Wiesbadener Obdachlose leiden unter der Hitze

Der Sommer hat gerade erst begonnen und schon steigen die Thermometer in Wiesbaden auf über 30 Grad. Das spüren vor allem die Obdachlosen in der Stadt, die zu dieser Jahreszeit oft auf Hilfe angewiesen sind.

Wiesbadener Obdachlose leiden unter der Hitze

„Für Menschen, die auf der Straße leben, ist jede Jahreszeit schwierig“, weiß Matthias Röhrig, Leiter der Teestube in der Dotzheimer Straße. Zu ihm und seinem Team der Diakonie kommen täglich Menschen, die Hilfe brauchen, weil sie kein Dach über dem Kopf haben. Die Anlaufstelle sei nicht nur im kalten Winter wichtig, sondern auch im Sommer — vor allem, wenn die Temperaturen auf über 30 Grad steigen.

Kein Dach über dem Kopf

Denn während in kalten Nächten die sogenannte „Winterregelung“ garantiert, dass in Wiesbaden niemand auf der Straße schlafen muss, haben im Sommer längst nicht alle Obdachlose ein Anrecht auf eine Unterkunft. „Vor allem Obdachlose aus Osteuropa sieht man deshalb im Moment häufiger auf der Straße“, erklärt Röhrig. Im vergangenen Winter haben mehr als 85 Obdachlose von der Winterregelung Gebrauch gemacht. Die Teestube sei den meisten bekannt, sodass sie an den Vor- und Nachmittagen dort häufig zum Essen und Trinken vorbeikommen, doch die Nächte verbringen viele draußen.

„Vielen fehlt in dieser Zeit Schlaf.“ - Matthias Röhrig, Teestube

„Vielen fehlt in dieser Zeit Schlaf. Gerade in der Hitze kann es sein, dass sie auf einer Parkbank im Schatten am Tag einschlafen. Wenn der Sonnenstand sich dann ändert, kann das problematisch werden“, sagt Röhrig. Hitzeschläge und heftige Sonnenbrände seien häufig die Folgen. „Wer einen Obdachlosen in der Sonne schlafen sieht, sollte ihn am besten ansprechen, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist, oder ihn darauf hinweisen, dass der Schatten inzwischen weg ist“, bittet Röhrig alle Wiesbadener. Wenn jemand nicht mehr ansprechbar ist, sollte am besten der Notarzt gerufen werden. Das gelte auch, wenn Obdachlose im Wald angetroffen werden. Dort suchen viele in der heißen Jahreszeit Abkühlung.

Weil es in Wiesbaden kaum kostenlose öffentliche Toiletten gibt, komme es auch regelmäßig zu Hygieneproblemen und Dehydrierung, weil Wohnungslose kein Trinkwasser aus Wasserhähnen abfüllen können. „In vielen Geschäften können sich Obdachlose im Sommer mit kostenlosem Leitungswasser eindecken“, versichert Röhrig. Doch vielen sei die Bitte unangenehm, weshalb die Angebote oft nicht in Anspruch genommen werden.

Mit kleinen Gesten helfen

„Schenkt doch jemandem auf der Straße einfach eine Flasche mit Mineralwasser.“ - Initiatoren private Obdachlosen-Hilfe

Das wissen auch die Initiatoren der privaten Obdachlosen-Hilfe Wiesbaden. Sie raten: „Schenkt doch jemandem auf der Straße einfach eine Flasche mit Mineralwasser (bevorzugt still oder Medium), Eistee oder Apfelsaftschorle.“ Am besten seien Plastikflaschen, weil sie zum einen leicht und, zum anderen aber auch Transporte in Rucksäcken besser überstehen als Glas. Auch über eine Tube Sonnencreme oder eine schützende Kopfbedeckung wie eine Schirmmütze würden sich viele auf der Straße freuen.

Wer eine richtige Freude machen will, für den hat Röhrig noch eine Idee. „Toll wären auch Gutscheine für das Freibad — denn dort gibt es auch Duschen, die im Sommer für alle wichtig sind.“ Doch schon der Gang durch die Stadt mit einem wachsamen Auge genüge. „Durch die Ansprache der Obdachlosen, wenn sie in der Sonne eingeschlafen sind, können oft schon schlimme Folgen vermieden werden. Denn unsere Streetworker können leider nicht immer überall sein.“

Auf einen Blick

Die Teestube des Diakonischen Werks Wiesbaden in der Dotzheimer Straße 9 ist montags bis donnerstags von 7:30 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 14:30 Uhr geöffnet. Dort gibt es für Bedürftige eine warme Mahlzeit, Toiletten und Wasser. (mr)

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