Die Deutsche Bahn hat eine Machbarkeitsstudie für den Ausbau des Bahnhofs Wiesbaden Ost angekündigt. Künftig soll hier die reaktivierte Aartalbahn enden (wir berichteten). Das notwendige zusätzliche Gleis liegt bereits im Bahnhof, einen Bahnsteig dazu gibt es allerdings noch nicht. Die Studie soll dessen genaue Lage untersuchen. Nach ersten Überlegungen könnte der zusätzliche Bahnsteig zwischen dem Gleis der Aartalbahn und dem heutigen Gleis 4 des Bahnhofs Wiesbaden Ost nördlich der bestehenden Personenunterführung angeordnet werden.
Für die Anbindung des neuen Bahnsteigs gebe es zwei Varianten, teilt eine Bahnsprecherin auf Anfrage von Merkurist mit. Naheliegend sei ein Anschluss an die bestehende Fußgängerunterführung. Allerdings habe die Stadt Wiesbaden großes Interesse an der Wiedererrichtung einer Brücke zu den Gleisen und weiter über die A671 bekundet. Auch diese Variante sei daher ausdrücklich Bestandteil der Untersuchung.
Betriebe rund um Deponie nur schlecht an Bahnhof angebunden
Eine solche Verbindung zwischen den Industriegebieten westlich und östlich des Bahnhofs hat es schon einmal gegeben: Die „Bauernbrücke“ wurde 2008 abgerissen. Amöneburger hatten damals gegen den Abbruch der Brücke demonstriert. Die Brücke war relevant für Beschäftigte, die in den Betrieben östlich der Autobahn am Unteren Zwerchweg arbeiten. Sie müssen seit dem Abbruch einen Umweg über den Amöneburger Kreisel nehmen. Die Stadt hatte damals das 100 Jahre alte Bauwerk von der Bahn erhalten und wollte nicht für die Folgekosten aufkommen. Eine aus heutiger Sicht für viele ärgerliche Entscheidung.
Barrierefreiheit: Neue Aufzüge oder neue Rampen?
Neben einem neuen Bahnsteig und einer neuen Fußgängerbrücke prüft die Bahn auch den barrierefreien Umbau des Bahnhofs. So soll in der Machbarkeitsstudie auch die Anhebung der bestehenden Bahnsteige auf 96 Zentimeter geprüft werden. Nur so wäre ein niveaugleicher Zustieg zur S-Bahn möglich. Damit auch der Bahnsteig selbst künftig barrierefrei erreichbar wird, prüft die Bahn zusätzlich die Einrichtung von Aufzügen oder alternativ von langen Rampen.
Nach den zuletzt verfügbaren Angaben weist der Bahnhof Wiesbaden Ost innerhalb des Wiesbadener Stadtgebiets nach dem Wiesbadener Hauptbahnhof und dem Bahnhof Mainz-Kastel die dritthöchste Fahrgastnachfrage auf. Im geltenden Regionalen Nahverkehrsplan des RMV (aus dem Jahr 2021) werden für Wiesbaden Ost täglich 1.400 Ein-/Aussteigende angegeben, für den Hauptbahnhof 40.000 und für Mainz-Kastel 6.600. Stadt und Bahn wünschen sich, die Attraktivität des Bahnhofs durch den Ausbau weiter zu steigern. Darüber, wann mit ersten Ergebnissen der Studie zu rechnen sei, machten sie jedoch keine Angabe.
Bahnhof Mainz-Kastel erst 2029 barrierefrei
Auch der Bahnhof Mainz-Kastel soll barrierefrei werden. Haus- und Mittelbahnsteig sollen jeweils einen Aufzug erhalten, die Unterführung aufgewertet werden, die Blindenleitstreifen weiter verbessert sowie eine zusätzliche Bike+Ride-Anlage am Bahnhofsvorplatz gebaut werden. Im Frühjahr kündigte die Bahn allerdings an, dass sich der Umbau erneut verschiebt (wir berichteten). Da viele Bauarbeiten nur in begrenzt verfügbaren Sperrpausen möglich seien, könne der Umbau nun erst 2029 abgeschlossen werden. Eine vollständige Barrierefreiheit beim Fahrzeugzugang wird aufgrund der unterschiedlichen Einstiegshöhen von Regional- und S-Bahn auch in Zukunft nicht möglich sein.
Darüber hinaus habe die Stadt in den vergangenen Monaten den Wunsch nach zusätzlichen direkten Treppenverbindungen vom Haus- und Mittelbahnsteig zum Hochkreisel eingebracht. Hierdurch könnten die Wege zwischen den Gleisen und der Haltestelle Brückenkopf deutlich verkürzt werden. Die Bahn teilt mit, diesen Vorschlag in die eigenen Planungsüberlegungen aufgenommen zu haben. Allerdings gebe es noch Fragen zu technischer Machbarkeit und Finanzierung. Ein belastbarer Umsetzungstermin kann daher aktuell noch nicht genannt werden.