Wie eine Krankenschwester für Weihnachtsstimmung im Krankenhaus sorgt

An den Weihnachtsfeiertagen beobachtet Melanie Seel jedes Jahr eine besondere Stimmung auf der Krankenstation im JoHo. Wie sie und ihr Team das Fest mit den Patienten feiern, erzählt sie im Gespräch mit Merkurist.

Wie eine Krankenschwester für Weihnachtsstimmung im Krankenhaus sorgt

„Ich arbeite seit 18 Jahren immer wieder gerne an Weihnachten“, sagt Melanie Seel. Sie ist Krankenschwester und Stationsleiterin im St. Josefs-Hospital (JoHo) in Wiesbaden und kennt in ihrem Team keine Probleme mit der Aufteilung der Feiertagsdienste. „Es ist bei uns in der Pflege so, dass entweder an Weihnachten oder an Silvester gearbeitet werden muss“, sagt Seel. Sie selbst habe in diesem Jahr die Frühschichten an Heiligabend und an beiden Weihnachtsfeiertagen erwischt — und freute sich schon bei der Planung vor rund sieben Wochen auf die ganz besondere Stimmung auf der Station an Weihnachten.

Gutes Teamwork

„Keiner legt Wert auf materielle Geschenke.“ - Melanie Seel, Stationsleiterin

„Es sind oft dieselben Kolleginnen und Kollegen, die an Weihnachten arbeiten. Lustigerweise sind es oft auch Mütter, die an den Feiertagen arbeiten“, erzählt Seel. „Die Menschen, die an Weihnachten bei uns sind, sind meistens schwerkrank und unheimlich dankbar, da viele keine Angehörigen haben, die an Weihnachten da sind“, berichtet sie von ihrer wichtigsten Aufgabe an den Feiertagen, nämlich das Dasein. „Für uns ist es oft sehr emotional, wenn wir sehen, dass die Menschen, gerade ältere, keine Angehörigen haben. Da gehen wir sehr drauf ein und legen viel Wert auf die Gesprächsführung. Die Menschen sind dann sehr dankbar und keiner legt Wert auf materielle Geschenke.“

Aber auch mit kleinen besonderen Aktionen bringt das Team rund um Seel jedes Jahr ein bisschen Weihnachtsstimmung auf die Station. „Wir haben zum Beispiel einen CD-Player und hören Weihnachtslieder mit den Patienten, die versorgt werden. Letztes Jahr hatten wir einen Fahrradunfall. Der Patient lag im Wachkoma. Wir haben sein Zimmer geschmückt und mit ihm Weihnachtslieder gehört“, nennt die 39-Jährige einige Beispiele.

Entschleunigung

„Die Menschen sind oft freundlicher.“ - Melanie Seel, Stationsleiterin

Dabei beobachte Seel auch, dass die Patienten die Ruhe genießen. In Mehrbettzimmern gebe es zum Beispiel regelmäßige Absprachen, welcher Patient wann Besuch empfängt. Die Stimmung im Haus sei dadurch oft weniger hektisch als im Alltag, Seel beschreibt die Atmosphäre sogar als „besinnlich“. „Die Menschen sind oft freundlicher. Ich habe das Gefühl, dass wir an Weihnachten sogar noch besser im Team arbeiten“, findet sie.

Auch ein gemeinsames Frühstück in der Frühschicht und ein gemeinsames Abendessen in der Spätschicht gehöre fest zu den Diensten. Dafür bringen viele Teammitglieder auch Weihnachtsgebäck und Reste vom Festtagsessen mit. „Schön ist auch, dass die Krankenhaus-Küche uns jedes Jahr Plätzchen oder etwas anderes Besonderes auf die Stationen schickt. An Silvester gibt’s ein kleines Glücksschweinchen aus Marzipan.“ (ms)

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