Vor genau 100 Jahren begann mit der Eingemeindung von Biebrich, Schierstein und Sonnenberg eine Entwicklung, die Wiesbaden bis heute prägt. Wie die Stadt mitteilt, wurde zu diesem Jubiläum nun ein neuer Band einer Schriftenreihe herausgegeben, der diese Phasen der Stadtgeschichte beleuchtet.
Unter dem Titel „Wiesbaden grüßt seine neuen Bürger. 100 Jahre Eingemeindungen nach Wiesbaden“ versammelt die Publikation Dokumente aus dem Stadtarchiv. Diese sollen einen direkten Einblick in die damaligen Vorgänge ermöglichen. Nach der ersten Eingliederungswelle in den 1920er-Jahren folgten in den 1970er-Jahren im Zuge der hessischen Gebietsreform weitere Orte.
„Die Publikation versteht sich ausdrücklich nicht als klassische historische Abhandlung“, erklärt der Leiter des Stadtarchivs Wiesbaden, Dr. Peter Quadflieg. Stattdessen würden aussagekräftige Dokumente gezeigt, die die damalige Gesetzeslage, öffentliche Diskussionen und das Verwaltungshandeln abbilden.
Verhandlungen um Geld und Personal
Die Quellen zeigen, wie intensiv um die Eingemeindungen gerungen wurde. Dabei standen oft konkrete Interessen im Mittelpunkt. So forderten die Gemeinden, die eingegliedert werden sollten, finanzielle Ausgleiche und die Übernahme von Personal. Auch Sonderregelungen für die neuen Stadtbezirke und die städtebauliche Entwicklung waren Teil der teils leidenschaftlichen Verhandlungen.
Besonders aufschlussreich sind die unterschiedlichen Vorgänge, wie Eingemeindungen zustande kamen. So werden auch die besonderen Entwicklungen rund um die AKK-Vororte Mainz-Amöneburg, -Kastel und -Kostheim dokumentiert, die 1945 angegliedert wurden und um die lange gestritten wurde.
„Die Quellenedition zeichnet die Transformation Wiesbadens von der mondänen Weltkurstadt des ausgehenden 19. Jahrhunderts hin zur facettenreichen hessischen Landeshauptstadt nach“, so Kulturdezernentin Dr. Patricia Becher (SPD). Die Quellen würden von Interessen, Verhandlungen und Konflikten erzählen, aber auch davon, wie aus den ehemals selbstständigen Gemeinden Bestandteile einer Stadtgesellschaft wurden.