Mainz zeigt, wie ein regelmäßiger Gratis-Tag im ÖPNV funktionieren kann: Seit Juli 2024 fahren dort an jedem ersten Samstag im Monat Busse und Bahnen im Stadtgebiet sowie in Budenheim, Wackernheim und Zornheim gratis. Damit will man gezielt neue Fahrgäste gewinnen und die Innenstadt beleben.
In Wiesbaden gibt es die Idee ebenfalls, doch die Stadt hat sich bisher dagegen entschieden. Sie verfolgt einen anderen Kurs und setzt vor allem auf punktuelle Gratisaktionen. Laut Pressereferat der Stadt Wiesbaden sind sie dieses Jahr anlässlich des Herbstmarktes und an den vier Adventssamstagen geplant.
Effizienz und Nutzen im Vergleich
Unter dem Aspekt der Effizienz hat Mainz den Vorteil der Wiedererkennbarkeit: Ein fixer Termin im Monat erzeugt Routine, ist leicht kommunizierbar und kann Fahrgäste dauerhaft an den ÖPNV heranführen. Laut Mainzer Mobilität kostet jeder Aktionstag rund 25.000 Euro; die zwölf geplanten Termine summieren sich auf etwa 300.000 Euro pro Jahr.
Der Nutzen geht dabei über reine Fahrgastzahlen hinaus. Mainz verweist darauf, dass an den Aktionstagen die Nachfrage (um rund 20 Prozent) steigt, die Innenstadt profitiert und ein Teil der Nutzer den ÖPNV gezielt wegen des kostenlosen Angebots nutzt. Die Aktion funktioniert damit zugleich als Mobilitäts- und Wirtschaftsförderung.
Wiesbaden hingegen begrenzt die Reichweite solcher Aktionen bewusst und koppelt sie stärker an Anlässe. Das ist kurzfristig budgetfreundlicher, führt jedoch zu weniger Verhaltensänderungen bei den Fahrgästen und bietet dem Handel keinen gleichmäßigen Impuls über das ganze Jahr hinweg.
Kosten-Nutzen-Faktoren für Wiesbaden
Der zurückhaltendere Ansatz der Stadt Wiesbaden ist nicht zuletzt auf haushaltspolitische Erwägungen zurückzuführen. Die Stadt und ESWE Verkehr bewegen sich in einem Umfeld, in dem Einsparungen, Angebotsanpassungen und Investitionsdruck gleichzeitig wirken. Vor diesem Hintergrund wirkt ein zusätzliches Gratisangebot schnell wie eine Frage der Prioritäten: kurzfristige Attraktivität gegen dauerhafte Haushaltsbelastung. Auf Nachfrage hieß es, die Stadt habe letztlich Abstand von einem dauerhaften Nulltarif am ersten Samstag des Monats genommen; ESWE Verkehr verwies dabei auf begrenzte Mittel.
Langzeitprognose für ESWE Verkehr
Für den ÖPNV-Haushalt von ESWE Verkehr bleibt die Langzeitprognose angespannt. Zwar schafft die Direktvergabe des Wiesbadener Busverkehrs an ESWE bis 2042 Planungssicherheit, doch die Stadt wird auch künftig erhebliche Mittel für Betrieb, Personal, Energie und den weiteren Ausbau der E-Bus-Flotte aufbringen müssen.
Hinzu kommt, dass ESWE Verkehr bereits weitere Belastungen im System sieht, etwa durch Infrastrukturbedarf und mögliche Folgekosten eines zweiten Betriebshofs. Auch die jüngeren Sparmaßnahmen zeigen, dass finanzielle Entlastung nur über harte Prioritätensetzung gelingt und nicht durch einfache Einsparungen im laufenden Betrieb.
Fazit für Wiesbaden
Mainz liefert ein praktisches Argument für den 0-Euro-Samstag: Er bringt Menschen in die Innenstadt und senkt die Schwelle zur Nutzung des ÖPNV. Dort wird das Pilotprojekt deshalb auch als Investition in Frequenz und Bindung verstanden, nicht als reines Geschenk.
Ob die hessische Landeshauptstadt am Ende doch nachzieht, hängt weniger an der Idee als an der Finanzierung und am politischen Willen. Genau dort wird sich entscheiden, ob aus einem netten Pilotprojekt ein dauerhaftes Mobilitätsinstrument wird.