So erleben Mainzer Unternehmen die Corona-Krise

Während der Corona-Krise hat sich der Arbeitsalltag auch in vielen Mainzer Unternehmen schlagartig verändert. Doch mit welchen Herausforderungen hatten die Mainzer Unternehmen zu kämpfen und wie haben sie bisher die Krise bewältigt?

So erleben Mainzer Unternehmen die Corona-Krise

Seit mehr als drei Monaten müssen die Mainzer mit verschiedenen Einschränkungen aufgrund des Corona-Virus leben. Das hat nicht nur Auswirkungen auf das tägliche Leben, auch Unternehmen vor Ort spüren die Folgen der Corona-Krise deutlich. Wir haben drei Mainzer Unternehmen gefragt, wie sie die letzten Monate erlebt haben.

Werner&Mertz

Das Mainzer Unternehmen Werner & Mertz ist vor allem für die Reinigungsprodukte der Marke „Frosch“ bekannt. Die Firma spürte die Auswirkungen der Krise schon unmittelbar nach dem Beginn. „Mit den ersten Fällen der Corona-Pandemie in Europa ist die Nachfrage nach Seifen, Oberflächenreinigern und Desinfektionsmitteln rapide gestiegen. Schnell überstiegen die Bestellungen unsere eigenen, freien Produktionskapazitäten sowie die unserer Vorlieferanten“, sagt die Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Werner & Mertz, Birgitta Schenz.

Man habe dann schnell reagiert, um europaweit die Versorgung mit notwendigen Reinigern für die Bevölkerung sicherzustellen. Dazu hätten viele Abteilungen in kurzer Zeit ihre Abläufe umstellen müssen, so Schenz. „So quoll beispielsweise der Posteingang unserer Verbraucherberatung regelrecht über, das Telefon stand nicht mehr still. Und die IT-Abteilung hat in Rekordzeit alle Mitarbeiter mit der notwendigen Hard- und Software für das Mobile Arbeiten zuhause ausgestattet“, erklärt die Sprecherin.

Das Unternehmen stellte in dieser Zeit auf einen Wechsel zwischen Home-Office und Präsenszeit um. Alles wurde zudem ein wenig technischer: „Interne Abstimmungen, aber auch Schulungen und Seminare fanden verstärkt über Online-Tools wie Skype und MS Teams statt. Selbst das EMAS-Audit, die anspruchsvollste Umweltprüfung nach Vorgaben der EU, ist in diesem Jahr zum ersten Mal weitestgehend online per Videokonferenz erfolgt“, erklärt Schenz.

Schott AG

Auch das große Mainzer Unternehmen Schott wurde von der Corona-Krise nicht verschont. Hier galt es, schnell zu handeln: „Als internationaler Konzern mit Standorten in 34 Ländern mussten wir sofort Vorkehrungen treffen, damit unsere Mitarbeiter nicht mit dem Virus infiziert und in der Folge die Produktion und andere Arbeitsprozesse lahmgelegt werden“, erklärt ein Pressesprecher der Schott AG. Diese strikten Vorkehrungen hatten allerdings auch Auswirkungen auf die Arbeitsabläufe im Unternehmen. „Wir haben zum Beispiel interne Präsenzmeetings durch Skype-Meetings ersetzt und auch die Kommunikation mit den Kunden und anderen externen Partnern entsprechend umgestellt.“

In Mainz und an vielen anderen Standorten nutzen viele Mitarbeiter in den Verwaltungsbereichen seit dem Beginn der Corona-Pandemie intensiv die Möglichkeit von Home Office. Damit kamen allerdings auch Herausforderungen auf das Unternehmen zu. „Durch verstärktes Arbeiten im Home Office stieß am Anfang unsere IT-Infrastruktur an gewisse Grenzen. Das konnten wir aber innerhalb weniger Tage lösen.“ Inzwischen sei man aber an einem Punkt angelangt, wo Mitarbeiter zeitweise wieder im Büro arbeiten könnten, so der Sprecher.

Doch nimmt das Unternehmen auch etwas Positives aus der Krise mit? „Ja“ - sagt der Sprecher. „Engagierte und motivierte Mitarbeiter waren schon immer eine Stärke von Schott. Es ist beeindruckend zu sehen, wie durch Corona die Solidarität und gegenseitige Achtsamkeit und auch die Flexibilität nochmal zugelegt haben. Auch die weitere Digitalisierung von bestimmten Arbeitsprozessen haben einen Schub bekommen“.

Café „Das Nest“

Doch wie geht es den kleinen Unternehmen? Wir haben mit Anne Specht gesprochen. Sie hat nur wenige Wochen vor der Krise ihr Café in der Neustadt eröffnet (wir berichteten). „Der Lockdown hat uns dann direkt total aus dem Konzept geworfen. Es konnte keine wirkliche Routine entstehen, die gerade am Anfang so unglaublich wichtig gewesen wäre. Mein Personal, dass ich gerade eingearbeitet habe, war super motiviert. Dann hatten sie aber von heute auf morgen keinen Job mehr“, so Specht.

Danach war erst einmal „Ratlosigkeit“ angesagt: „Wie lange muss ich schließen? Was muss jetzt getan werden? Da hat sich natürlich auch schon ein wenig Angst um den Laden angebahnt“, erzählt Specht. Dann hieß es für sie kreativ sein: „Wir haben relativ schnell überlegt, wie wir trotzdem noch Umsätze generieren können und dann einen kleinen Lieferdienst und kurz darauf den Fenster-Verkauf gestartet.“ Um die Zeit, in der der Laden geschlossen war noch besser zu nutzen, hat sie zudem bei Kochen für Helden Mainz mitgemacht, weil „wir die Initiative super fanden und wir unseren Teil dazu beitragen wollten“.

Die Nachricht, dass die Gastronomie wieder öffnen darf, hat bei Anne Specht allerdings nicht nur für Freude gesorgt. „Dann kam der Dämpfer mit den Auflagen. Das war alles nicht so einfach und wir haben uns eine Woche mehr Zeit gelassen, um alle Vorgaben richtig umsetzen zu können.“ Sie könne nun aber mit gutem Gewissen sagen, dass sie alle Auflagen erfüllen, so Specht. „Jetzt fangen wir gefühlt wieder bei Null an - Das Nest 2.0 quasi!“ (mm)

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