Warum spätestens jetzt kein Mensch mehr den Valentinstag feiern sollte

Unsere Autorin hasst den Valentinstag. Jahrelang konnte sie die Füße stillhalten und hoffte bloß, dass der Tag schnell um ist. Doch in diesem Jahr ist für sie eine Grenze überschritten. Schuld daran ist die Werbekampagne eines Elektrofachmarkts.

Warum spätestens jetzt kein Mensch mehr den Valentinstag feiern sollte

Früher in der Grundschule durften wir am Valentinstag den Namen unseres Schwarms auf ein Zettelchen schreiben und ihn in einen Hut werfen. Meine Klassenlehrerin faltete die Zettel auseinander, heftete sie an eine Rose und teilte sie dann an die Kinder aus, deren Name drauf stand. Ich bekam während meiner gesamten Grundschullaufbahn nicht eine einzige Rose. Damals dachte ich, mich mag einfach niemand. Heute weiß ich: Schon damals gingen Anti-Valentinstag-Vibes von mir aus. Ich feierte den Valentinstag nie. Und wenn ein neuer Freund mir am 14. Februar einen Strauß Blumen oder eine Schachtel Pralinen schenkte, war mir klar: Diese Beziehung ist zum Scheitern verurteilt.

Über Jahre nahm ich diesen Tag einfach so hin, doch in diesem Jahr ist die Grenze der Geschmacklosigkeit für mich endgültig überschritten. Während es den meisten Valentinstagjunkies jahrelang reichte, einen Strauß rote Rosen, einen Himbeerbaiserkuchen, Frühstück ans Bett oder ein romantisches Candlelight-Dinner zu bekommen, muss man sich heutzutage offenbar deutlich mehr einfallen lassen, um seinen Schatz, die Valentinstagsindustrie — aber vor allem auch sich selbst — glücklich zu machen.

Ein bekannter Elektrofachmarkt in Wiesbaden sorgt mit seiner selbsternannten „verrückten Aktion am Valentinstag garantiert für einen unvergesslichen Moment“. — Ja, unvergesslich peinlich auf jeden Fall. „Der Elektroriese will Euch dabei helfen, dass Eure Verlobung alles andere wird als ‘stinknormal’ und lädt dazu am 14. Februar in seinen Markt ein“, heißt es in der Anzeige weiter. Wer seinem Partner am Valentinstag nämlich im Markt einen Heiratsantrag macht, bekommt vier Haushaltsgeräte geschenkt.

Oh, wow. Endlich bekommen diese Menschen Waschmaschine, Kühlgefrierkombination, Herdset und Staubsauger. Dinge, die sich die meisten Verliebten sicher schon immer von Herzen gewünscht haben. Aber Vorsicht! Am Tag der Verlobung selbst gibt es nur ein kleines Geschenk. Denn erst nach der Vermählung stellt der Elektroriese die „topmodernen Haushaltsgeräte im Wert von 1316 Euro“ zur Verfügung. Ach, übrigens: Bei dem Herdset entfällt laut Elektromarkt ein lästiges Schrubben des Ofens. „Dank der Simple Stream Funktion übernimmt der ‘Beko’ das für Dich.“ Aber auch nur, wenn sich die Heiratswilligen vorher registrieren und die Vermählung danach innerhalb von drei Monaten durchziehen. „Und am Tag Eurer Hochzeit müsst Ihr in Eurem Kleid beziehungsweise Anzug in den Elektromarkt kommen.“ Na, sicher. Die meisten haben ja an ihrem Hochzeitstag wahrscheinlich nichts besseres zu tun.

Für mich ist damit eine Grenze überschritten. Eine Grenze, die dazu führt, dass ich den Valentinstag nun endgültig ablehne. Ohne Ausnahme. Versteht mich nicht falsch — auch ich bin eine absolute Verfechterin der Liebe. Doch versuche ich, meinem Partner jeden Tag die Liebe und die Aufmerksamkeit zu geben, die er verdient hat und die er braucht. An manchen Tagen braucht er sie mehr als an anderen. Und dann bekommt er sie auch. Und wenn das zufällig am 14. Februar der Fall ist, dann soll er sie auch an diesem Tag bekommen. Ich denke nicht, dass er dafür einen Liebesbeweis in Form einer Kühlgefrierkombination braucht, in der anhand der ‘MinFrost-Technologie’ die Eisbildung im Gefrierfach deutlich reduziert wird. Sondern viel eher einen ganzen Eimer seines Lieblingseises, den ich auf dem Heimweg noch schnell an der Tanke besorgt habe. (ms/js)

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