Warum der Schiersteiner Hafen keinen Kanal bekommt

Gerüche durch Algen und stehendes Wasser - das könnte vor allem im Hochsommer im Schiersteiner Hafenbecken vermieden werden, wenn das Wasser besser abfließen könnte. Dennoch ist ein Kanal bisher nicht geplant. Warum?

Warum der Schiersteiner Hafen keinen Kanal bekommt

Yachten, Spaziergänger und romantische Sonnenuntergänge: So kennen Urlauber und Touristen den Schiersteiner Hafen. Doch an vielen Sommertagen sieht die Realität anders aus: Algen verschmutzen das Hafenbecken und ein übler Geruch steigt auf, wenn das Rheinwasser über längere Zeit im Becken steht.

Kanal gegen Algen

Das ist auch Merkurist-Leser Thorsten aufgefallen. Er vermutet, dass fehlende Strömung im Hafenbecken die Ursache für die kloakenartigen Gerüche im Hafen sein könnten und fragt in seinem Snip: „Warum wird oben kein Zulauf vom Rhein gebaut?“

„Die grüne Schicht verhindert ein starkes Wachstum vom Grund herwachsender Algen“ , Michael Wagner, WYC

Michael Wagner, Vorsitzender des Wiesbadener Yacht-Clubs (WYC) kann verstehen, dass sich vor allem Spaziergänger an den Algen auf der Wasseroberfläche stören. Er erklärt aber: „Die grüne Schicht verhindert ein starkes Wachstum vom Grund her wachsender Algen.“ Diese könnten eine Gefahr für Wassersportler darstellen, weil sie unter anderem Schiffsschrauben und Ruder blockieren.

Schwermetalle im Boden

Auch Walter Richters von der Arbeitsgemeinschaft Hafen in Schierstein kennt die Probleme - und auch die Idee einen Kanal zu bauen. Er sagt: „Gewisse Probleme wie Algen und Wasserpest könnte man möglicherweise durch einen hinreichend dimensionierten Kanal lösen, wenn dadurch im gesamten Hafenbecken eine Strömung entstünde“, doch ein Wasserzulauf- oder Ablauf im Hafen könnten neue Probleme mit sich bringen.

„Eine starke Strömung würde unter Umständen auch die Giftstoffe aufwirbeln.“ - Walter Richters, AG Hafen

„Eine starke Strömung würde unter Umständen auch die Giftstoffe, die jetzt halbwegs ruhig im Boden liegen, aufwirbeln und damit reaktivieren“, gibt Richters zu bedenken. Ein ausführliches Gutachten aus dem Jahr 2002 habe gezeigt, dass im Hafenbecken viele „Altlasten“ auf dem Boden liegen. Diese stammen, so Richters, zum Teil noch aus Zeiten der militärischen Nutzung des Hafens.

So haben vor allem die Schwermetalle Cadmium und Blei den Sanierungsschwellenwert überschritten. Eine Gefährdung für Hafennutzer, so das Fazit des Gutachtens, liege jedoch solange nicht vor, wie die Ablagerungen nicht im Becken umhergewirbelt werden. „Allerdings kann eine Gefährdung zum Beispiel während des Badens oder indirekt über den Verzehr von im Hafenbecken gefangenen Fischen bestehen“, heißt es weiter. Den gesamten Hafen auszubaggern, um die Ablagerungen zu entfernen, hätte vor rund 15 Jahren rund zehn Millionen Euro gekostet. Weil sich Stadt und Bund das Hafenbecken teilen, sei das Vorhaben aber an einem Finanzierungsplan gescheitert.

Weitere Probleme

„Wir bekämen kein Rheinwasser in den Hafen, sondern mit Sedimenten stärker belastetes Mainwasser“ - Michael Wagner, WYC

Doch nicht nur die fehlende Strömung sei derzeit ein Problem im Hafen. Weil immer mehr Stege gebaut werden, die zu den Booten führen, gebe es immer mehr Stellen im Becken, an denen sich Dreck und Abfälle sammeln könnten. Und auch der Lindenbach transportiere regelmäßig Düngerreste in den Hafen, die das Wachstum von Algen fördern. Wagner fürchtet, dass sich das Problem mit belastetem Wasser aus anderen Flüssen mit einem Kanal noch verstärken könnte: „Wir bekämen kein Rheinwasser in den Hafen sondern mit Sedimenten stärker belastetes Mainwasser, denn die Vermischung ist so kurz hinter der Mündung noch nicht vollzogen“, sagt er. Zudem rechne er mit einer Belastung durch das nahegelegene Klärwerk.

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