Neue Funde beweisen: Wiesbaden war schon vor 6000 Jahren besiedelt

Auf einem Neubaugebiet in Bierstadt-Nord sind Archäologen auf eine große Zahl vorgeschichtlicher Funde gestoßen. Die ältesten davon sind mehr als 6000 Jahre alt.

Neue Funde beweisen: Wiesbaden war schon vor 6000 Jahren besiedelt

Seit Mitte 2019 wird im Norden Bierstadts, direkt an der Bundesstraße, auf einer riesigen Baustelle gewerkelt. Für das dort geplante Neubaugebiet heben Bagger riesige Löcher aus und Kräne schaffen das schwere Baumaterial an. Zwischen den Bauarbeitern findet sich aber auch eine kleine Gruppe, die mit eher filigranem Werkzeug in der Erde arbeiten.

Weil es schon vor Baubeginn Spuren auf alte Siedlungen gab, wurde eine Gruppe von Archäologen engagiert, die die Fläche untersuchte. Nach knapp einem Jahr sind diese Ausgrabungen jetzt fertig und die Ergebnisse wurden der Öffentlichkeit präsentiert. „Die Funde der Siedlungshinterlassenschaften hier in Bierstadt sind bemerkenswert“, erzählt Katharina Mohnike, Archäologin an der Universität Marburg. Mit ihrem Team entdeckte sie eine größere Bauernsiedlung, die der sogenannten „Michelsberger Kultur“ von vor 6400 bis 5500 Jahren.

Auf dem Acker neben dem DG-Verlag gruben die Archäologen Vorratsgruben aus, die als Behältnisse für Getreide dienten. Besonders gut erhalten waren einige Urnengräber mit Beigaben. Sie stammen aber aus einer anderen Epoche, der sogenannten „Urnenfelderkultur“, die sich auf etwa 3100 bis 3200 zurückdatieren lässt. „Dass es sich um eher jüngere Funde handelt, zeigen diverse Bronzegegenstände. Ein Material, welches vor 6000 Jahren noch nicht bekannt war“, erklärt Mohnike. Nach den Ausgrabungen stehe nun eine mehrjährige wissenschaftliche Arbeit an.

Baustelle im Plan

Zwar fanden die Ausgrabungen parallel zu den Bauarbeiten des Tiefbauamts statt, zu Verzögerungen kam es dazu jedoch nicht. „Wir liegen voll im Zeitplan“, so ein Sprecher des Tiefbauamtes. Während die Bauarbeiten an dem Neubaugebiet noch im Anfangsstadium liegen, sind beim parallel laufenden Ausbau der B455 schon erste Abschnitte fertig. So ist die Zufahrt von der Bundesstraße zum Neubaugebiet abgeschlossen und wird schon von Baustellenfahrzeugen genutzt.

Ab März steht dann der Ausbau der eigentlichen Straße auf vier Fahrspuren an und sollen im Mai 2021 abgeschlossen sein. Nach Abschluss der Arbeiten soll der südlich anschließende Teil der Straße ausgebaut werden. Dadurch seien auch Sperrungen der Bundesstraße nicht zu vermeiden. Wie diese aussehen sollen, will das Tiefbauamt rechtzeitig mitteilen. (js)

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