Antisemitische Schmierereien schockieren Biebricher

Seit zwei Wochen tauchen an öffentlichen Stellen in Biebrich antisemitische Botschaften auf. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Antisemitische Schmierereien schockieren Biebricher

„Herzlich Willkommen in Wiesbaden-Biebrich, Ort der Vielfalt“ — So werden Besucher auf einem Schild im größten Stadtteil Wiesbadens begrüßt. Mit der Botschaft will Biebrich die multikulturelle Identität des Stadtteils stärken. Umso schwerer wiegt daher, was in den letzten Wochen passiert ist: An mehreren öffentlichen Plätzen sind antisemitische Schmierereien im Stadtteil aufgetaucht.

Vier Vorfälle bisher

Der erste Vorfall ereignete sich am 25. Januar in der Bernhard-May-Straße. Hier hatten Bürger auf dem Windschutz der dortigen Brücke, wie es die Polizei formuliert, „politisch motivierten Sprüche und Zeichen“, gemeldet. Die Schrift war auf einer Fläche von 2 Quadratmetern angebracht worden. Dass es sich dabei um keinen Einzelfall handelte, stellten die Biebricher schon vier Tage später fest. Am 29. Januar entdeckten Bürger ähnliche Botschaften an der Bushaltestelle „Bunsenstraße“ in der Breslauer Straße. Die dortige Sitzbank sowie eine Glasscheibe des Unterstandes wurden mutmaßlich mit einem Filzstift angemalt.

Und wenige Tage darauf, am vergangenen Montag, den 3. Februar, fanden sich erneute Hetzbotschaften in Biebrich. Dieses Mal traf es einen Glascontainer in der Pfälzer Straße, auf dem der Satz „Nur Juden“ und ein Pfeil zur Öffnung des Containers zeigte zu sehen war. Außerdem wurde ein Kaugummiautomat in der Rudolf-Dyckerhof-Straße zum Ziel, auf dem neben den Hassbotschaften auch Hakenkreuze zu sehen waren.

Der Staatsschutz ermittelt jetzt in allen drei Fällen nach dem oder den möglichen Tätern. Dass es einen Zusammenhang gibt, sei nicht ausgeschlossen, so ein Sprecher der Polizei. Der Fall am 25. Januar sei der erste dieser Art, welcher der Polizei bekannt wurde. Auch seien außerhalb Biebrichs keinerlei weitere Fälle gemeldet worden. Zum genauen Stand der Ermittlungen wolle man sich noch nicht äußern.

Viele Biebricher sind von den Hassbotschaften schockiert und teilen ihren Unmut in den sozialen Medien: „Das wir in Biebrich so was erdulden müssen ist einfach nur krank“, schreibt ein Nutzer bei Facebook. „Das ist so ekelhaft... Ich hätte echt nicht gedacht, dass wir in Biebrich solche Vollpfosten haben“, schreibt eine weitere Biebricherin. Andere Nutzer rufen dazu auf, weitere Schmierereien sofort der Polizei zu melden. Diese bittet darum, dass sich mögliche Zeugen und Hinweisgeber unter 0611/3450 bei ihnen melden. (ts)

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