Diese drei Wiesbadener Villen sollte man kennen

Prachtvolle Villen sind ein wichtiges Element im Wiesbadener Stadtbild. In einigen von ihnen wohnten auch Berühmtheiten, etwa ein Komponist, ein Kronprinz oder die Erbin einer amerikanischen Brauerei.

Diese drei Wiesbadener Villen sollte man kennen

Wenn in einem Touristenführer von Wiesbaden die Rede ist, wird sehr häufig über die besondere Architektur in der Kurstadt geschwärmt. Besonders zur Zeit des Kaiserreichs entstanden viele Gebäude, die das Stadtbild bis heute prägen. Wir stellen drei Villen vor, die eine ganz besondere Geschichte haben.

Villa Clementine

In prominenter Lage zwischen Wilhelmstraße und Frankfurter Straße präsentiert sich die Villa Clementine. Ihren Namen erhielt der 1882 fertiggestellte Bau von der Frau des Bauherrn, dem Mainzer Fabrikanten Ernst Mayer. Doch kurz nach der Fertigstellung des Prachtbaus verstarb Clementine Mayer während einer Typhus-Epidemie in Wiesbaden.

Einer der ersten berühmten Mieter in dem Haus war der serbische Kronprinz Alexander Obrenović. Sein Aufenthalt sorgte 1888 international für Aufsehen, als der König von Serbien seinen Sohn gegen dessen Willen in seine Heimat zurückholen lies. Bis zum Zweiten Weltkrieg diente die Villa dann als Wohnhaus für ganz unterschiedliche Mieter, wie etwa dem Arzt Hans Betke.

In den 50er-Jahren fand dann eine Umgestaltung des Gebäudes statt. Statt Wohnungen zogen ein Café, ein Restaurant sowie eine Arztpraxis in die Villa ein. Schon zehn Jahre später wäre die Villa fast einem ganz anderen Zweck zugefallen. Als 1961 der Stadtplaner Ernst May die Wiesbadener Innenstadt umgestalten wollte, kam kurzzeitig die Idee auf, eine U-Bahn zu bauen — mit der Villa Clementine als eine der Haltestellen. Stattdessen beschloss die Stadt als neuer Eigentümer aber das Haus als Kultureinrichtung zu betreiben. Bis heute finden dort regelmäßig Lesungen statt, seit 2001 gibt es auch ein Literaturcafé. Außerdem diente das Haus als Drehort für die Verfilmung des Klassikers „Buddenbrooks“ von 1978.

Villa Söhnlein-Pabst

Wer die Villa Söhnlein-Pabst in der Paulinenstraße aufsucht, könnte für einen kurzen Moment denken, er sei nicht mehr in Wiesbaden, sondern in der amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. gelandet. Denn das 1906 gebaute Anwesen ist mit seiner Farbe und den ikonischen Säulen vor dem Eingang sehr stark an den Regierungssitz des amerikanischen Präsidenten angelegt.

Auch die Villa Söhnlein-Pabst erhielt ihren Namen von der Bauherrin, der Erbin des amerikanischen Braukonzerns „Pabst“ aus Wisconsin, Emma Pabst. Für 2,4 Millionen Goldmark lies sie sich gemeinsam mit ihrem deutschen Mann Friedrich Wilhelm ein stattliches Anwesen für vier Bewohner und elf Bedienstete mit großem Garten errichten. Der Beiname „Söhnlein“ stammt von einem der Architekten des Hauses Alfred Schellenberg, der die gleichnamige Sektkelterei in Schierstein entwarf.

Bis 1940 diente das Haus noch als ein Wohnsitz, ehe es an die Polizeiverwaltung vermietet wurde. Nach dem Krieg übernahm die amerikanische Armee das Haus. Es diente als Community Center für die Besatzungstruppen, 1996 erfolgte die Rückgabe an das Land Hessen. Seitdem wird die Villa wieder privat bewohnt, aber auch ein Café zog dort für kurze Zeit ein.

Villa Annika

Einen tollen Blick auf den Rhein bietet die Villa Annika an der Rheingaustraße in Biebrich. Erbaut wurde die Villa durch den Architekten Wilhelm Frickhöfer, der auch an der Rheinkaserne beteiligt war. Erster Besitzer des 1865 gebauten Hauses war der Gesandte des türkischen Sultans Aristarchi Bey. Dessen Ehefrau gab der Villa ihren heutigen Namen Annika.

Die Villa trägt neben ihrem eigentlichen Namen auch die Bezeichnung „Wagner-Villa“, nach dem bekannten Komponisten Richard. Er wohnte dort und komponierte hier im Jahr 1862 die Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Eigentlich, so heißt es, wollte er sich in der Mosburgruine einquartieren, weil sie ihn inspirierte. Doch der Bau soll ihm einfach zu kalt gewesen sein. 1889 fiel die Villa mit ihrem 5000 Quadratmeter großen Grundstück an den Unternehmer Rudolf Dyckerhoff. Bis heute befindet sich das Haus in Privatbesitz. (ts)

Logo