Der Wohnungsmarkt in vielen hessischen Regionen bleibt angespannt. Darauf weist der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest) hin und spricht von unbefriedigenden Zahlen. Sinkende Baufertigstellungen und zu wenige Baugenehmigungen verschärfen die Lage. „Allen Menschen ein Zuhause zu ermöglichen, das sie sich leisten können, ist nicht nur die Voraussetzung für ein gutes soziales Miteinander“, so Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand des VdW südwest. Eine ausreichende Anzahl an Wohnungen sei auch die Grundlage für wirtschaftliches Wachstum.
Wie groß der Bedarf ist, zeigt eine Analyse des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Demnach werden in Hessen bis 2030 jährlich über 26.000 Wohnungen benötigt. Die aktuellen Zahlen sind davon jedoch weit entfernt. So sank die Zahl der Baufertigstellungen im Jahr 2025 um 13,5 Prozent auf 15.542. „Schon jetzt gibt es viel zu wenig Wohnungen“, sagt Tausendpfund. Die Perspektive auf mehr Wohnungen in der Zukunft sei ebenfalls düster.
Zwar stiegen die Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2026 um 3,7 Prozent, bleiben mit 8025 Genehmigungen aber auf einem niedrigen Niveau. Zudem liegt Hessen damit deutlich hinter dem Bundestrend, der im gleichen Zeitraum ein Plus von 15,1 Prozent verzeichnet. „Als eines der wirtschaftsstärksten Länder darf es nicht der Anspruch von Hessen sein, so weit hinter dem Bundestrend hinterher zu hinken“, kritisiert Tausendpfund.
Bauen wird immer teurer
Ein Hauptgrund für die Krise sind die hohen Baukosten. Seit 2019 sind die Preise für Bauleistungen um mehr als 50 Prozent gestiegen. Um kostendeckend zu bauen, müssten Wohnungen laut Verband zu Quadratmeterpreisen von 18 bis 22 Euro vermietet werden.
Die im Verband organisierten Wohnungsbau-Unternehmen halten ihre durchschnittliche Nettokaltmiete mit 8,11 Euro pro Quadratmeter nach eigenen Angaben aber weiter deutlich unter dem hessischen Durchschnitt. „Unsere Unternehmen sind Garanten für faire Mieten“, betont Tausendpfund. „Wenn sie nicht mehr in der Lage sind, neuen Wohnraum zu schaffen, leidet darunter die Mitte der Gesellschaft, aus der sich viele Menschen keine teuren Wohnungen leisten können.“
Politik in der Verantwortung
Der Verband fordert daher von der Politik, mehr Verantwortung zu übernehmen. Die geplante Novellierung der Hessischen Bauordnung sei ein guter Weg, um Bauen einfacher und günstiger zu machen. Diese müsse nun aber auch konsequent umgesetzt werden. Auch auf Bundesebene müsse dem Wohnungsbau Priorität eingeräumt werden, etwa durch die rechtliche Regelung des „Gebäudetyp E“, auf die die Branche seit fast zwei Jahren warte.
Kritik übt Tausendpfund zudem an der Reduzierung von Förderprogrammen für energetische Sanierungen und an der Debatte über eine Vergesellschaftung privater Wohnungsunternehmen. „Eine Verstaatlichung schafft keine einzige neue Wohnung“, so der Vorstand. Stattdessen würden Investitionen verhindert. Sein Fazit: „Die Devise der Politik muss lauten: Klare Vorfahrt für den Wohnungsbau, damit wieder mehr bezahlbare Wohnungen entstehen.“