Kommission soll über Umbenennung der Pfitznerstraße entscheiden

Wegen der antisemitischen Vergangenheit ihres Namensgebers, fordern Parteien sowie eine Bürgerinitiative die Umbenennung der Pfitznerstraße. Jetzt soll eine Arbeitsgruppe genaue Kriterien dafür erarbeiten.

Kommission soll über Umbenennung der Pfitznerstraße entscheiden

Schon seit mehreren Monaten wird im Wiesbadener Nordosten heftig diskutiert. Der Stein des Anstoßes: Der Name der der Pfitznerstraße im Komponistenviertel. Wegen der antisemitischen Vergangenheit des Namensgebers, dem Musiker Hans Pfitzner, fordern Ortsbeirat und Bürgerinitiativen die Umbenennung der Straße.

Kommission soll entscheiden

Um die Umbenennung der Straße voranzutreiben, hatte die Fraktion der Linken&Piraten vergangene Woche einen Antrag im Ausschuss für Bürgerbeteiligung gestellt. Zur Lösung schlug die Fraktion vor, eine Kommission einzurichten, die sich mit dem Namen beschäftigt. „Über diesen konkreten Fall hinaus ist es — gerade angesichts aktueller neonazistischer, antisemitischer und rassistischer Aktivitäten bis hin zu Morden — an der Zeit, sich endlich einmal umfassend damit zu beschäftigen, welche Personen in der hessischen Landeshauptstadt mit der Benennung von Straßen, Gebäuden und Einrichtungen geehrt werden“, begründet die Fraktion den Antrag.

Der Antrag fand seine Zustimmung im Ausschuss, sodass eine Kommission eingesetzt werden kann, die sich stadtweit mit möglichen Umbenennungen von Straßen und Plätzen befassen soll. Die Wiesbadener Grünen-Fraktion begrüßte in einer Stellungnahme die Entscheidung, auch weil sich über 1000 Bürger per Unterschriften an dem Thema beteiligt hatten. Davon abgesehen seien die Bedingungen, die Straße umzubenennen, längst erfüllt, meint Hendrik Seipel-Rotter von den Wiesbadener Grünen.

Wiener Modell als Lösung

Die AfD-Fraktion hatte schon im Vorfeld des Ausschusses Kritik an der geplanten Umbenennung geäußert. Durch die Prüfung der Umbenennung würden zu viele Kosten sowie bürokratischer Aufwand entstehen, so die Meinung der Partei. Stattdessen hatte die AfD das sogenannte „Wiener Modell“ vorgeschlagen. Dieses sieht, ähnlich wie in der österreichischen Hauptstadt, vor, die Straße nicht umzubenennen, sondern durch ein Hinweisschild zu erweitern. Dieses Modell wird aber etwa von den Grünen abgelehnt.

Kritik an den Umbenennungsplänen kam in der vergangenen Woche auch vom Vorsitzenden des Ortsbeirates Nordost, Theo Baumstark. Er hatte im „Wiesbadener Kurier“ argumentiert, dass man zu „Fehlern“ der Vergangenheit, wie dem Namen der Pfitznerstraße, stehen müsse. Die Stadtplaner hätten bei der Benennung der Straße in den 1950-ern nach bestem Gewissen gehandelt und keine antisemitischen Absichten gehabt. Auch Baumstark sprach sich dafür aus, anstatt einer Umbenennung Hinweistafeln zum Hintergrund Pfitzners anzubringen. (ts)

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