Der „Schlümpfe-Vergewaltiger“ aus Wiesbaden

Ende der 1970er Jahre sorgte ein Vergewaltiger für Angst in Wiesbaden. Erst die Ausstrahlung des Falls in der ZDF-Show „Aktenzeichen XY…ungelöst“ half dabei, den Täter zu finden. Der wichtigste Hinweis: Schlümpfe-Aufkleber.

Der „Schlümpfe-Vergewaltiger“ aus Wiesbaden

In über 50 Jahren „Aktenzeichen XY…ungelöst“ wurden mehr als 4800 Verbrechen präsentiert – darunter auch Fälle aus Wiesbaden. In unserer Serie stellen wir euch die bewegendsten Kriminalfälle vor – den Anfang macht ein Fall, der mithilfe der ZDF-Show und eines wichtigen Hinweises am Ende aufgeklärt werden konnte.

In der Nacht zum 10. Juni 1979 verlassen drei Freundinnen ein Lokal in der Wiesbadener Innenstadt. Eine von ihnen, Claudia*, entscheidet sich dazu, sich das Geld für ein Taxi zu sparen und stattdessen zu Fuß den Heimweg anzutreten. Ungewöhnlich war das nicht, Claudia war schon öfter allein nach Hause gelaufen – doch dieser Abend sollte für sie in einer Tragödie enden.

Mann vergewaltigt sie mehrfach

Kurz vor ihrer Haustür am Rande der Innenstadt spricht sie ein unbekannter Mann an. Trotz ihrer Aufforderung, sie in Ruhe zu lassen, hört er nicht auf und bedroht sie mit einem Messer. Schließlich gelingt es ihm, die 29-Jährige in sein Auto zu zerren. Claudia hat keine Chance zu fliehen, die hinteren Türen sind verriegelt. Der Unbekannte zwingt sie, sich hinzulegen und den Kopf während der Fahrt in den Wiesbadener Stadtwald unten zu halten. Dabei entdeckt sie zahlreiche Aufkleber im Innenraum des Autos – sie alle zeigen die Schlümpfe. Und das wird später ein wichtiger Hinweis sein, der zur Identifizierung des Täters führen wird.

Während der Fahrt durch die Innenstadt versucht Claudia noch mehrfach, andere Autofahrer durch Winken auf sich aufmerksam zu machen, allerdings vergeblich. Als der Täter ihre Versuche bemerkt, schlägt er mehrmals brutal auf sie ein. Im Wald misshandelt, schlägt und vergewaltigt er sie mehrfach.

Als der Mann schließlich von ihr ablässt, tut Claudia instinktiv das Richtige und verwickelt ihn in ein Gespräch. Sie überzeugt ihn davon, nicht zur Polizei gehen zu wollen, damit er sie gehen lässt. Und sie hat Erfolg: Der Unbekannte fährt sie sogar zurück in die Wiesbadener Innenstadt, anstatt sie als gefährliche Zeugin womöglich sogar umzubringen.

Um sie einzuschüchtern, schaut er sich noch Claudias Ausweis an. Sollte sie doch zur Polizei gehen, werde er sie „besuchen kommen“. Auf Umwegen erfährt die Wiesbadener Kriminalpolizei aber doch von dem Fall und die 29-Jährige wird etwa zwei Wochen nach der Tat als Zeugin vernommen. Zwar kann sich Claudia nicht mehr an das genaue Automodell oder die Kennzeichen erinnern, dafür aber an die vielen Schlümpfe-Aufkleber im Wagen.

Schlümpfe überführen den Täter

Dieser Hinweis ist es, der die Ermittler auf eine heiße Spur bringt. Nur wenige Monate zuvor war in Wiesbaden schon einmal ein Sexualstraftäter mit der gleichen Masche aufgefallen. Auch in diesem Fall konnte sich das Opfer an die Schlumpf-Aufkleber erinnern. Die Polizei ermittelte nun unter Hochdruck. Die Beamten sind sich sicher, dass der Mann wohl erneut zuschlagen wird. Sie vermuten sogar, dass der Täter brutaler vorgehen wird.

Und tatsächlich: Fünf Wochen später, in der Nacht zum 30. Juli 1979, schlägt der Vergewaltiger wieder zu. Als er die 18-jährige Schülerin Gudrun* gegen 1 Uhr in der Innenstadt auf ihrem Heimweg von einer Freundin entdeckt, zerrt er auch sie in sein Auto. Wieder zückt er routiniert ein Messer und fährt mit seinem Opfer in den Wald, wo er die junge Frau misshandelt und vergewaltigt. Anschließend fährt er die schwer verletzte Gudrun zurück in die Innenstadt.

Eine Stunde nach Ausstrahlung kommt der entscheidende Tipp

Die Ermittlungen der Polizei blieben zunächst ohne Erfolg. Ein Jahr später, am 18. April 1980, wurde der Fall dann in der ZDF-Sendung vorgestellt. Damit kam endlich der Durchbruch: Nur eine Stunde nach der Ausstrahlung konnte der Serien-Vergewaltiger festgenommen werden. Ein Anrufer konnte sich an das Fahrzeug mit den auffälligen Schlümpfe-Aufklebern im Innenraum erinnern und auch den entscheidenden Hinweis zum Fahrer liefern.

*Namen von der ZDF-Redaktion geändert

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