René Düvel: Wie Einzelhandel gegen die Online-Riesen bestehen kann

Immer wenn ein alteingesessenes Geschäft schließen muss, scheint der Schuldige schnell gefunden zu sein: Die Online-Versandriesen. Dass dies aber nicht immer stimmt, und was man dagegen tun kann, weiß unser heutiger Gastautor.

René Düvel: Wie Einzelhandel gegen die Online-Riesen bestehen kann

Jede Woche schreibt ein Wiesbadener für uns über Themen, die ihm in Wiesbaden und um Wiesbaden herum am Herzen liegen. Der heutige Gastkommentar stammt von René Düvel.

„Wer aufhört zu werben, um Geld zu sparen, der kann auch seine Uhr anhalten, um Zeit zu sparen.“ Das sagte einmal Henry Ford, seinerzeit sicherlich Marketing-Genie und Unternehmer-Ass zugleich. Auch wenn vieles von dem was Ford sagte streitbar ist, so muss ich ihm in diesem Punkt recht geben.

Ist das alles wirklich nur die Schuld der großen, bösen Riesen wie Amazon und Co.?

Zu oft sieht man vor allem in letzter Zeit schließende Geschäfte, meist alt eingesessene Familienunternehmen, die aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit die Tore schließen mussten. Auf jede dieser traurigen Nachrichten folgen dann noch unzählige Nörgel-Kommentare in den sozialen Medien, dass dies ja alles unserem Verlangen nach immer billigeren, immer verfügbaren Angeboten geschuldet sei. Doch ist das wirklich alles nur die Schuld der großen, bösen Riesen wie Amazon, Google und Co.?

Hört auf zu meckern!

Versteht mich hier nicht falsch, ich bin großer Fan des lokalen Einzelhandels, doch um auch weiterhin bestehen zu können, müssen viele Unternehmer aufhören zu tun, was wir Deutschen am liebsten machen: Meckern. Vielmehr müssen sie anfangen zu tun, was wir Menschen schon immer am besten konnten: uns anpassen.

In der heutigen Zeit sollte Werbung - vor allem online - ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmenskommunikation sein. Was bei Großkonzernen und mittelständigen Unternehmen bereits nicht mehr wegzudenken ist und es sich schon komisch anfühlt hier überhaupt zu erwähnen, ist bei vielen familiengeführten Unternehmen noch immer nicht oder nur stiefmütterlich im geschäftlichen Alltag von Bedeutung. Es reicht schlicht nicht mehr aus, die Webseite schnell selbst zu basteln, oder den Facebook Account von „irgendjemandem“ betreuen zu lassen.

Man sollte das Thema „Online und neue Medien“ als Chance sehen.

Dabei sollte man das ganze Thema „Online und neue Medien“ keinesfalls als pure Notwendigkeit sondern viel mehr als Chance sehen, sich neuen Märkten zu öffnen, seinen Kunden einen besseren Service anzubieten und sich den permanenten Entwicklungen anzupassen. Ich bin überzeugt, dass dieses „Anpassen“ extrem wichtig und unabdingbar ist und dass dieses „online“ eine substanzielle Rolle dabei spielt. Zumindest, bis es die nächste bahnbrechende Erfindung geben wird.

Das hierfür zunächst etwas investiert werden muss, um Resultate zu sehen, sollte eigentlich klar sein. Selbst dann kann nicht immer alles funktionieren, zumindest nicht auf Anhieb. Um es auf den Punkt zu bringen: Es geht darum, neue Dinge auszuprobieren, neue Wege zu ertasten, um schließlich herauszufinden, was für sich selbst und sein Unternehmen am besten funktioniert.

Nicht den Überblick verlieren

Genau an diesem Punkt kann es manchmal etwas überwältigend werden. Bei all den Möglichkeiten und Anbietern, bei all den Kanälen und Trends kann man leicht die Übersicht verlieren. Das läuft dann darauf hinaus, dass man am Ende des Tages einfach nicht weiß, wem man jetzt sein verbleibendes Werbebudget in die Hand drücken soll. Auch hier empfiehlt es sich wieder einfach auszuprobieren. Testen, lernen, verbessern und wieder testen. Ähnlich der Lean-Start-Up Methode von Ash Maurya.

Google AdWords oder auch Facebook Advertising, um nur ein paar Akteure zu nennen, spielen hier - denke ich - eine ganz große Rolle, wobei Letzteres hierzulande bei weitem noch nicht sein volles Potenzial ausgeschöpft hat. Nichtsdestotrotz: Fakt ist, dass Werbung hilft, das eigene Unternehmen, den Verein, die Veranstaltung und so weiter bekannt zu machen und für Reichweite zu sorgen. Wie viele „Zuhörer“ dann tatsächlich den Laden (Offline oder Online) besuchen und am Ende auch zu Käufern werden - das liegt dann wiederum am Charme des Verkäufers und des tatsächlichen Mehrwertes den er den Kunden zu bieten hat.

René Düvel, 27, hat einen Master in Business Administration an einem College in den USA gemacht und sich dort mit den neuesten Trends im Bereich Social Media beschäftigt. Er arbeitet als selbständiger „Online Marketing und Social Media Experte" , unter anderem für die Wiesbadener Kommunikationsagentur placetobee™.

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