Warum es keinen Gedenkort für das KZ-Außenlager in Mainz-Finthen gibt

Von September 1944 an waren Häftlinge des SS-Sonderlagers / KZ Hinzert in einem Außenlager in Mainz-Finthen untergebracht. Ein Straßenname erinnert dort an das einzige Todesopfer. Eine Gedenkstätte für die Zwangsarbeiter ist in Finthen nicht geplant.

Warum es keinen Gedenkort für das KZ-Außenlager in Mainz-Finthen gibt

Bis zu 220 Menschen waren zwischenzeitlich ab Herbst 1944 im Außenlager des Konzentrationslagers (KZ) Hinzert in Finthen inhaftiert. Darunter waren Häftlinge aus Italien, Belgien, Frankreich, Holland und Luxemburg. Mit dem Luxemburger Jean-Pierre Jungels gab es auch ein Todesopfer. Jungels starb am 29. November 1944 an Entkräftung. An sein Schicksal erinnert eine nach ihm benannte Straße im Finther Gewerbegebiet – mehr nicht.

Merkurist-Leser Julian fragt daher in seinem Snip, warum es in Finthen bislang keine zentrale Gedenkstätte für die Zwangsarbeiter gibt.

„Keinerlei Ansätze für Gedenkstätte“

In Rheinland-Pfalz gibt es bislang drei zentrale Gedenkorte: die Gedenkstätte KZ Osthofen, die Gedenkstätte SS-Sonderlager / KZ Hinzert und die Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt an der Weinstraße. „Es ist von der Landeszentrale für politische Bildung auch nicht geplant, am Layenhof eine Erinnerungstafel anzubringen“, sagt Steffen Reinhard, pädagogischer Mitarbeiter in der Gedenkstätte KZ Hinzert. Das liege aber nicht daran, dass man das Thema „unter den Teppich kehren“ wolle oder entsprechende Initiativen nicht begrüße, so Reinhard. Gerade bei den Außenlagern habe man oft schlicht zu wenig Informationen. So habe allein das KZ Hinzert 29 Außenlager in der Region gehabt.

Auch seitens der Stadt Mainz gibt es derzeit „keinerlei Ansätze, im Bereich Layenhof eine Gedenkstätte zu schaffen“, wie Pressesprecher Ralf Peterhanwahr auf Anfrage von Merkurist mitteilt. Allerdings habe es in der Vergangenheit wiederholt Gedenkveranstaltungen auf dem Areal gegeben. Peterhanwahr verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass sich die Politik auf die Schaffung des im April dieses Jahres verwirklichten „Haus des Erinnerns – Für Demokratie und Akzeptanz“ in der Flachsmarktstraße verständigt habe.

Mit diesem Zentrum wolle man an zentraler Stelle an das „vielgestaltige Unrecht, dem Menschen aus unterschiedlichsten Gründen in der NS-Zeit ausgesetzt waren“, gedenken. Die Stiftung „Haus des Erinnerns“ werde daher maßgeblich von der Stadt getragen.

Wie Steffen Reinhard von der Gedenkstätte KZ Hinzert sagt, ist die Zahl aller Orte, an denen Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, heute nicht mehr exakt zu beziffern. Es sei daher fast unmöglich, an allen Orten Gedenktafeln aufzuhängen. Zwangsarbeit sei im Dritten Reich zu allgegenwärtig gewesen. Die meisten derartigen Gedenkorte gingen auf private Initiativen aus der Bevölkerung zurück. Die Jean-Pierre-Jungels-Straße bleibt daher bis auf Weiteres die einzige Erinnerung an die in Finthen internierten Zwangsarbeiter.

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