Sollte der Weltfrauentag auch in Wiesbaden zum Feiertag werden?

In Berlin ist der Internationale Frauentag ein gesetzlicher Feiertag. Sollte der 8. März auch in Hessen zum Feiertag werden? Wir haben nachgefragt.

Sollte der Weltfrauentag auch in Wiesbaden zum Feiertag werden?

Wer in Berlin wohnt, konnte in dieser Woche früher ins Wochenende starten. Zum ersten Mal feierte die Stadt den Internationalen Frauentag als gesetzlichen Feiertag. Damit will das Bundesland ein Zeichen setzen und die Gleichstellung von Mann und Frau vorantreiben. Sollte Hessen nachziehen?

„Geschlechtergerechtigkeit muss an diesem Tag möglichst breit auf verschiedene Arten thematisiert werden.“ - Dennis Volk-Borowski, SPD

Die Wiesbadener SPD findet die Idee gut. Kein Wunder, denn der internationale Frauentag ist in der Arbeiterbewegung vor dem Ersten Weltkrieg entstanden. Die Frauen forderten damals vor allem das Recht zu Wählen, das erst 1918 eingeführt wurde. Dennis Volk-Borowski, Vorsitzender der SPD Wiesbaden würde sich aber wünschen, dass der Tag dann nicht einfach nur als zusätzlicher freier Tag in den Urlaubskalender aufgenommen wird, „sondern Geschlechtergerechtigkeit muss an diesem Tag möglichst breit auf verschiedene Arten thematisiert werden.“

„Auch Hessen sollte dem Beispiel Berlins folgen.“ - Mechthilde Coigné, Linke&Piraten

Die persönliche Antwort der frauenpolitischen Sprecherin der Wiesbadener Linke&Piraten Rathausfraktion fällt ähnlich positiv aus: „Hessen sollte dem Beispiel Berlins folgen“, meint Mechthilde Coigné. Denn auch berufstätige Frauen könnten so für die Verwirklichung ihrer Rechte aktiv werden. Und das sei nötig. Weil Frauen immer noch trotz Berufstätigkeit den größten Anteil der Hausarbeit, der Kindererziehung und der Pflege von pflegebedürftigen Angehörigen übernehmen würden, fordert Coigné „generell zusätzliche, gesetzlich garantierte freie Tage - ohne Lohnabzug.“

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Wiesbadener CDU hat hingegen ihre Zweifel an der Idee: „Da die Schaffung eines zusätzlichen Feiertages nicht unerhebliche volkswirtschaftliche Auswirkungen hat und es nicht endlos viele gesetzliche Feiertage geben kann, neige ich persönlich zur Zurückhaltung“, sagt Oliver Franz, Kreisvorsitzender der CDU Wiesbaden.

„Eine konzeptionelle Vorbereitung des Weltfrauentages und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seinen Themen finde ich jedenfalls entscheidender.“ - Oliver Franz, CDU

„Eine konzeptionelle Vorbereitung des Weltfrauentages und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seinen Themen finde ich jedenfalls entscheidender als die bloße Einrichtung eines gesetzlichen Feiertages, an dem am Ende nichts geschieht, außer dass Frauen und Männer arbeitsfrei haben.“ Besonders wichtig sei dabei die Auseinandersetzung mit häuslicher Gewalt und dem Umgang anderer „Kulturen und Religionen mit dem weiblichen Geschlecht.“

„Ein zusätzlicher Feiertag wäre eine Anerkennung der alltäglichen Arbeit der Frauen.“ - Sascha Schmidt, DGB

Sascha Schmidt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Kreisverband Wiesbaden-Rheingau-Taunus hat für die Umsetzung des Feiertags gleich eine Idee. Er schlägt vor, den Tag als „Kampftag“ zu feiern. „Der Tag steht historisch für den Kampf für die Gleichberechtigung der Frauen“, sagt er. „Am 8. März könnten also ähnlich wie am 1. Mai Frauen und Männer gemeinsam auf die Straße gehen und für die Gleichstellung der Geschlechter eintreten.“

Und das müsse auch 2019 noch getan werden. „Ein zusätzlicher Feiertag wäre eine Anerkennung der alltäglichen Arbeit der Frauen“, sagt er. Noch immer würden Frauen weniger Gehalt bekommen als Männer, außerdem seien sie auch in Führungspositionen unterbesetzt. Viele Unternehmer würden immer noch davor zurückschrecken, Frauen in einer hohen Position einzusetzen, weil sie durch eine Schwangerschaft ausfallen würden.

„Man muss den Finger also auch weiterhin in die Wunde legen.“ - Sascha Schmidt

„Es geht hier um grundlegende demokratische Ansprüche wie Gleichstellung und Gleichberechtigung, man muss den Finger also auch weiterhin in die Wunde legen“, meint Sascha Schmidt. Ein Feiertag am 8. März könnte das jedes Jahr in Erinnerung rufen.

Darüber, ob ein Tag zum gesetzlichen Feiertag wird, entscheidet bei all der Euphorie allerdings das Land Hessen. Die Landesregierung kann aus „besonderem Anlass im Einzelfall einen Werktag zum gesetzlichen Feiertag machen“, erklärt ein Sprecher. Der 8. März scheint keiner dieser Anlässe zu sein, denn „in Hessen sind keine neuen Feiertage in Planung“. (nl)

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