Der 20-jährige Wisdom (20) und sein 21-jähriger Bruder Divine (21) Umanah sitzen im Ingelheimer Abschiebegefängnis. Dort sind sie laut SWR sehr plötzlich gelandet: Eigentlich hätten die Brüder vor zwei Wochen lediglich einige Dokumente bei der Kreisverwaltung Alzey-Worms abholen wollen. Stattdessen dann auf einmal die Festnahme.
Unerwartet in Handschellen
Die beiden jungen Männer aus Nigeria haben nach Informationen des SWR mehrere Jahre im rheinhessischen Armsheim gelebt. Beide seien gut integriert und hätten nun Ausbildungsstellen antreten sollen: Wisdom zum Krankenpfleger, Divine zum Technischen Zeichner. Doch als sie für ihre Ausbilder einige Papiere bei der Kreisverwaltung hätten besorgen wollen, seien sie plötzlich in Handschellen abgeführt worden. Noch am selben Tag seien sie einem Haftrichter am Amtsgericht Bingen vorgeführt worden, der die Abschiebehaft für sie angeordnet habe – angeblich, weil Fluchtgefahr drohe.
Die Brüder seien bereits seit fast zwei Jahren illegal in Deutschland, so der Richter. Sie hätten sich nur als Familienmitglieder einer Konsulatsmitarbeiterin, nämlich ihrer Mutter, im Land aufhalten dürfen. Da diese bereits 2022 wieder abgereist sei, seien Wisdom und Divine abgetaucht. Eine richtige Aufenthaltserlaubnis hätten sie nie besessen. Darum sollten sie nun schon am Freitag (11. Juli) abgeschoben werden.
Das wiederum sei den Brüdern aber überhaupt nicht bewusst gewesen, so der SWR. Nach der Abreise der Mutter habe man nacheinander zwei verschiedene Anwälte eingeschaltet, der Ausgang der Verhandlungen sei den jungen Männern nie klar mitgeteilt worden. Unter anderem seien auch Briefe an die Anwälte verloren oder an den falschen geschickt worden. Der jetzt neu hinzugezogene Anwalt der Brüder, Helmut Linck, sagte dem Medium gegenüber, er vermute, dass weitere Anträge hätten gestellt und eingereicht werden müssen.
Rheinhessen appellieren an das Land Rheinland-Pfalz
Linck habe nun im Eilverfahren Beschwerde gegen die Abschiebehaft eingereicht. Diese sei zwar vom Landgericht Mainz abgelehnt worden, aber über die Abschiebung selbst sei wohl noch nicht final entschieden.
Zudem setzen sich laut SWR mehrere Rheinhessen aus dem Umfeld der Brüder für die Umamahs ein. Darunter sei auch Wisdoms letzter Klassenlehrer, Jochen Hiber. Der könne nicht verstehen, wieso man einen gut integrierten jungen Mann, der drauf und dran sei, eine Ausbildung zum Krankenpfleger an der Uniklinik Frankfurt zu beginnen, abschieben wolle – schließlich würden Pfleger doch dringend gebraucht. „Ich falle vom Glauben ab, wenn das passiert“, habe er gesagt.
Auch andere Fragen sind dem Medium zufolge noch offen. Etwa habe die Kreisverwaltung Alzey-Worms eingeräumt, dass es ihr unverständlich sei, dass die Brüder weder in der Schule noch beim Arbeitgeber Aufenthaltstitel hätten vorlegen müssen.
Nun würden sich Hiber und weitere Unterstützer der Brüder an das Land Rheinland-Pfalz wenden, um die Abschiebung zu verhindern. Man habe beispielsweise Anträge beim Petitionsausschuss gestellt. Auch das Uniklinikum Frankfurt als Wisdoms künftiger Arbeitgeber beteilige sich daran. Zudem würden Gespräche zwischen Landrat Heiko Sippel (SPD) und dem rheinland-pfälzischen Flüchtlingsrat laufen. Sollte all das nichts bewirken, müssten die Brüder wohl sehr bald in ein Flugzeug nach Nigeria steigen.