Für Unternehmen in Rheinhessen wird bezahlbarer Wohnraum zunehmend zu einer Standortfrage. Das teilt die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Rheinhessen mit. Bei einem „Rheinhessenforum für Beschäftigtenwohnen“ in Mainz sprachen Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wohnungswirtschaft über das Thema.
„Bezahlbarer Wohnraum ist mehr als eine private Frage. Er entscheidet mit, ob Auszubildende, Fachkräfte und Betriebe zusammenfinden“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Karina Szwede. Vor allem bei der Suche nach Fachkräften und Auszubildenden werde der Mangel an Wohnraum zum Hindernis.
Dass der Handlungsdruck groß ist, zeigt eine Ausbildungsumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer aus dem Jahr 2026. Demnach sehen fast zwei Drittel der befragten Betriebe akuten Handlungsbedarf beim bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende. Auch in Rheinhessen ist der Druck längst angekommen: Mehr als die Hälfte der Unternehmen gibt an, dass der Mangel an bezahlbarem Wohnraum die Suche nach Auszubildenden erschwert.
Experten diskutieren über Lösungsansätze
Bei dem Forum in der IHK gaben Experten aus Wissenschaft, Wohnungs- und Unternehmenspraxis Impulse. Dr. Philipp Deschermeier vom Institut der deutschen Wirtschaft beleuchtete die Entwicklungen am Wohnungsmarkt. Matthias Berger vom Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft ordnete die Lage aus Branchensicht ein, während Alexandra Stammer von der Berlinovo Immobiliengesellschaft ein Praxisbeispiel für Beschäftigtenwohnen vorstellte.
In einer anschließenden Podiumsdiskussion wurde erörtert, welche Lösungen vor Ort tragfähig sind. Auf dem Podium saßen Vanessa Fischer, Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Bauministerium, der Mainzer Baudezernent Ludwig Holle, IHK-Vizepräsident Tim Gemünden sowie Peggy Richter vom Bundesbauministerium.
Im Mittelpunkt standen dabei Modelle, die zu Standort, Unternehmensgröße und Bedarf passen. Dazu gehören Kooperationen mit der Wohnungswirtschaft, die Umnutzung bestehender Immobilien sowie verschiedene Mietmodelle.
Hintergrund
Die Veranstaltung ist Teil der bundesweiten Initiative „Zukunft Beschäftigtenwohnen“ des Bundesministeriums für Wohnen und der DIHK Service GmbH. Für die IHK für Rheinhessen ist es ein weiterer Schritt, um Wirtschaft und Wohnen stärker zusammenzudenken. Bereits im April hatte die Kammer zu dem Thema ein Webinar veranstaltet.