Neue Stolpersteine in Wiesbaden verlegt

In Wiesbaden wurden neue Stolpersteine verlegt. Damit erinnern nun über 800 Gedenksteine in der Stadt an die Opfer des Nationalsozialismus. Zu den Verlegungen reisten auch Angehörige an.

Neue Stolpersteine in Wiesbaden verlegt

In Wiesbaden sind neue Gedenksteine für die Opfer des Nationalsozialismus hinzugekommen. Wie das Aktive Museum Spiegelgasse mitteilt, liegen in der Stadt nun insgesamt 823 Stolpersteine vor 446 Häusern.

Das Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig hat seit Jahren einen festen Platz in Wiesbaden. Die Gedenksteine werden vor den Häusern verlegt, in denen Opfer des nationalsozialistischen Terrors ihren letzten selbst gewählten Wohnsitz hatten. An der diesjährigen Verlegung nahmen 255 Personen teil.

Zu den Gästen zählte auch Stefan Vogl, der Enkel eines KZ-Überlebenden, dessen Großeltern Werner und Margarethe Vogl nun mit einem Stein vor dem Haus in der Wilhelmstraße 6 geehrt werden. Dort hatte sein Großvater, ein Neurologe, eine Arztpraxis. „Mir wurde klar: Geschichte kann man konkret machen. Denn sie besteht immer aus dem Handeln Einzelner“, sagte Vogl.

Zu vielen Verlegungen, die von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs durchgeführt werden, reisen Nachkommen an. Für den Stein von Martha Keiles in der Karlstraße 10 kamen 15 Angehörige aus der ganzen Welt, sogar aus Australien. Bewegende Worte fand auch die Enkelin von Anna Börner, deren Stein in der Rheinstraße 67 verlegt wurde.

Schüler erinnern an ermordete Familie

Auch Schulklassen beteiligen sich an der Gedenkarbeit. In der Taunusstraße 19 waren Schüler der Mittelstufenschule Dichterviertel und des Campus Klarenthal anwesend, als fünf Steine für die Familie Wolf verlegt wurden. Die Jugendlichen erinnerten an das Schicksal des Ehepaares Arthur und Jenny, der Kinder Siegfried und Günther sowie der Tante Paulina, die in Majdanek und Auschwitz ermordet wurden.

Weitere Steine erinnern an besondere Persönlichkeiten. In der Parkstraße liegt nun ein Stein für die renommierte Fotografin Martha Wolff (Jahrgang 1871), deren Bruder der Zeitungsredakteur Theodor Wolff war, nach dem ein bekannter Journalistenpreis benannt ist. In der Röderstraße 6 wurde mit dem Stein für Albert Wandres erstmals in Wiesbaden einem Angehörigen der Zeugen Jehovas gedacht, die im dritten Reich verfolgt und ermordet wurden.

Weitere neue Stolpersteine liegen in der Rüdesheimer Straße 1 (Johanna Windmüller), am Bismarckring 6 (Wilhelmina Schönholz), in der Westendstraße 28 (Leon Mannheimer) sowie in Schierstein in der Reichsapfelstraße 19 (Emil und Sophie Hallgarten). Zwei weitere Steine sollen im Herbst folgen. Die Patenschaft für einen Stein, der 120 Euro kostet, übernehmen oft Bürger, Ortsbeiräte oder Schulklassen.