Tötung in Mainz: So informierte die Polizei die Menschen um das Hotel

Am Freitag waren weit über 100 Polizeikräfte um ein Hotel am Zollhafen im Einsatz, teils schwer bewaffnet. Anwohner und Angestellte umliegender Gewerbe zeigten sich gegenüber Merkurist verunsichert. Das war die Informationsstrategie der Polizei.

Tötung in Mainz: So informierte die Polizei die Menschen um das Hotel

„Als ich zum Rauchen nach draußen gehen wollte, stand da ein Polizist mit einem Maschinengewehr“ – so schildert ein Angestellter eines Supermarkts am Zollhafen Merkurist seine Eindrücke von dem Großeinsatz der Polizei am letzten Freitag (19. Juli). Rund um ein Hotel in der Rheinallee, in dem eine getötete und eine schwerverletzte Person gefunden worden waren, hatten zahlreiche Kräfte eine Absperrung errichtet, der Supermarkt lag in der abgesperrten Zone.

Schwer bewaffnete Polizisten in nächster Nähe

Die Angestellten erzählen weiter, dass sie sich gewundert hätten, keine Informationen von den Einsatzkräften erhalten zu haben. Eigenständig hätten sie letztlich beschlossen, die Hintertür auf der Seite in Richtung Hotel abzuschließen. Letztlich hätten sie aus einem Merkurist-Artikel erfahren, dass der Einsatz mit dem Toten im Hotel zusammenhänge. Ob aber Gefahr für sie bestehe, hätten sie länger nicht einschätzen können. Erst, als wiederholt Zivilisten an ihrem Geschäft vorbeigelaufen seien, hätten sie sich entspannt.

Der Mainzer Polizei-Pressesprecher Rinaldo Roberto erklärt dazu, dass Absperrungen in solchen Fällen in einen inneren und einen äußeren Bereich aufgeteilt würden: „Menschen, welche sich in einem Gefahrenbereich befinden, werden selbstverständlich von uns angesprochen und erhalten Verhaltenshinweise.“ Meist würden die Menschen von den Polizisten an der inneren Absperrung aufgefordert, den Bereich zu verlassen.

Die äußere Absperrung habe meist verkehrsregelnde Funktion, so Roberto weiter. Das traf auch am Freitag zu, als Rad- und Fußwege sowie die Rheinallee-Fahrbahn mit Bändern abgesperrt wurden. Die Maßnahmen begannen etwa auf Höhe der Rheinallee-Kreuzung zur Frauenlobstraße und endeten vor der Kreuzung zur Goethestraße.

Man halte den äußeren Sperrungsbereich von Verkehr frei, damit die Polizei sich dort frei bewegen und Einsatzfahrzeuge abstellen könne. „An der Absperrung können Bürgerinnen und Bürger Informationen erhalten, proaktiv findet dies nicht statt, da es auch keinen Anlass, keine Gefahr, gibt. Der Bedarf an Informationen außerhalb dieser Bereiche wird über unsere Pressearbeit gedeckt“, erklärt Roberto weiter.

Wann die Polizei sofort alle informiert

Aus Polizeisicht sei der „hochdynamische Einsatz mit sehr vielen betroffenen Menschen in Anbetracht der Dynamik“ sehr gut gelaufen. Es liege aber auch in der Natur der Sache, dass nicht alle Menschen erreicht werden könnten. „Dazu ist dieser eng bebaute und besiedelte Bereich und eine unbestimmte Größe an Menschen nicht geeignet gewesen.“

Aus Polizei-Sicht sei es am Freitag hauptsächlich zu Verunsicherungen gekommen, weil „sehr wilde Spekulationen“ kursiert seien. Damit meint Roberto die Gerüchte über einen Amoklauf in Mainz, die entgegen der tatsächlichen Polizeimeldungen im Umlauf waren.

Dass Menschen auf diese Spekulationen verängstigt reagierten, kann Merkurist ebenfalls bestätigen. So erzählte ein Vater einer unserer Redakteurinnen, dass die Kinder in einer Neustadt-Kita aus Vorsicht nicht draußen hätten spielen dürfen. Sie sollten auf Anweisung der Erzieherinnen drinnen bleiben. Roberto stellt zu den Amokgerüchten klar: „Hätte eine derartige Lage stattgefunden, wäre die Bevölkerung nur wenige Minuten nach Bekanntwerden informiert und gewarnt worden.“