Kneipensterben in Wiesbaden: Was die Politik jetzt tun will

Allein in den letzten Wochen haben drei beliebte Wiesbadener Kneipen ihr Aus verkündet. Jetzt wird das Kneipensterben zum Thema in der städtischen Politik.

Kneipensterben in Wiesbaden: Was die Politik jetzt tun will

Vor einigen Jahren war im Wiesbadener Nachtleben noch einiges los. Der Bereich rund um Taunus- und Nerostraße wurde früher beispielsweise „Bermuda-Dreieck“ genannt. Unzählige Kneipen und Bars warteten dort auf Nachteulen. Darunter beispielsweise „Die Klappe“, das „Rom Brennt“ und die „Boum-Boum-Bar“ – allesamt sind heute geschlossen. Das scheint ein Trend zu sein, der sich heute fortsetzt. Erst kürzlich gaben das „Winzerstübchen“, das „Sherry & Port“ und das „Finale“ ihr Ende bekannt. Jetzt will die Politik eingreifen.

In den drei aktuellen Fällen konnten sich die Betreiber nicht mit den Hauseigentümern über den Fortbestand einigen. Und das sollte die Stadtgesellschaft hellhörig machen, finden die Rathausfraktionen von Grünen, SPD, Linke und Volt. In einem gemeinsamen Antrag fordert sie: „Den Charme und Charakter der Viertel erhalten – Kneipensterben verhindern“.

„In der gegebenen Marktdynamik haben es nicht nur Wohnungsmieter:innen, sondern auch kleine, oft alteingesessene Gewerbebetriebe schwer“, heißt es in dem Antrag. „Sie, die den Charme eines Viertels ausmachen, fallen der – von ihnen mit geprägten – Wertsteigerung zum Opfer.“ Wie auch beim inhabergeführten Einzelhandel stelle sich daher die Frage, wie die gastronomische Kultur in Wiesbaden geschützt und gestützt werden könne.

Konkret fordern die Fraktionen die Stadt auf, das Gespräch mit Hausbesitzern, dem Hotel- und Gastronomieverband (DEHOGA) und der Industrie- und Handelskammer zu suchen, um Lösungen zu finden. Dafür könne ein Runder Tisch gebildet und auch der City Manager mit einbezogen werden. Außerdem soll der Magistrat prüfen, ob es sinnvoll wäre, eine Vorkaufssatzung einzuführen. In Hanau war eine solche Satzung 2019 beschlossen worden, vor allem um zu verhindern, dass profitorientierte Immobilienhändler weitere Billigläden ansiedeln. Seitdem kauft die Stadt verwaiste Immobilien selbst und vermietet sie günstig weiter an Geschäftsleute mit Ideen.

Den Antrag von Grünen, SPD, Linke und Volt bespricht die Stadtverordnetenversammlung voraussichtlich in ihrer nächsten Sitzung am Donnerstag im Kurhaus.

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