Gedenken in Wiesbaden zum 83. Jahrestag der Deportation von Sinti

Zum 83. Jahrestag der Deportation der Wiesbadener Sinti findet eine Gedenkstunde im Rathaus statt. Die Veranstalter warnen angesichts aktueller Debatten vor Rassismus und werben für den Schutz der Demokratie.

Gedenken in Wiesbaden zum 83. Jahrestag der Deportation von Sinti

Anlässlich des 83. Jahrestages der Deportation der Wiesbadener Sinti nach Auschwitz-Birkenau am 8. März 1943 laden die Stadt Wiesbaden und der Hessische Landesverband Deutscher Sinti und Roma zu einer gemeinsamen Gedenkstunde ein. Wie die Veranstalter bekannt geben, findet diese am Sonntag, 8. März, um 16.30 Uhr im Rathaus am Schlossplatz statt.

Bei der Veranstaltung werden Adam Strauß, der Vorsitzende des Landesverbands, und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende Grußworte halten. Gemeinsam wollen sie an die Sinti und Roma aus Wiesbaden, Deutschland und Europa erinnern, die während der nationalsozialistischen Herrschaft entrechtet, verfolgt und deportiert wurden. Für die musikalische Begleitung sorgt das June Heilig Ensemble.

Adam Strauß betont die aktuelle Relevanz des Gedenkens: „Sinti leben seit über 600 Jahren, Roma seit circa 200 Jahren im deutschsprachigen Raum und werden bis heute von vielen nicht als selbstverständlicher Teil dieser Gesellschaft anerkannt.“ Die aktuellen politischen Debatten würden ihn mit großer Sorge erfüllen. „Gerade im Hinblick auf die Geschichte unseres Landes wird deutlich: Unsere Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Wir alle sind gefordert, sie entschlossen zu verteidigen und für Menschenwürde, Vielfalt und Respekt einzustehen“, so Strauß.

„Erinnerung bedeutet Verantwortung“

Auch Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende sieht im Gedenken einen „Auftrag für die Gegenwart“. Er erklärt: „Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus wieder so laut geäußert werden, wie schon lang nicht, stehen wir klar an der Seite der Betroffenen.“ Mende fügt hinzu, dass Erinnerung Verantwortung für ein demokratisches Miteinander bedeute und schließt in das Gedenken auch andere Minderheiten wie die Jenischen ein, die unter der gleichen Ideologie litten.

Während der NS-Zeit wurden rund 500.000 Sinti und Roma in Europa ermordet. Die Gedenkveranstaltung findet in diesem Jahr im Rathaus statt, da das Mahnmal für die deportierten und ermordeten Wiesbadener Sinti und Roma in der Bahnhofsstraße wegen Bauarbeiten vorübergehend eingelagert ist. Alle Bürger sind eingeladen, mit ihrer Teilnahme ein Zeichen des Erinnerns und des Respekts zu setzen.