Bier statt Bach auf dem Sedanplatz

An mehreren Stellen in der Stadt werden seit einigen Jahren abschnittsweise unterirdische Bäche freigelegt. Am Sedanplatz ist davon noch nichts zu sehen. Stattdessen gibt es dort aber seit Kurzem einen Getränkestand.

Bier statt Bach auf dem Sedanplatz

Wer in der Wiesbadener Innenstadt über die gepflasterten und geteerten Straßen läuft, bemerkt wohl eher nicht, dass einige Meter unter seinen Füßen Bäche fließen: Rambach, Schwarzbach, Dambach, Kesselbach und Wellritzbach bestimmten noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts das Stadtbild. Doch mit dem Wachstum der Kurstadt, ließen Architekten die Bäche unter der Erde verschwinden - Sie standen vor allem den Straßenbauern im Weg.

Bäche ans Licht

„Dies ist unter ökologischen Aspekten, aber auch finanziell, eine äußerst sinnvolle Maßnahme.“ - Arno Goßmann, früherer Bürgermeister

Seit einigen Jahren bemüht sich die Stadt jedoch mit dem Projekt „Bäche ans Licht“, diese Gewässer wieder durch die Innenstadt fließen zu lassen - zumindest abschnittsweise. Dafür hat der Magistrat vor einigen Jahren 5,5 Millionen Euro Budget zur Verfügung gestellt. „Dies ist unter ökologischen Aspekten, aber auch finanziell, eine äußerst sinnvolle Maßnahme“, erklärte der damalige Bürgermeister Arno Goßmann, als die ersten etwa 75 Meter Bachlauf am Quartiersplatz 2015 eingeweiht wurden. Er erklärte weiter, dass die sichtbaren Bäche die Aufenthaltsqualität an den Plätzen verbessern und für besseres Klima in der Stadt sorgen.

Nach der Kesselbachfreilegung am Quartiersplatz sollten deshalb weitere Stellen folgen, an denen die Bäche wieder ans Tageslicht kommen. Das war zum Beispiel auch für den Sedanplatz geplant. Doch das heutige Ergebnis am Sedanplatz weicht weit von den ursprünglichen Plänen ab, findet Merkurist-Leser Toni.

Getränkestand auf dem Sedanplatz

„Es wäre natürlich schön für uns, wenn der Platz so etwas aufgewertet werden könnte.“ - Mitarbeiterin Harrisons Pub

Tatsächlich fließt auf dem Sedanplatz im Moment nur eins: Bier. Mitten auf dem Rasen hat das nahegelegene Harrisons Pub eine kleine Hütte mit Ausschank eröffnet - in der vergangenen Woche als Testlauf, ab sofort aber mit regelmäßigen Öffnungszeiten. Dass es auf dem Platz einmal eine Bachfreilegung geben sollte, weiß auch eine Mitarbeiterin des Pubs. „Wir kennen die Pläne. Es wäre natürlich schön für uns, wenn der Platz so etwas aufgewertet werden könnte“, sagt sie. Auch andere Geschäfte könnten ihrer Meinung nach davon profitieren.

„Durch den Pub-Stand ist der Platz in letzter Zeit belebter.“- Anwohnerin

Eine Anwohnerin, die regelmäßig den Sedanplatz passiert, stimmt dem zu. „Im Moment ist es hier eher eine Hundewiese“, sagt sie. „Durch den Pub-Stand ist der Platz in letzter Zeit belebter. Wenn es hier noch einen Bachlauf gäbe, würde das den Platz erst recht aufwerten“, findet sie.

Doch auch wenn eine Bachfreilegung für den Sedanplatz geplant ist, ist die Umsetzung sehr zeit- und arbeitsaufwendig. „Neben der Stadtverschönerung war auch die Trennung von Regen- und Schmutzwasser zur Entlastung der Kläranlagen der Hauptzweck“, erinnert sich auch Merkurist-Leser Toni an die ersten Pläne.

So muss zuerst eine alte sogenannte Spülleitung von der Stadt saniert werden, damit die Bäche später durch natürliche Hydraulik an die Oberfläche kommen. Die Arbeiten dafür laufen seit einigen Jahren an verschiedenen Stellen unterirdisch ab und werden von verschiedenen Fachfirmen betreut. Beim Wellritzbach, der später einmal auf dem Sedanplatz sichtbar werden soll, laufen die Arbeiten seit vergangenem Sommer. Wann die Bachfreilegung tatsächlich auch von oben sichtbar wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

Logo