Warum die meisten Lost Places in Wiesbaden ein Geheimnis bleiben

Der Reiz verlassene Orte -sogenannte Lost Places- zu erkunden, liegt oft im Gefährlichen und Verbotenen. Doch „Urban Explorer“ haben eine ganz andere Motivation, wenn sie die geheimen Plätze aufsuchen.

Warum die meisten Lost Places in Wiesbaden ein Geheimnis bleiben

Eingeschlagene Fenster, Graffitis an den Wänden und demolierte Möbel - das ist das Bild an vielen verlassenen Orten, wie alten Fabriken und Lagerhallen. Wo sie sich befinden, wird meist geheim gehalten - und genau das macht für viele den Reiz aus, sie zu suchen und mit Kameras bewaffnet zu erkunden. Das ist nicht immer ganz ungefährlich. Außerdem gilt das unerlaubte Betreten dieser Orte als Hausfriedensbruch und ist somit strafbar.

„Der Respekt vor den Orten und das Einhalten der gängigen Ethik steht für mich an oberster Stelle.“ - Jens Kuhl

Jens Kuhl, seit rund zwei Jahrzehnten als sogenannter Urban Explorer unterwegs, erforscht alte, verlassene Gebäude und fotografiert sie. Dabei achtet er stets darauf, nichts zu zerstören und den Ort so zu verlassen, wie er ihn vorgefunden hat. „Der Respekt vor den Orten und das Einhalten der gängigen Ethik steht für mich und viele andere Urban Explorers an oberster Stelle“, sagt er und betont, dass das heute nicht mehr bei allen in der Urbex-Szene, wie sie unter Kennern genannt wird, der Fall sei.

![dd3fb4dc-8365-4713-9244-0c493880f287]

„Wenn du ein Fenster zerstören musst, um in ein Gebäude reinzukommen, dann bist du auf dem falschen Weg“, erklärt Kuhl. Er versuche sich immer in die Lage des Besitzers hineinzuversetzen. Er würde sich über Vandalismus und Diebstahl genauso ärgern, wie der Besitzer einer großen leerstehenden Lagerhalle. Deswegen ist der Grundgedanke der Urbex-Szene dem Gebäude keinen Schaden zuzufügen, sondern es nur zu beobachten.

Lost Places in Wiesbaden

Neben der Alten Ziegelei in Bierstadt und einigen alten Werkshallen in Mainz-Kostheim sind kaum Lost Places bekannt. Die Szene gibt die Orte nicht bekannt, um sie zu schützen, und benutzt Synonyme. Früher gab es mehrere leerstehende Häuser, die Jens Kuhl erkundet hat. Dazu zählten die Alte Ölmühle am Schlachthof und das Kurheim Taunusblick, das 2003 abgerissen wurde. Auch am Kureck fühlte sich Kuhl zuhause und besuchte das Hochhaus regelmäßig. „Ich habe dort viele Jugendliche kennengelernt und Freundschaften aufgebaut. Außerdem konnte ich ihnen den Unterschied zwischen legalem und illegalem Betreten vermitteln“, sagt er. „Das Gefühl, etwas Positives erreicht zu haben, ist toll.“

![f2bec698-e831-4239-80c7-f58bdf4a2bbd]

Den Schlachthof dokumentierte Kuhl sehr häufig, um die Geschichte des Gebäudes einzufangen und zu erhalten. Dazu zählte auch die Fauthsche Ölmühle.

![11877e5b-8b33-4d4e-b169-575af8d67042]

Auch Jörg Rudolph fotografiert alte verlassene Orte. Im Jahr 2000 hat der hauptberufliche Sozialarbeiter begonnen, Graffitis abzulichten. Damals machte er Fotos vom alten Schlachthof und bewegte sich auch auf den Spuren der Maler. „Solche Orte haben sich dann rumgesprochen und man gab sich Tipps unter Kollegen“, erklärt Rudolph. „Ich versuche die Orte immer erst auf dem legalen Weg zu betreten. Ich frage beim Besitzer um Erlaubnis oder wende mich an Agenturen, die oft solche Orte für Fotoshootings vermitteln.“

„Das Spannendste an den Orten ist, wenn sie eine Neunutzung erfahren. Wenn die Natur sich den Raum zurückholt oder auch die Jugendkultur dort einzieht.“ - Jörg Rudolph

Andere Orte hätten viele Lücken, durch die man schlupfen könne. Dabei bewegt man sich aber in einer rechtlichen Grauzone. Oft gebe es auch einen Wachschutz, der einen erwischt und dem Platz verweist. „Das Spannendste an den Orten ist, wenn sie eine Neunutzung erfahren. Wenn die Natur sich den Raum zurück holt oder auch die Jugendkultur dort einzieht“, so Rudolph. Die Naxushalle in Frankfurt sei dafür ein ideales Beispiel. „Von außen sieht sie noch aus wie früher. Aber innen wurde sie wieder neu hergerichtet.“

Tipps für Abenteuerlustige

Auch wenn die Urban Explorer ihre Orte nicht verraten, gibt es einige Möglichkeiten alte Gebäude und verlassene Orte ganz legal zu erkunden und zu fotografieren: Vom 5. bis 13. August finden die Tage der Industriekultur im Rhein-Main-Gebiet statt. Im Rahmen der Veranstaltung können Interessierte rund 1000 Orte von lokaler Bedeutung besichtigen. Beim Tag des offenen Denkmals gibt es im September viele kostenfreie Führungen in Wiesbaden - unter anderem durch das Jagdschloss Platte und in die Gruft des Nordfriedhofs. Den Salzbachkanal kann man dann zusammen mit den Entsorgungsbetrieben der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW) auch erkunden. Das genaue Programm wird frühzeitig bekanntgegeben.

Logo