Linie 45, 12 und 10: Warum manche Busse aus Wiesbaden verschwunden sind

Viele Wiesbadener erinnern sich noch an Buslinien, die heute nicht mehr fahren. Woran liegt es, dass Linien eingestellt, umnummeriert oder der Fahrplan geändert wird? Ein Sprecher von ESWE Verkehr erklärt, wie solche Veränderungen zustande kommen.

Linie 45, 12 und 10: Warum manche Busse aus Wiesbaden verschwunden sind

42 Linien, 248 Fahrzeuge und ein insgesamt 660 Kilometer langes Streckennetz, das befahren werden muss — die Busse von ESWE Verkehr bringen jährlich rund 59 Millionen Passagiere von A nach B. Im Leben vieler Wiesbadener spielen sie eine große Rolle, denn nicht wenige sind im Alltag auf sie angewiesen. Ändert sich etwas im Streckenverlauf, bemerken das viele Fahrgäste dementsprechend sofort. Manchmal fallen Linien sogar ganz weg. Einige Merkurist-Leser erinnern sich noch gut an Buslinien, die es so heute nicht mehr gibt:

Wieso werden manche Buslinien eingestellt und an anderer Stelle kommen neue hinzu? Warum ändert sich manchmal lediglich die Nummerierung der Busse? Und haben die Fahrgäste einen direkten Einfluss auf die Busverbindungen in Wiesbaden? All diese Fragen kann Christian Giesen, Sprecher von ESWE Verkehr beantworten.

Einstellung von Buslinien hängt von Fahrgästen ab

„Buslinien werden eingestellt, wenn belegbar feststeht, dass kaum Fahrgäste diese Linien nutzen.“ - Christian Giesen, ESWE Verkehr

„Buslinien werden eingestellt, wenn belegbar feststeht, dass kaum Fahrgäste diese Linien nutzen“, erklärt Giesen. „Zur Auswertung greifen wir hierbei sowohl auf manuelle sowie ständige elektronische Fahrgastzählungen zurück.“ Es kann aber auch andere Gründe geben. So zum Beispiel bei den Linien 45 und 47, die lange auf der Schiersteiner Brücke zwischen Wiesbaden und Mainz verkehrten. Nach dem Bauunfall 2015, als die Fahrbahn auf dem rheinland-pfälzischen Teil der Brücke absackte, wurden die Linien eingestellt. Wenn die Bauarbeiten an der Brücke abgeschlossen sind, werden die Busse aber wieder fahren.

Neue Nummerierung nur selten

Es gibt aber auch Fälle, bei denen die Busse zwar weiterhin fahren, plötzlich aber anders nummeriert sind. Leserin Christina erinnert sich beispielsweise an die Linie 12, mit der sie früher von Klarenthal in die Innenstadt gefahren ist:

„Von Klarenthal bis Innenstadt war der Bedarf bei der Linie 12 eher gering, allerdings die Nachfrage von der Innenstadt zum Hauptbahnhof sehr hoch“, erklärt Giesen die Änderung. Deswegen wurden die Linienäste getauscht. Die Linie 27 fährt heute ab Dotzheim mit einem großen Bus Richtung Hauptbahnhof und die Linie 17 von Klarenthal nach Bierstadt mit einem kleinen Bus. Die Linie 12 wurde gestrichen, stattdessen fährt der Bus jetzt als Linie 27 von Dotzheim Schelmengraben nach Wiesbaden-Bierstadt.

„In den Köpfen der Fahrgäste ist die Strecke klar hinterlegt und grundsätzliche Änderungen führen zu größeren Verwirrungen.“ Christian Giesen

„In den Köpfen der Fahrgäste ist die Strecke klar hinterlegt und grundsätzliche Änderungen führen zu größeren Verwirrungen“, sagt Giesen. Deshalb greife man zum planerischen Trick, eine neue Linie mit einer neuen Nummer einzuführen. Das sei aber eine große Ausnahme, ESWE Verkehr versuche, Liniennummern grundsätzlich nicht zu ändern.

Gründe für Einführung neuer Buslinien

Neue Buslinien entstehen zum Beispiel wenn neue Industrie- oder Baugebiete erschlossen werden müssen. Diese werden dann entweder durch bereits bestehende Linien ergänzt, oder mit einer neuen Linie versorgt. „Wird eine solche Linie neu in Betrieb genommen, dann wird ein sogenannter Probebetrieb vollzogen. Dieser dauert in der Regel zwei Jahre“, so Giesen. Anschließend werde geprüft, ob dieser angenommen wird und daraus eine feste Linie werden soll. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Linie 49, die zwischen dem Wiesbadener Hauptbahnhof und der HSK pendelt.

Wünsche und Kritik zum Busverkehr käme oft auch von Ortsbeiräten, Fahrgästen oder aus der Politik. „Wir prüfen diese auf Machbarkeit. Ein entscheidender Faktor für die Schaffung neuer Linien oder eine geänderte Führung der Linie sind die Kosten“, erklärt Giesen.

Aktuelle Planungen

Auch in den kommenden Monaten stehen einige Veränderungen an. An den aktuell entstehenden Neubaugebieten in Nordenstadt und Bierstadt-Nord werden bestehende Buslinien voraussichtlich verlängert. Zum Fahrplanwechsel im Dezember soll außerdem das Anrufsammeltaxi zwischen Bestattungswald und Frauenstein bis nach Schierstein verlängert werden. Auch die Hockenberger Mühle soll ab dem kommenden Jahr durch einen Rufbus von Heßloch, über die Mühle bis nach Auringen und zurück angebunden werden. Außerdem arbeitet ESWE Verkehr aktuell an einer neuen Nachtbus-Ringbuslinie N13, um den Nachtverkehr auszuweiten. (ts)

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