Komplexe Operationen, insbesondere bei Krebs, werden in Rheinland-Pfalz in immer weniger Kliniken durchgeführt. Das geht aus neuen Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. Grund dafür sind Mindestmengen für bestimmte Eingriffe, die zu einer Konzentration und Qualitätsverbesserung führen sollen.
Der Online-Monitor „Qualitätsmonitor“ der AOK zeigt mit aktuellen Daten aus dem Jahr 2024, dass die Zahl der Krankenhäuser, die komplexe Krebsoperationen durchführen, in Rheinland-Pfalz zwischen 2020 und 2024 deutlich gesunken ist. Bei Brustkrebs-Operationen sank die Zahl der Standorte von 29 auf 21, bei Lungenkrebs von 20 auf 14. Gleichzeitig wurden Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse (von 20 auf 16 Standorte) und der Speiseröhre (von 8 auf 6 Standorte) auf weniger Kliniken konzentriert, wobei die Fallzahlen stiegen.
Auch im Saarland zeigt sich diese Entwicklung. Die Zahl der Krankenhäuser sank bei Brustkrebs von sechs auf fünf, bei Lungenkrebs von vier auf drei, bei Bauchspeicheldrüsen-Eingriffen von sechs auf drei und bei Speiseröhren-Operationen von vier auf zwei. Die Fallzahlen bei Brust- und Lungenkrebsoperationen nahmen dabei zu. Laut AOK bündeln die Mindestmengen die Versorgung zunehmend auf erfahrene Krankenhäuser.
AOK: Spezialisierung verbessert Überlebenschancen
„Die Behandlung in zertifizierten Zentren zeigt eindeutige Überlebensvorteile für die Patientinnen und Patienten“, sagt Dr. Martina Niemeyer, Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland. „Daher sollte das gemeinsame Bestreben sein, die Zentralisierung von Krebsbehandlungen in zertifizierten Kliniken weiter voranzutreiben. Neben klaren Vorgaben zur Fallzahl müssen die zertifizierten Einrichtungen zahlreiche weitere Kriterien zur Struktur- und Prozessqualität erfüllen und eine leitliniengerechte Behandlung in Sinne der Patientinnen und Patienten gewährleisten.“
Hintergrund
Der „Qualitätsmonitor“ ist ein Online-Portal, das Struktur- und Qualitätsunterschiede in der Krankenhausversorgung für sechs Indikationen beleuchtet. Dazu gehören außer den genannten Krebsarten auch Herzinfarkt und die Versorgung von Schenkelhalsbrüchen. Nutzer können die jährlich aktualisierten Daten in Karten oder Diagrammen visualisieren und regionale Vergleiche anstellen.