Das Landeskriminalamt und Polizisten aus dem Mainzer Präsidium haben am frühen Mittwochmorgen die Wohnung eines Ehepaars im Landkreis Alzey-Worms durchsucht. Ihnen wird langjährige Mitgliedschaft in der 1951 gegründeten, rechtsextremistischen Organisation „Artgemeinschaft-Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V.“ vorgeworfen. Diese ist inzwischen verboten.
Wie das rheinland-pfälzische Innenministerium mitteilt, hatte sich das Ehepaar in den vergangenen Jahren aktiv an Veranstaltungen der „Artgemeinschaft“ beteiligt. Die Polizei stellte unter anderem Kommunikations- und IT-Geräte sowie schriftliche Unterlagen als Beweismittel sicher.
Der Rechtsextremismus stelle nach wie vor die größte Bedrohung für die freiheitliche demokratische Grundordnung dar, so Innenminister Michael Ebling (SPD) in einem Statement. Erst vergangenen Woche war die Gruppe „Hammerskins Deutschland“ verboten worden.
Neonazistische Vereinigung
Insgesamt gebe es etwa fünf Mitglieder der „Artgemeinschaft“ in Rheinland-Pfalz, so Ebling. Vereinssitz der Organisation ist Berlin. Laut Innenministerium zählt sie deutschlandweit etwa 150 Mitglieder und ist eine „große deutsche neonazistische Vereinigung mit völkischer, rassistischer, antisemitischer sowie antichristlicher Ausprägung“ und verbreitet „unter dem Deckmantel eines pseudoreligiösen germanischen Götterglaubens ein rassistisches Weltbild“.
So gebe es etwa Anweisungen zu einer richtigen „Gattenwahl“ innerhalb der nord- und mitteleuropäischen „Menschenart“, um das „richtige Erbgut“ weiterzugeben. Menschen anderer Herkunft würden hingegen herabgewürdigt. Auch Kinder und Jugendliche würden mittels nationalsozialistischer Literatur indoktriniert. Von 1989 bis zu seinem Tod 2009 wurde die Gruppe von dem bekannten Neonazi und Rechtsanwalt Jürgen Rieger geleitet.