Wurde eine stillende Mutter aus der Marktkirche geworfen?

Eine Mutter, die in der Marktkirche ihr Kind stillen wollte, ist nach eigenen Angaben der Kirche verwiesen worden. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau spricht von einem Missverständnis.

Wurde eine stillende Mutter aus der Marktkirche geworfen?

Eine Mutter erhebt Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter der Marktkirche. Wie die Frau gegenüber „Bild“ erklärt, ereignete sich der Vorfall in der Vorweihnachtszeit. Sie war auf dem Sternschnuppenmarkt unterwegs. Das Wetter war schlecht, das Kind hungrig. So setzte sie sich kurzerhand in die letzte Reihe der Marktkirche, um den Hunger zu stillen. Gestört gefühlt habe sich dabei niemand, so die Mutter.

Dann aber, so stellt es die Frau dar, habe sie ein Mitarbeiter der Marktkirche angesprochen. Der Mann habe sie aufgefordert, entweder auf der Toilette zu stillen, oder das Gotteshaus zu verlassen. Grund: In 40 Minuten beginne ein Orgelkonzert. Die Frau trat schockiert den Nachhauseweg an. Sind stillende Mütter in der Wiesbadener Marktkirche also nicht willkommen?

Stillen ohne Stille

Andrea Wagenknecht, Pressesprecherin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) weist die Vorwürfe der jungen Mutter zurück. Bei dem Vorfall habe es sich um ein Missverständnis gehandelt. Der Mitarbeiter habe geschildert, dass kurz vor dem Orgelkonzert eine Gruppe junger Menschen sehr laut mit ihren Handys zugange gewesen sei. „Die Frage, ob sie zur Andacht kommen wollten, verneinten die jungen Leute“, so Wagenknecht.

Daraufhin habe er die Gruppe gebeten, die Kirche zu verlassen, damit das Orgelkonzert nicht gestört werde. Erst als sie die Marktkirche verlassen hatten, erkannte der Mann, dass die betroffene Mutter nicht dazu gehörte. „Der Mutter, die gerade dabei war, sich für das Stillen vorzubereiten, hat er daraufhin sofort angeboten, in einen Nebenraum innerhalb der Kirche zu gehen, wo sie mehr Ruhe für sich und das Kind gehabt hätte.“

Mütter willkommen

Mittlerweile, so Wagenknecht, konnte der Gemeindepfarrer der Marktkirche mit der betroffenen Mutter sprechen. Dabei seien alle Missverständnisse aus dem Weg geräumt worden. „Die Frau hat angekündigt, dass sie weiterhin sehr gerne die Marktkirche mit ihrem Baby besuchen wird.“ Generell seien stillende Mütter, Babys und Kinder in den Kirchen willkommen. „In unserer gesamten Landeskirche ist uns kein Fall bekannt, in dem das Stillen in Kirchen und Gemeindehäusern ein Problem war oder ist. Die Evangelische Familienbildung im Haus an der Marktkirche — direkt gegenüber der Marktkirche — ist als besonders stillfreundlicher Ort ausgewiesen.“ (ms)

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