Was Ihr tun könnt, wenn Euer Zug nicht in Wiesbaden hält

Immer wieder kommt es vor, dass Züge der Deutschen Bahn einen geplanten Zwischenhalt in Wiesbaden absagen und stattdessen bis Frankfurt durchfahren. Wie Ihr in solchen Fällen ohne Zusatzkosten nachhause kommt.

Was Ihr tun könnt, wenn Euer Zug nicht in Wiesbaden hält

Jeden Morgen um kurz vor 11 Uhr macht sich der ICE 1228 von München aus auf den Weg in Richtung Norddeutschland. Um 15:56 Uhr, also rund vier Stunden später, ändert der Zug im Nordrhein-Westfälischen Hamm seine Richtung und fährt zurück in den Süden. Um 18:40 Uhr ist für ihn ein Halt am Wiesbadener Hauptbahnhof vorgesehen, 15 Minuten später noch einer in Mainz. Von dort aus geht es für den ICE zu seiner Endstation nach Frankfurt, um kurz vor halb acht ist dann Feierabend für den Langstreckenzug — zumindest, wenn alles nach Plan verläuft.

Dass das nicht immer der Fall ist, mussten Fahrgäste aus dem Rhein-Main-Gebiet in den vergangenen Wochen mehrfach erfahren. Die Strecke ist beliebt bei Pendlern, als Direktverbindung nach Feierabend, vor allem nach Arbeitstagen im nördlichen Ruhrgebiet, aber auch aus Richtung Köln oder Nordhessen. Doch ausgerechnet die vielen Mitfahrer aus Wiesbaden und Mainz kommen am Abend nicht immer zuhause an. Das weiß auch Merkurist-Leserin Anna. Sie berichtet von einer Fahrt am 25. September:

Tatsächlich zeigt auch die Verspätungsübersicht des Portals „Zugfinder“, dass die Verbindung regelmäßig hohe Verspätungen hat. Bis zu 45 Minuten zu spät fährt der ICE dann in die Bahnhöfe ein. Als Gründe werden Ereignisse wie Notarzteinsätze (2. Oktober), Tiere auf den Gleisen (16. September) oder auch technische Störungen (25. September, 27. September, 8. Oktober) genannt.

Lange Wege

„Der ICE 1228 legt zwischen den Metropolregionen München und Frankfurt eine beträchtliche Strecke zurück.“ - Sprecher DB

Dass am 25. September die Zwischenhalte in Wiesbaden und Mainz wegen technischen Fehlern an Zügen oder Zwischenfällen auf Gleisanlagen ausfielen, bestätigt die Deutsche Bahn (DB) auf Nachfrage von Merkurist nicht. Stattdessen erklärt ein Sprecher, dass die Gründe auf der langen Strecke grundsätzlich vielfältig sein können. „Der ICE 1228 legt zwischen den Metropolregionen München und Frankfurt eine beträchtliche Strecke zurück. Daher kann es vorkommen, dass beispielsweise äußere Ereignisse oder auch aktuelle verkehrliche und betriebliche Situationen dispositive Entscheidungen erforderlich machen“, fasst er zusammen. Unter anderem bezieht er sich damit auch auf Wetterbedingungen, die den Zugverkehr, etwa durch herabstürzende Baumteile bei einem Sturm beeinträchtigen können. Durch die weiten Entfernungen, könne es dabei vorkommen, dass Fahrgäste von den Wetterlagen in anderen Teilen Deutschlands gar nichts mitbekommen.

Ankunft zu spät oder gar nicht

Ob der Zug später als geplant ankommt, oder Haltetstellen ausfallen, entscheide die Bahn in jedem Fall neu. „Die Zentrale Verkehrsleitung entscheidet aktuell, welche Maßnahmen im jeweils konkreten Fall geeignet sind, um Züge möglichst ohne größere Beeinträchtigungen an ihr Ziel zu leiten“, so der Sprecher. Ein ausfallender Zwischenhalt bedeute dabei zum einen, dass die Gleise am Bahnhof nicht belegt werden, während andere Züge dort eingeplant sind. Zum anderen können die Züge aber auch auf weniger stark befahrene Gleisstrecken umgeleitet werden. Wie genau es an welchen Tagen zu diesen Entscheidungen seitens der Bahn kam, konnte der Sprecher auf Nachfrage nicht erklären.

Ausweichmöglichkeit S-Bahn

Stattdessen versichert er aber, dass kein Wiesbadener und kein Mainzer lange in Frankfurt ausharren müsse und verweist auf die Fahrgastrechte der DB. Dort heißt es, „Wenn es abzusehen ist, dass Sie mit mindestens 20 Minuten Verspätung an dem auf Ihrer Fahrkarte aufgedruckten Zielort ankommen, können Sie entweder bei nächster Gelegenheit die Fahrt auf der gleichen Strecke oder über eine andere Strecke fortsetzen, oder die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen, wenn dadurch die Ankunftsverspätung am Zielbahnhof reduziert werden kann, oder einen anderen, nicht reservierungspflichtigen Zug nutzen.“

Für Pendler aus Wiesbaden und Mainz bedeutet das, dass die ICE-Fahrkarte gleichzeitig auch als Ticket für den Regionalverkehr genutzt werden kann. Reisende können in Frankfurt also ohne Ticketumtausch in eine S-Bahn, Regionalbahn oder einen Regionalexpress umsteigen und nach Wiesbaden oder Mainz zurückfahren. Diese Zusatzfahrt dauert aber je nach Verbindung noch einmal etwa 30 bis 50 Minuten zusätzlich zur eigentlichen ICE-Verspätung. (ms)

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