Denkmalgeschützte Gleise liegen in Biebrich im Dornröschenschlaf

Die Gleise der ehemaligen Aartalbahn erinnern in Biebrich noch immer an den Zugverkehr zur Jahrhundertwende. Doch Züge sollen so schnell keine mehr darüber fahren.

Denkmalgeschützte Gleise liegen in Biebrich im Dornröschenschlaf

Während sich in Wiesbaden - und vor allem im Stadtteil Biebrich - derzeit alles um das Thema Citybahn dreht, schlummern die alten Gleise der Aartalbahn vor sich hin. So bezeichnet es Merkurist-Leser Michael, der in einem Snip von einem „Dornröschenschlaf“ spricht.

Tatsächlich ist das Bild naheliegend, denn ähnlich wie die Prinzessin im Turm von Dornenranken eingeschlossen wurde, wachsen Sträucher und Büsche immer weiter an die Bahngleise heran. Dabei ist die Idee, die Strecke zu reaktivieren in den letzten Jahren immer wieder aufgekommen, blieb jedoch ohne Erfolg.

Vor mehr als 100 Jahren errichtet

Eine Sanierung, so besagen es mehrere Gutachten aus den letzten Jahrzehnten, wäre dringend notwendig, bevor die Gleise für regelmäßigen Verkehr genutzt werden können. Doch größere Eingriffe in die Anlage, etwa ein zweispuriger Ausbau, sind aus Gründen des Denkmalschutzes nicht möglich. Dabei stammt die Gleisanlage aus dem frühen 20. Jahrhundert, wo die Anforderungen an einen Personenzug noch anders waren als heute: Statt Pendler waren es vor allem Ausflugsgäste, die mit der Bahn in die Kurstadt Wiesbaden kamen.

Der nördliche Abschnitt der insgesamt fast 54 Kilometer langen Strecke bei Dietz wird seit vielen Jahren als Touristenattraktion genutzt. Dort sind Draisinenfahrten mit Nostalgie-Flair möglich. In Wiesbaden wurden die Gleise noch bis in die frühen 1980er Jahre hinein für Zugfahrten genutzt, für Fahrten zwischen Dotzheim und dem Hauptbahnhof. Nach der letzten Tour mit Fahrgästen im Jahr 1983 wurde die Anlage zum „längsten Denkmal Hessens“ erklärt. Doch in Biebrich bekamen die Gleise noch einmal einen neuen Nutzen: Zwischen 2007 und 2014 nutzte die Sektkellerei Henkell den Abschnitt zwischen Landesdenkmal an der Biebricher Allee und dem Bahnhof Wiesbaden Ost für Transporte mit Güterzügen.

Wiederbelebung für die Citybahn?

Darum, dass die Gleise nicht noch weiter verfallen, kümmert sich inzwischen der Verein Nassauische Touristik-Bahn, der auch regelmäßig Sonderfahrten in historischen Zügen anbietet - etwa in vielen Jahren in der Weihnachtszeit den Nikolausexpress. Der Abschnitt zwischen Dotzheim und Bad Schwalbach hingegen könnte bald wieder richtig zum Leben erweckt werden. Dort, so lauten aktuelle Pläne, könnten die Schienen so umgebaut werden, dass die Citybahn über den Streckenabschnitt fahren könnte (wir berichteten).

In Biebrich hingegen sollen die Gleise für die Straßenbahn über eine neue Route verlaufen, damit die Innenstadt besser an die Linie angebunden wird. In der Biebricher Allee erinnert neben den verwaisten Gleisen aber noch immer ein altes Gebäude an die alte Eisenbahnverbindung: Der „Kleine Bahnhof“ neben der Sektkellerei Henkell beherbergt heute eine Kindertagesstätte und Räume der privaten Obermayr-Schule. Ein weiterer Haltepunkt der Aartalbahn in Biebrich war der Bahnhof „Waldstraße“. (ms)

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