Gastrolegende Wolfi Klein: „Corona, verpiss dich“

Wie so viele Gastronomen ist Wolfgang „Wolfi“ Klein von der Corona-Krise betroffen. Wie es ihm in der Krise geht und was ihn am Leben hält, hat uns „Wolfi“ im Interview verraten.

Gastrolegende Wolfi Klein: „Corona, verpiss dich“

Früher führte die Mainzer Gastrolegende Wolfgang „Wolfi“ Klein das „Quartier Mayence“ oder den Nachtklub „Caveau“ - heute ist er der Chef im Gasthaus „Zum Löwen“ in Gonsenheim. Doch wie geht es dem Kult-Wirt in der Corona-Krise? Mit Merkurist hat er offen über seine Situation gesprochen.

Merkurist: Wolfi, wie geht es dir im Moment?

Wie soll es gehen? Ich wache jeden Morgen auf und hoffe, dass dieser böse Traum vorbei ist und wir wieder arbeiten dürfen. So habe ich mir meine Rente nicht vorgestellt. Jetzt muss ich arbeiten bis zur völligen Altersschwäche: Vom Zapfhahn hüpfe ich direkt in die Kiste!

Schaust du trotzdem optimistisch in die Zukunft oder geht dir langsam die Kraft aus?

Wenn ich nicht optimistisch wäre, hätte ich diesen knallharten Job nie machen können. Natürlich beschwere ich mich, wann und wo ich kann, schließlich brauche ich als Selbständiger ein wenig Zuwendung von meinen Gästen. Und manchmal einen Schnaps. Gastronomen sind empfindliche Seelen.

Wie lange kannst du als Gastwirt ohne Gäste noch finanziell überleben?

Das ist eine gute Frage, die ich mir täglich stelle. Übrigens auch meine Gäste, mein Steuerberater, die Lieferanten, das Finanzamt, meine Familie und das Personal - was noch übrig ist davon. Die sind in alle Winde verweht worden. Ich kann allen nur sagen: Ich gebe mir größte Mühe zu überleben und weiter für alle da zu sein. Aber das hängt leider nicht nur von mir ab, sondern von einem kleinen, aber fiesen Virus.

Was vermisst du während der Corona-Krise besonders?

Ich vermisse meine Gäste. Die Gespräche mit meinen Freunden, die gute Atmosphäre im Löwen und am Rathausplatz, sogar die Nachbarn. Natürlich den Fastnachts–Jump, das Johannisfest, Konzerte und Lesungen. Da haben wir Optimisten für den 5. Juni im Schlossbiergarten einen „Wolfi & Friends“-Abend geplant und hoffen, dass dieser auch stattfinden kann.

Hast du für die harten Corona-Maßnahmen der Bundesregierung Verständnis?

Verständnis: ja. Verständnis für die Umsetzung: nein. Man kann nur schimpfen statt impfen! Chaos! Da die Lage für alle erstmalig ist, war ja klar, dass Fehler gemacht werden, aber da mischen einfach zu viele Köche mit. So ist die Suppe leider etwas versalzen. Ganz schlimm finde ich es, dass auf Kosten dieser Pandemie Wahlkampf betrieben wird. Aber da ich nicht weiß, ob ich alles besser machen würde, überwiegt das Verständnis. Schlimm ist nur diese eigene Hilflosigkeit, man kann irgendwie nichts tun, um die Lage zu verbessern.

Du schreibst gerne Gedichte – schreibst du momentan besonders viel?

Ja. Das Schreiben hält mich am „Leben“. Ich habe während der Pandemie zwei Gedichtbände geschrieben (Halmosch Balmosch, Harababura), ein Buch zusammen mit meiner Allerbesten (Etwas ist immer los) und ein „Löwen–Buch“ (Die Haftelmacher) mit Geschichten aus dem Löwen. Gedichte mag niemand besonders, aber die halten mich fit. Da hab ich viel Prügel eingesteckt in den letzten Jahren: „Schreib deine Geschichten und quäle uns nicht mit den Gedichten“.

Prügel?

Klar, in der Schule musste man die früher auswendig lernen, da erinnert sich keiner gerne daran. Ich bin froh, ein Hobby zu haben und kreativ sein zu können. So haue ich halt lieber in die Tastatur rein, als TV zu konsumieren. Die Frage, die ich mir stelle: Wer soll das alles lesen? Wenn sich doch jemand dafür interessiert: Guckt mal hier. In Vorbereitung sind außerdem ein Kinderbuch: „Das Tiere ABC“ und ein Roman: „Brüderchen Ingo.“

Wenn Corona irgendwann überstanden ist – auf was freust du dich persönlich dann am meisten?

Auf das erste, frische Fassbier und dass ich meine Gäste wieder umarmen darf. Prosit!

Wenn du dem Corona-Virus ein Gedicht widmen solltest, wie würde es heißen?

Corona verpiss dich, keiner vermisst dich!

Vielen Dank für das Gespräch, Wolfi Klein.

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