Was es mit den 500-Euro-Scheinen in der Stadt auf sich hat

Am Mittwoch fahren zwei Frauen mit 500-Euro-Scheinen am Fahrrad durch die Stadt. Dahinter stecken nicht etwa großzügige Spenderinnen, sondern ein Aktionstag. Die unechten 500-Euro-Scheine sollen auf ein Problem aufmerksam machen.

Was es mit den 500-Euro-Scheinen in der Stadt auf sich hat

„Hast du schon dein Auto verspielt?“ - mit dieser Frage auf einem Zettel und daran befestigten 500-Euro-Scheinen fahren Cathrin Fehl und Kira Zimmermann am Mittwoch durch die Stadt. Von 10 bis 15 Uhr sind die beiden Fachberaterinnen für Suchtkranke auf ihren Rädern unterwegs, zwischen 13 und 14 Uhr werden sie auf dem Bowling Green zu finden sein.

Dahinter steckt eine Aktion der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS). Anlässlich des hessischen Aktionstags zur Glücksspielsucht am 30. September will der Verein gemeinsam mit den regionalen Fachberatungen auf Glücksspielsucht und die Gefahren des Glücksspiels aufmerksam machen. Dafür wehen in 13 hessischen Städten auch unechte 500-Euro-Scheine im Wind.

Wenn 500 Euro zum Spielgeld werden

„Das Motto ‘Wenn 500 Euro zum Spielgeld werden’ soll deutlich machen: Menschen, die übermäßig Glücksspiele spielen, verlieren irgendwann den Bezug zum Geld“, so der Verein dazu. Mit der Weiterentwicklung des Glücksspielmarkts steige auch die Zahl der Menschen, die ihr Spielverhalten nicht kontrollieren könnten. So erwartet der Verein vor allem durch die geplante Zulassung von Online-Glücksspielen folgenschwere Auswirkungen — gerade junge Menschen hätten dann einen einfacheren Zugang.

„Glücksspiele haben potentielle negative und gesundheitliche Folgen und können zu einer gefährlichen Abhängigkeit führen“, warnt Daniela Senger-Hoffmann, Landeskoordinatorin für Glücksspielsucht der HLS. In Hessen hätten bereits mehr als 31.000 Menschen massive Probleme mit Glücksspielen. Hinzu kämen Angehörige, die dadurch ebenfalls betroffen seien. Die Folgen der Sucht - wie etwa Verschuldung, zerstörte Familien und Suizid(-versuche) seien verheerend.

HLS appelliert an Politik

„Aus suchtfachlicher und gesundheitspolitischer Sicht ist es daher dringend erforderlich, den Jugend- und Spieler*innenschutz ins Gespräch zu bringen und die Politik zu überzeugen, Präventionsmaßnahmen zu beschließen“, sagt Susanne Schmitt, Geschäftsführerin der HLS. Sie appelliert an Politik und Verwaltung, gesetzliche Regelungen zu erlassen, die den Schutz der Bevölkerung in den Fokus stellen. Der Jugend- und Spielerschutz sowie die öffentliche Gesundheit sollten ihrer Ansicht nach Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben.

Ihr benötigt Hilfe? Dann findet Ihr hier verschiedene Anlaufstellen rund um die Suchtberatung in Wiesbaden. (nl)

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