinge nicht täglich vorbereitet werden, würde die Tanzschule nicht funktionieren, so Romero. „Der schönste Moment in der Tanzschule für mich ist es, meine Schüler zu unterrichten und ihnen dabei zuzusehen, wie auch sie mit der gleichen Leidenschaft durch den Unterricht gehen. Sie machen das mit einer bemerkenswerten Qualität. Ich bin unendlich stolz“, sagt Romero. (js/ts)

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