Eine neue Verkehrsregelung in der Großen Bleiche sorgt für hitzige Debatten in Mainz. Die FDP-Stadtratsfraktion kritisiert in einer Anfrage an die Stadtverwaltung den sogenannten Modalfilter scharf. Dieser greife erheblich in die ohnehin schon durch Baustellen belasteten Verkehrsströme ein und verschlechtere die Erreichbarkeit der Innenstadt. Nun hat die Stadt zu den Vorwürfen Stellung bezogen.
Nach Ansicht der FDP ist die Altstadt durch die Maßnahme schlechter erreichbar, da Zufahrten wie die über die Holzhofstraße und Weißliliengasse eingeschränkt seien. Auch zentrale Parkhäuser am Schillerplatz, Theater oder am Römischen Theater seien nicht mehr direkt anzufahren, ohne dass es klare Umleitungshinweise gebe. Der Verkehr verlagere sich stattdessen unkontrolliert auf andere Straßen.
Besonders bedenklich sei die zusätzliche Belastung der Kaiserstraße, wo sich viele Schulen befinden und Tempo 30 unter anderem aus Lärmschutz- und Sicherheitsgründen eingeführt wurde. Die FDP bemängelt zudem, dass die Zufahrt zum Landtag ohne Vorwarnung durch Poller gesperrt worden sei. Auch Anwohner des Isenburg-Karrés protestieren laut der Anfrage mit einer Unterschriftensammlung gegen erhebliche Umwege und fordern Nachbesserungen.
Stadt: Voraussetzung für neue Tramstrecke
Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger verteidigt die Maßnahme. Der Modalfilter sei keine isolierte Sperrung, sondern eine „verkehrsorganisatorische Voraussetzung“ für den Lückenschluss der Straßenbahn in der Binger Straße. Ohne eine deutliche Reduzierung des Durchgangsverkehrs in der Großen Bleiche drohten Rückstaus bis zum Münsterplatz sowie massive Verspätungen im Bus- und Tramverkehr.
Die Entscheidung beruhe auf einem offiziellen Verkehrsgutachten von 2023. Ziel war es, den Durchgangsverkehr am Landesmuseum um rund 55 Prozent zu reduzieren. Dass sich der Verkehr auf Hauptstraßen wie die Kaiserstraße verlagern würde, sei Teil der Prognosen gewesen. Steinkrüger betont, dass die Innenstadt und ihre Parkhäuser weiterhin erreichbar seien, wenn auch teilweise über geänderte Routen.
Kritik wird ernst genommen, Anpassungen geprüft
Da der Filter erst seit Ende Juli in Betrieb ist, befinde sich der Verkehr noch in einer „Eingewöhnungsphase“. Eine verlässliche Bewertung sei daher noch nicht möglich. Die Stadt nehme die Kritik jedoch ernst. So sei die Zufahrt zum Landtag nicht komplett gesperrt, sondern neu geordnet worden. Auch die Hinweise aus der Unterschriftensammlung der Anwohner würden in die laufende Überprüfung einbezogen.
Nach der Eingewöhnungsphase sind weitere Verkehrszählungen geplant, um die Auswirkungen zu bewerten. Dabei sollen auch die Belastungen in der Kaiserstraße und den Wohnstraßen sowie die Schulwegsicherheit berücksichtigt werden. Eine komplette Aufhebung des Filters sei unwahrscheinlich, da er für die Funktionsfähigkeit der neuen Tramstrecke entscheidend sei. Sollten sich jedoch „erhebliche, nicht prognostizierte Verkehrsverlagerungen, Sicherheitsprobleme oder unzumutbare Belastungen“ zeigen, werde die Verwaltung geeignete Nachsteuerungen prüfen.