Was Olympiasieger Fabian Hambüchen in Wiesbaden gemacht hat

Immer mehr Erwachsene haben Probleme mit dem Lesen und dem Schreiben. Olympiasieger Fabian Hambüchen will das ändern. Den Anfang machte er bei den ELW in Wiesbaden.

Was Olympiasieger Fabian Hambüchen in Wiesbaden gemacht hat

Sportlichen Besuch hatten am Dienstag die Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW): Olympiaturner Fabian Hambüchen kam auf dem Betriebsgelände vorbei. Dabei ging es bei der Stippvisite in Wiesbaden aber nicht um Sport, sondern um Lesen und Schreiben.

Viele Erwachsenen können nicht lesen

In mehreren Städten in ganz Hessen will der Ex-Sportler Erwachsene, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, dazu ermutigen, sich diese Fähigkeiten wieder anzueignen. 15 Mitarbeiter der ELW sind diesem Aufruf gefolgt und wollen nun einen Kurs belegen. In ganz Wiesbaden, so eine Schätzung, gebe es rund 15.000 Arbeitnehmer, die im Alltag kaum Kontakt zur Schriftsprache haben - und sie deshalb nicht mehr flüssig beherrschen.

„Das ist eine erschreckend große Summe“ - Kultusminister Alexander Lorz

„Das ist eine erschreckend große Summe“, findet Kultusminister Alexander Lorz. „Viele haben das zwar in der Schule gelernt, aber dann im Laufe ihres Arbeitslebens wieder verlernt“, sagt Lorz. Die Rede ist vor allem von funktionalen Analphabeten. Es sind Personen, die einen Schulabschluss haben und bereits mitten im Arbeitsleben stehen, aber wegen ihrer begrenzten schriftsprachlichen Kompetenzen nicht in der Lage sind, am gesellschaftlichen Leben in angemessener Form teilzuhaben.

Tabuthema aufgreifen

Als Erwachsener noch einmal Lesen und Schreiben lernen, das ist meist nicht selbstverständlich und erfordert viel Mut. Deshalb habe Hambüchen es sich zur Aufgabe gemacht, das Tabu-Thema wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

„Für mich ich das eine Herzensangelegenheit.“ - Turner Fabian Hambüchen

„Als die Anfrage kam, ob ich Botschafter dieser Kampagne sein wollte, habe ich keine Minute gezögert und sofort zugesagt“, so Hambüchen. Unter dem Motto: Grundbildung am Arbeitsplatz setzt sich die ELW, in Zusammenarbeit mit dem Grundbildungszentrum und der Volkshochschule (VHS) Wiesbaden, für das Lesen- und Schreibenlernen ihrer Beschäftigten ein. „Für mich ich das eine Herzensangelegenheit, es freut mich sehr mit Betroffenen in Kontakt zu kommen, sie zu unterstützen und zu motivieren“, sagt Hambüchen.

Anfang geschafft

„Es ist am Anfang immer schwierig sich zu outen, denn die Betroffenen sind jahrelang von Ängsten und Sorgen geprägt, aber mit unserer Kampagne wollen wir eine klare Botschaft setzen“, sagt der Direktor der VHS, Philipp Salamon-Menger.

„Als Unternehmen sind wir auf das Potenzial unserer Mitarbeiter angewiesen.“ - Joachim Wack, ELW

Ihr Ziel ist es, Mentoren in Unternehmen auszubilden, die für Betroffene als Ansprechpartner fungieren und den Kontakt zu den Grundbildungszentren herstellen. „Bisher haben wir eine positive Rückmeldung erhalten und das Thema ist sehr anerkannt in unserem Betrieb“, sagt Maria Brennecke, eine von drei Ansprechpartnern der ELW. Und für Unternehmen ist das Vorgehen eine „Win-win-Situation“: Das Potenzial der Mitarbeiter soll dadurch geweckt und vor allem gefördert sowie unterstützt werden. „Als Unternehmen sind wir auf das Potenzial unserer Mitarbeiter angewiesen“, so Joachim Wack, Betriebsleitung ELW, „deswegen ist es sehr wichtig unsere Mitarbeiter auf dieser Ebene zu motivieren.“

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