Personen grundlos geschlagen und gewürgt: Stadtpolizist vor Gericht

Weil er in zwei Fällen im Einsatz Personen brutal geschlagen haben soll, muss sich ein Wiesbadener Stadtpolizist vor Gericht verantworten. Trotz zahlreicher Beweise sieht sich der Angeklagte als unschuldig.

Personen grundlos geschlagen und gewürgt: Stadtpolizist vor Gericht

Als einen „Einsatz wie jedes Wochenende“ beschreibt ein 40-jähriger Stadtpolizist, was an einem Augustwochenende 2018 in Wiesbaden passierte. Vor der Diskothek Euro-Palace in Mainz-Kastel wurde er mit einem Kollegen von der Landespolizei zur Unterstützung bei einer Schlägerei gerufen. Als sie eintrafen war diese zwar wieder vorbei, er beobachtete aber, wie zwei Personen vom Tatort davon rannten. Auf einer nahegelegenen Baustelle habe er dann einen der beiden erblicken können. Als dieser dann versucht haben soll, den Stadtpolizisten mit einem Stein anzugreifen, habe er ihn überwältigen und festnehmen können, wie er sagt, ohne Widerstand.

Mit Schlagstock verprügelt

Dass es aber wohl kein gewöhnlicher Einsatz war, ist der Grund, weshalb sich der 40-Jährige jetzt vor dem Wiesbadener Amtsgericht verantworten muss. Der Vorwurf: Körperverletzung im Amt. Denn der festgenommene vermeintliche Straftäter schildert den Fall ganz anders. Als er die Polizei vor dem Euro-Palace entdeckte sei er aus Angst davon gerannt, berichtet der heute 22 Jahre alte Syrer. Denn aus seiner Heimat kennt der junge Mann die Polizei als sehr brutal, die jeden zusammenschlagen würden. Und genau das ist ihm laut seinen Ausführung auch in jener Nacht passiert. Ohne Vorwarnung habe der Stadtpolizist auf sein auf dem Boden liegenden Gegenüber mit einem Schlagstock eingeprügelt. Als der Geflüchtete - dem zwei Meter großen Beamten körperlich klar unterlege - anfing zu weinen, schlug er ihn mit den Worten: „Wenn du nicht aufhörst zu weinen, schlage ich dich weiter.“

Der Vorfall wird zunächst zu den Akten gelegt und nicht weiter verfolgt, sodass der Stadtpolizist seinen Dienst weiter fortsetzen kann. So ist er auch im Einsatz, als es im April 2019 zu einer Auseinandersetzung in der Innenstadt kommt. Auch dort kommt der Stadtpolizist erst spät hinzu - und trifft neben Kollegen der Landespolizei auf einen jungen Mann, der sich eine blutende Verletzung an der Hand zugezogen hatte. Weil dieser sich aber partout nicht von den Sanitätern behandeln lassen wollte, entschied man den Mann mit Polizeiwagen auf die Wache zu bringen. Weil er sich dagegen jedoch wehrte, schob der Stadtpolizist den Mann in den Wagen. Aus Sicht des Angeklagten habe es hier keine Probleme gegeben.

Doch die anwesenden Polizisten erinnern sich anders an den Vorfall. Zuerst soll er den Mann gewürgt haben bis er rot anlief. Daraufhin folgten dann mehrere Faustschläge direkt in den Bauch. Auch von zwei Beamten, die ihn an seiner Ausrüstung versuchten von dem Opfer wegzuziehen, ließ er sich nicht abhalten.

Stadtpolizist sieht keine Schuld

Trotz der vielen Zeugen und Beweise versucht der Angeklagte immer wieder, seine Unschuld zu beteuern. Er findet weder eine Erklärung für die Verletzungen seines ersten Opfers noch für die Zeugenaussagen von vier Landespolizisten im zweiten Fall. Nach internen Informationen aus der Stadtpolizei habe die erste Anwältin des Angeklagten, gestellt von der Gewerkschaft der Polizei, wegen fehlender Erfolgsaussichten den Fall abgegeben. Sein jetziger Pflichtverteidiger habe zumindest ein Teilgeständnis und eine Auflösung des Arbeitsvertrages erreichen wollen, aber auch das lehnt der Mann ab.

Trotz der beiden Vorfälle ist der 40-Jährige weiterhin bei der Wiesbadener Stadtpolizei beschäftigt. Erst durch einen Bericht bei Merkurist sei das Strafverfahren gegen den Kollegen bei der Stadtpolizei Wiesbaden überhaupt bekannt geworden. Die Konsequenz: Lediglich die Versetzung in den Innendienst. Der Prozess wird am 11. September fortgesetzt. (js)

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