Neuer Wohnraum: Kommt der „Rhein-Main-Bogen“?

Bezahlbarer Wohnraum in der Rhein-Main-Region ist knapp. Das Land Hessen will nun mit einem Projekt gegensteuern, bei dem speziell die Städte rund um Frankfurt finanziell gefördert werden, um neuen Wohnraum zu schaffen. Doch was passiert mit Mainz?

Neuer Wohnraum: Kommt der „Rhein-Main-Bogen“?

Das Rhein-Main-Gebiet ist eine der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands. Rund um die Städte Mainz, Wiesbaden und Frankfurt gibt es hunderttausende Arbeitsplätze. Dementsprechend groß ist auch der Zuzug in die Region, der von Jahr zu Jahr immer weiter zunimmt. Die Zahl der Wohnungen ist dagegen begrenzt. Schon jetzt fehlen tausende von Wohnungen.

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir sieht aber dennoch großes Potenzial für neuen Wohnraum rund um Frankfurt. Die Städte in dem von ihm bezeichneten „Großen Frankfurter Bogen“ will er nun wirtschaftlich unterstützen, wenn sie mithelfen, neuen Wohnraum zu erschließen. Profitieren sollen dabei alle Kommunen, die im Umkreis von höchstens 30 Zug-Minuten um den Frankfurter Hauptbahnhof liegen. Als Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz kommt Mainz natürlich für dieses Projekt nicht in Frage. Leser Manuel fragt deshalb, ob es nicht möglich wäre, einen „Rhein-Main-Bogen“ zu fördern, für den die Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz, gegebenenfalls auch Bayern, zusammenarbeiten.

„Zusammenarbeit denkbar“

Die Stadt Mainz gibt sich gegenüber der Idee eines solchen „Rhein-Main-Bogens“ offen. Wie Stadtsprecher Marc André Glöckner auf Anfrage von Merkurist sagt, sei Mainz mit der Herausforderung, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, nicht alleine. „Deshalb sind gemeinsame Maßnahmen zu begrüßen, die dazu führen, dass die Kosten für Wohnen nicht weiter steigen.“

Beim Thema Mobilität gebe es ja bereits eine Initiative zur Stärkung und zum Ausbau des ÖPNV in der Rhein-Main-Region, wie das 365-Euro-Ticket für das Rhein-Main-Gebiet. „Beim Thema Wohnen wären eine ähnliche Initiative und eine engere Zusammenarbeit ebenfalls denkbar.“ Da sich das Rhein-Main-Gebiet über mehrere Bundesländer erstreckt, müssten dann Gespräche auf regionaler Ebene in den Bundesländern Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz geführt werden, um auszuloten, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte, so Glöckner.

In Hessen scheint dagegen die Idee von einem länderübergreifenden Rhein-Main-Bogen kein Thema zu sein. Auf Anfrage teilt das hessische Wirtschaftministerium mit, dass „eine Ausweitung des Großer Frankfurter Bogen derzeit nicht geplant ist“. Auch habe es bisher keine Reaktionen aus Rheinland-Pfalz zu dem Vorhaben des hessischen Wirtschaftsministers gegeben.

Mainz wird bereits gefördert

Unabhängig vom hessischen Vorstoß, mehr Wohnraum rund um Frankfurt schaffen zu wollen, gibt es in Rheinland-Pfalz bereits ähnliche Maßnahmen — von denen Mainz profitieren soll. „Zur Stärkung des geförderten Wohnungsbaus hat Oberbürgermeister Michael Ebling im Mai dieses Jahres gemeinsam mit der rheinland-pfälzischen Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet“, sagt der Mainzer Stadtsprecher Marc André Glöckner.

In dieser Kooperationsvereinbarung werde beispielsweise festgelegt, dass mindestens 900 neue öffentlich geförderte Wohnungen — Mietwohnungen und selbst genutzter Wohnraum – bis Ende 2021 in Mainz entstehen werden. Hierfür stelle das Land Fördermittel zur Verfügung. Des Weiteren erhielten die Kommunen zum Beispiel für Analysen zum Wohnungsmarkt Mittel vom Land, so Glöckner. (ts/mo)

Logo