Wie Wiesbaden künftig grüner werden soll

Neu angelegte Wälder wie beispielsweise in Hochheim wird es in Wiesbaden auch künftig nicht geben. Grüner soll die Stadt trotzdem werden. Was geplant ist.

Wie Wiesbaden künftig grüner werden soll

Dass Wiesbaden ein Problem mit schlechter Luft hat, ist spätestens seit den Diskussionen um zu hohe Stickstoff-Werte und Diesel-Fahrverbote in der hessischen Landeshauptstadt den meisten bekannt. Um dem entgegenzuwirken, muss die Stadt handeln. Im vergangenen Jahr wurde deshalb bereits die Intelligente Verkehrssteuerung (DIGI-V) angekündigt, die durch flexible Ampelschaltung und dynamische Umleitungen Staus verhindern und die Luft sauberer machen soll.

Warum neue Wälder nicht umsetzbar sind

Doch das soll nicht alles sein. Auch grüner soll die Stadt werden, beispielsweise mehr Lebensraum in Form von Wiesen und Blumen für Insekten schaffen. Merkurist-Leser Christian fragt sich in diesem Zusammenhang in seinem Snip: „Bepflanzt und forstet Wiesbaden die City bestmöglich auf?“ Leser Michael geht sogar noch einen Schritt weiter — und wirft die Idee neuer Wälder in den Raum.

„Keine Aufforstungsflächen, die das Grünflächenamt noch bepflanzen könnte.“ - Sprecher des Umweltdezernats

Als Beispiel nennt er den Käsbachwald bei Hochheim, einen Wald, der erst seit rund zehn Jahren besteht. Neue Wälder schaffen, ginge das abseits des Stadtwalds auch in Wiesbaden? Ein Sprecher des Wiesbadener Umweltdezernats verneint das. „Im Forstbereich gibt es in ganz Wiesbaden keine Aufforstungsflächen, die das Grünflächenamt noch bepflanzen könnte“, sagt er. Wie der Sprecher erklärt, müsse ein Wald nach dem Hessischen Waldgesetz bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um als Wald zu gelten: „Zum Beispiel ein eigenes Bestandsinnenklima und der Bestand an Waldbäumen“, zählt er auf.

Abgesehen von den fehlenden Flächen hat die Stadt aber noch ein zeitliches Problem. Denn durch Schädlinge und Trockenheit sind viele Bäume beschädigt worden oder abgestorben. „Die Forstabteilung des Grünflächenamtes wird künftig völlig damit ausgelastet sein, die jetzt durch den Borkenkäfer und die Trockenheit noch entstehenden Kahlflächen wieder zu bepflanzen“, sagt der Sprecher.

Mehr Geld für neue Bäume

Weil Bäume vor allem in Städten so wichtig für das Klima sind, seien im vergangenen Doppelhaushalt umfangreiche finanzielle Mittel bereitgestellt worden, mit denen mehr Bäume gepflanzt werden können. Auch leeren Stellen entlang der Straßen, an denen Bäume abgestorben sind oder gefällt wurden, geht es damit an den Kragen. Mit rund 360 neuen Bäumen pflanzt die Stadt in diesem Jahr rund dreimal so viele wie in den vergangenen Jahren.

„Aufgrund der dichten Bebauung und vielen Nutzeransprüchen in den öffentlichen Bereichen ist das eine große Herausforderung.“ - Sprecher des Umweltdezernats

Bäume nachzupflanzen soll laut Stadt aber nicht die einzige Maßnahme bleiben. Das Grünflächenamt will, so der Sprecher des Umweltdezernats, 500 neue Baumstandorte in der Innenstadt etablieren. Das ganze passiert im Rahmen des Förderprogramms „Zukunft Stadtgrün“. „Aufgrund der dichten Bebauung und vielen Nutzeransprüchen in den öffentlichen Bereichen ist das eine große Herausforderung für die Planung und Bau von zusätzlichen Baumstandorten“, erklärt der Sprecher.

Förderung für grüne Dächer

Grüner will Wiesbaden auch an anderer Stelle werden. Künftig sollen mehr Blühwiesen angelegt werden, um neuen Lebensraum für Insekten zu schaffen. Das gibt es bereits auf der rund 5000 Quadratmeter großen Grünfläche zwischen Erstem Ring und den Gebäuden am Gustav-Stresemann-Ring mit den Hausnummern 11 bis 15.

Auch grüne Dächer auf Privathäusern in Wiesbaden stehen bei der Stadt seit kurzem im Vordergrund. Beim Umweltamt können sich Wiesbadener zu Dachbegrünungen beraten lassen. Die Stadt unterstützt das mit Fördermitteln. „Die Programme sind dort gerade angelaufen, das Interesse für mehr Grün im Wohnumfeld ist groß“, so der Dezernatssprecher. Konkrete Umsetzungen gebe es aber noch keine — dafür laufen die Programme noch nicht lange genug. (ts)

Logo