So sah Wiesbaden früher aus

Tausende Autos schlängeln sich Tag für Tag durch die Wiesbadener Innenstadt, während Touristen auf der Suche nach Schnäppchen durch die Straßen ziehen: So kennen wir Wiesbaden heute. Aber wie sah die Stadt früher aus?

So sah Wiesbaden früher aus

In Wiesbaden trifft Alt auf Neu: Neben den vielen geschichtsträchtigen Bauwerken werden immer mehr moderne Hotels und Bürokomplexe gebaut. Auch auf den Straßen der Stadt hat sich viel verändert: Während vor 100 Jahren und mehr noch Pferdekutschen und später Straßenbahnen durch die Stadt rollten, bestimmen mittlerweile vor allem Busse und Autos das Bild. Dabei blickt Wiesbaden auf eine lange Geschichte zurück.

Schlossplatz

Er ist der Mittelpunkt des Historischen Fünfecks: der Schlossplatz. Hier reiht sich ein historischer Bau an den nächsten — so auch das Neue Rathaus. In den 1880er-Jahren erbaut, fungiert das Gebäude bis heute als Sitz der Stadtverwaltung.

Einige Teile des Neuen Rathauses wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das Gebäude wurde letztendlich vereinfacht wieder aufgebaut und bekam ein zusätzliches Stockwerk.

Ebenfalls an den Schlossplatz grenzt die ehemalige Kaiser-Wilhelms-Heilanstalt, die sich an das Stadtschloss anschließt. Heute ist das Gebäude nur noch als Wilhelmsbau bekannt und gehört zum Schloss, in dem mittlerweile der Hessische Landtag sitzt. Die Heilanstalt wurde zwischen 1868 und 1871 als Militärkrankenhaus erbaut

Erster Ring

Den Ersten Ring verbinden die meisten Wiesbadener heutzutage vor allem mit einem: viel Verkehr und nicht selten Stau. Über die Ringstraßen, also den Kaiser-Friedrich-Ring und den Bismarckring, schieben sich auf knapp zwei Kilometern Gesamtlänge täglich tausende Autos und Linienbusse, um in Wiesbaden von A nach B zu kommen. Doch das war nicht immer so.

Erbaut wurde die Straße zwischen 1890 und 1900. Der Grund: Wiesbaden wuchs zu dieser Zeit wahnsinnig schnell. Weil die Einwohnerzahl innerhalb von 70 Jahren von knapp 12.000 Einwohnern auf mehr als 100.000 Einwohner gestiegen war, mussten neue Wohnviertel her. Die wurden mit der Ringstraße an die restliche Stadt angebunden.

Staatstheater

Fans von Opern, Schauspiel oder Ballett kommen in Wiesbaden nicht am Staatstheater vorbei. Das geschichtsträchtige Gebäude blickt dabei auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Eröffnet wurde das Theater feierlich im Oktober 1894 als „Neues königliches Hoftheater“. Mit dabei war auch Kaiser Wilhelm II., der den Bau gefördert hatte.

Wenige Jahre später wurde das heutige Staatstheater erweitert: um ein prunkvolles Foyer, später auch um Probebühnen, Werkstätten und einen weiteren Saal. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte das Theater seinen Namen und hieß fortan „Preußisches Staatstheater“, bis es 1932 zum „Nassauischen Landestheater“ wurde.

Mehrmals wurde das Theater — zumindest in Teilen — beschädigt. So zerstörte ein Bühnenbrand in den Zwanzigern die Kuppel. Im Zweiten Weltkrieg fielen Teile des Theaters den Bomben zum Opfer. So wurden der Säulenportikus der Theaterkolonnade, die Kassenhalle und die Decke des Zuschauerraums zerstört. Die beschädigten Teile des Baus wurden in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Zum „Hessischen Staatstheater Wiesbaden“ wurde das Schauspielhaus übrigens nach dem Zweiten Weltkrieg — zwischenzeitlich hieß es allerdings noch „Großhessisches Staatstheater“.

Neroberg

Damals wie heute ist der Neroberg, Wiesbadens Hausberg, beliebtes Ausflugsziel mit weitläufigem Blick über die Stadt und ihre Umgebung. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dort auch die russisch-orthodoxe Kirche erbaut, die mit ihren goldenen Kuppeln noch immer viele Blicke auf sich zieht.

Ebenso beliebt ist bis heute die Nerobergbahn, mit der Besucher auf den Berg fahren können — und in der Liebespaare sogar heiraten können. 1888 wurde die Standseilbahn auf dem Neroberg gebaut, um das Nerotal mit der Spitze des Berges zu verbinden.

Damals sorgte sie aber nicht nur für Begeisterung. Das Viadukt mit vier Bögen, das bis heute besteht, gefiel nicht jedem. Sogar Kaiser Wilhelm II. soll sich darüber geärgert haben. Ihm zufolge verunstalte das Viadukt das schöne Tal und die Anlage. (ts)

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